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Lübeck LHG-Tarifstreit: Wie viel verdient ein Hafenarbeiter?
Lokales Lübeck LHG-Tarifstreit: Wie viel verdient ein Hafenarbeiter?
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17:11 13.09.2013
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Lübeck

Nach Angaben der LHG verdient ein Hafenarbeiter der Lohngruppe fünf 46 200 Euro im Jahr. „Das ist das Jahresbruttogehalt“, erklärt LHG-Chef Heinrich Beckmann. In dieser Lohngruppe sind von 190 Hafenarbeitern 105 beschäftigt. „Die meisten“, sagt Beckmann. Nur vier bekommen weniger Gehalt, der Rest liegt darüber. „Der Durchschnittsverdienst ist damit höher“, sagt der LHG-Chef.

Andreas Riedl, Ver.di-Gewerkschaftssekretär, hält dagegen: „Weder 46 200 Jahresgrundbrutto für Hafenarbeiter noch 36 000 Euro für Umschlagsarbeiter sind über unsere Tarifverträge erreichbar.“ Auch der Vergleich zu dem Rostocker Hafenarbeiter in Höhe von 29 600 Euro finde sich nicht in Ver.di-Tarifverträgen wieder. Riedl gegenüber den LN: „Man muss den Stundenlohn nehmen.“ Der summiere sich in Lübeck auf rund 38 000 Euro im Jahr für Hafenarbeiter.

Beckmann hält dagegen: Das Jahresgehalt des Hafenarbeiters setzt sich nicht nur aus dem Stundenlohn (38 675 Euro) zusammen. Hinzu kommen eine Jahreszuwendung in Höhe von 3222 Euro, Urlaubsgeld von 1300 Euro und noch einmal 1400 Euro extra Urlaubsgeld. Des Weiteren addieren sich ein Zuschuss zur Altersversorgung (549 Euro), eine Jahreszulage (444 Euro), vermögenswirksame Leistungen (319 Euro) sowie eine Erholungsbeihilfe (286 Euro). „Diese Zusatzzahlungen bekommt jeder, der bei uns arbeitet“, sagt Beckmann.

Ein Hafenarbeiter hat eine 40-Stunden-Woche, 30 Urlaubstage plus 30 bezahlte freie Tage. Sonnabendarbeit wird durch einen freien Tag in der Woche ausgeglichen. Mehrarbeit, Arbeit an Sonn- und Feiertagen sind freiwillig, die Entlohnung addiert sich noch auf das Jahresgrundgehalt. Seit 1998 gibt es parallel zum Hafenarbeiter den Tarif des Umschlagsarbeiters. Er verdient laut LHG 36 000 Euro Jahresbruttogehalt. Der entscheidende Unterschied nach Angaben von Beckmann: Er bekommt kein extra Urlaubsgeld, die Jahreszuwendung fällt mit 1334 Euro deutlich niedriger aus, und die 30 freien Tage sind unbezahlt. Zudem muss er an 13 Sonntagen im Jahr arbeiten.

Der Vergleich: Im Rostocker Hafen hat die Gewerkschaft Ver.di einen niedrigeren Tarifvertrag abgeschlossen. Dort werden 29 600 Euro im Jahr verdient — inklusive Urlaubsgeld, Jahreszuwendung, Jahreszulage, Einmalzahlung und vermögenswirksame Leistungen. Es gibt eine 40-Stunden-Woche, 24 bis 30 Tage Urlaub (je nach Dauer der Zugehörigkeit), keine extra freien Tage. An 26 Sonntagen im Jahr muss gearbeitet werden, Mehrarbeit sowie Arbeit an Feiertagen sind im Gegensatz zu Lübeck Pflicht. Die Daten legen alle die Tarifverträge aus 2011 zu Grunde, da es bei der LHG noch keinen Tarifabschluss 2012 gibt.

Jahreslohn: Wenden Sie sich an uns
Wer hat recht — die Gewerkschaft Ver.di oder die LHG? Die LN hatten Ver.di das Angebot gemacht, Lohnabrechnungen der Hafenarbeiter vorzulegen. Diese würden wir — selbstverständlich anonym und unter Wahrung des Datenschutzes — auswerten und darüber berichten. Dieses Angebot gilt natürlich für alle: Wenn Sie bei der LHG als Hafenarbeiter beschäftigt sind und belegen können, dass die LHG-Zahlen falsch sind (idealerweise mit einer Jahresabrechnung), wenden Sie sich vertrauensvoll an die Redaktion. Kontakt: LN-Lokalredaktion, Dr.-Julius-Leber-Straße 9-11, 23 552 Lübeck, E-Mail: redaktion.luebeck@ln-luebeck.de, Fax 0451/144 10 25.

Josephine von Zastrow

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