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Lübeck Labrador „Emi“ geht zur Schule
Lokales Lübeck Labrador „Emi“ geht zur Schule
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21:44 05.04.2014
Labradorhündin „Emi“ wird gut umsorgt: Die Schüler der 5a der Gotthard-Kühl-Schule sind glücklich, dass sie den ersten Schulhund in der Klasse haben. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Kaum kommt Dana Puchert mit der Labradorhündin in die Klasse 5a gelaufen, wird es schlagartig ruhiger. „Da ist ja ,Emi‘, unser Superstar“, sagt Tom (12). Denn so eine kleine Berühmtheit ist die Vierbeinerin an der Gotthard-Kühl-Schule in St. Lorenz Nord schon: „Emi“ (3) ist die erste zertifizierte Schulhündin in Lübeck.

Zwei Jahre wurde der Labrador ausgebildet. Jetzt ist er ein zertifizierter Schulhund. Die Kinder freut's.

Zwei Jahre lang lebt der Labrador nun schon bei Lehrerin Dana Puchert zu Hause, die Hündin wurde dort auf ihren Einsatz mit Schülern genau vorbereitet. „Erst einmal musste ich den richtigen Hund überhaupt finden“, sagt Puchert. „Das allein hat schon ein Jahr gedauert.“ Ganz genau hat die 27-Jährige mögliche Kandidaten unter die Lupe genommen; hat geschaut, wie die Vierbeiner auf andere reagieren, wie lernbereit sie sind und wie hoch ihre Frustrationstoleranz ist. Und vor allem: „Die Bindung zwischen Tier und Mensch muss stimmen“, sagt Puchert. „Der Hund muss einen verstehen, aber man muss selbst auch genau auf die Körpersprache des Hundes achten.“ So traf sie auf „Emi“, die eigentlich ins Tierheim kommen sollte und körperlich nicht im besten Zustand war. „Damals war sie noch zehn Kilo schwerer“, erzählt die Lehrerin. Auch viel Fellpflege musste betrieben werden. Hinzu kam die Ausbildung: Zwei Jahre hat Puchert mit „Emi“ in ihrer Freizeit alle Seminare von Grundgehorsam über tiergestützte Pädagogik bis hin zu Hundekommunikation belegt. Doch das machte der Lehrerin nichts aus, sie hatte ihr Ziel vor Augen: „Ich kannte die Arbeit mit Hunden im Unterricht aus Hamburg und fand da schon die Wirkung auf die Schüler faszinierend.“

So streift „Emi“ jeweils zwei Stunden am Tag durch die Klasse, ihr schwarzes Fell wird mal an dem einen, mal an dem anderen Tisch von den Schülern gestreichelt. „Wir sind gleich viel leiser, wenn ,Emi‘ da ist“, sagt Jeanny (12), „da kann man sich viel besser konzentrieren.“ Alle Schüler berichten, dass ihnen schwerere Aufgaben leichter fallen, wenn der Hund da ist. „Dann kann man sie zwischendurch streicheln und ist trotzdem nicht abgelenkt“, sagt Kevin (11). Dass der Schulalltag mit „Emi“ so gut funktioniert, ist auch festen Regeln zu verdanken, welche die Schüler gewissenhaft einhalten: Nicht so laut sein, nicht füttern, behutsam streicheln. „Jetzt ist es auch viel aufgeräumter hier, und wir gehen vorsichtiger miteinander um“, erzählt Josephine (12). Und sie respektieren auch: Wenn „Emi“ eine Pause braucht, legt sie sich auf ihre Hundedecke in der Ecke des Klassenraums. Dort darf die Hündin dann nicht gestört werden. Ganz nebenbei haben die Schüler so nun auch im Fach Nawi (Naturwissenschaften) gleich ein Anschauungsobjekt: „Da lernen wir gerade alles über Hunde“, berichtet Paul (11).

Auch der Schulleiter lobt das Projekt: „Das ist eine ganz tolle Bereicherung für unsere Schule“, so Matthias Isecke-Vogelsang. „Ich habe zu diesem Vorhaben sofort Ja gesagt, weil bekannt ist, dass Tiere eine sehr positive Wirkung haben können.“ Weitere Schulhunde sind jedoch vorerst nicht geplant. Zum einen, weil der Aufwand sehr groß ist, zum anderen, weil es für solche Projekte derzeit keine finanzielle Förderung gibt. Isecke-Vogelsang: „Frau Puchert hat hier in Eigeninitiative gehandelt und viel Zeit und Herz in das Projekt gesteckt.“

Lena Schüch

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