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Lübeck Lachswehr: Restaurant wird Krippe
Lokales Lübeck Lachswehr: Restaurant wird Krippe
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11:22 31.07.2018
Besichtigen die neuen Räume (v. l.): Christina Fischer, Beryl Earley und Yvonne Laub von der „Babygruppe Lübeck“. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
St. Lorenz Süd

„Wir können uns keine bessere Nutzung vorstellen“, sagt Stefan Brockmann (49), Vizepräsident des Lübecker Motorboot-Clubs (LMC), der Eigentümer der Lachswehr ist. Nach dem Auszug des letzten Gastronomie-Pächters Leon Sahin Ende Oktober 2017 hatte der Verein lange nach einem neuen, seriösen und ruhigen Pächter für die Gastronomie gesucht. Aber entweder passte die Lachswehr wegen der im Keller liegenden Küche für die Interessenten nicht, oder die Interessenten passten dem Eigentümer nicht. Schon im Mai hatte Brockmann gesagt, es wäre zwar schön, wenn das Traditions-Restaurant wieder für Familienfeiern genutzt würde, aber man könne sich auch eine andere Nutzung vorstellen.

Nach mehr als 250 Jahren endet an der Lachswehr eine Ära: Das 1751 errichtete Gebäude wird vom Restaurant zur Krippe und Kita für Ein- bis Sechsjährige. Neuer Pächter ist die gemeinnützige GmbH Kinderwege, die die Trägerschaft für die Babygruppe Lübeck übernimmt.

Zahlen und Fakten

1695 richtet Pächter Pierre de Forge ein Kaffeehaus auf dem Gelände der Lachswehr ein, 1751 wird das heutige Gasthaus errichtet. Seitdem wurde es stets als Gastronomie genutzt.

Kinderwege betreibt je zwölf Kitas und Schulkindeinrichtungen, diverse Einrichtungen im Kinder- und Jugendhilfebereich und hat an 25 Standorten in Lübeck 450 Mitarbeiterinnen.

Und plötzlich passte alles zusammen: Die „Babygruppe Lübeck“, 1978 als Elterninitiative gegründet, hatte Probleme mit ihrem bisherigen Standort in der Stadtfreiheit 1. „Die Unfallkasse“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Christina Fischer (36), „hat extreme Anforderungen an das Gebäude gestellt, die wir nicht erfüllen können.“ Vor allem sei es um einen zweiten Rettungsweg gegangen, rund 300000 Euro hätte der 24 Mitglieder starke Verein für die Umbauten aufbringen müssen. In der Hoffnung, ein neues Gebäude für die 40 Jahre alte Babygruppe zu finden, wandte sich der Verein an die Stadt. Die habe dann geraten, sagt Vorsitzende Yvonne Laub (35), „sich einem größeren Träger anzuschließen“.

Denkmal bald von Kinderlachen erfüllt

Und der ist nun gefunden. Kinderwege-Geschäftsführer Joachim Karschny (59) hatte gelesen, dass ein neuer Pächter für die Lachswehr gesucht wird und Kontakt zum LMC aufgenommen. Man wurde sich schnell einig. Dass das Haus aus dem Jahr 1751 denkmalgeschützt ist, sieht Karschny unproblematisch. Im Gegenteil: „Ich finde es gut, wenn Denkmäler öffentlich genutzt werden.“ Bei einer ersten Begehung mit der Denkmalpflege und seinem Architekten Peter Lohse habe man viele Möglichkeiten erörtert, das Haus „möglichst wenig invasiv“ und dennoch zweckmäßig und allen Anforderungen entsprechend umzubauen. Auch ein Vertreter des Ministeriums für Soziales habe sich das Haus bereits angeschaut und Zustimmung signalisiert. Großer Vorteil: Es gibt bereits zwei Rettungswege aus dem Erdgeschoss, in dem künftig Kinderlachen statt Gläserklirren oder lauter Partymusik ertönt. Das Obergeschoss hingegen ist nur für Erwachsene gedacht, zudem wird hier eine Haustechniker-Wohnung untergebracht.

Beim Gang durch die Räume erklärt Karschny, wie die künftig drei Gruppen norm- und vor allem kindgerecht untergebracht werden können. Christina Fischer, Yvonne Laub und Mitarbeiterin Beryl Earley (65) gucken mit großen Augen auf die stuckverzierten Decken und die schwarz gestrichenen Wände im Barbereich der Lachswehr. „Wenn man das gelb streicht, sieht es schon ganz anders aus“, sagt die Irin Earley, die vor 40 Jahren als junge Mutter Mitbegründerin der Babygruppe war, „nur aushelfen wollte“ und bis heute blieb.

Die Küche im Keller, die namhafte Gastronomen von einer Übernahme der Lachswehr-Pacht abschreckte, ist für Kinderwege kein Problem. „Wir bauen eine neue Küche ein“, sagt Karschny, „wir kochen ja immer frisch und können von hier aus sogar noch andere Einrichtungen beliefern.“

Schon zum 1. August dieses Jahres übernimmt Kinderwege die Kita „Babygruppe Lübeck“, die bisher drei Krippengruppen mit Kindern zwischen einem und drei Jahren mit insgesamt 27 Kindern betreibt. Alle Mitarbeiterinnen der Babygruppe würden zu bisherigen Bedingungen übernommen, die Kita behalte ihren Namen, ihre Identität und ihr Konzept. Wobei sich am Konzept schon ein wenig ändert, wenn im August 2018 in der Lachswehr der Betrieb startet: Künftig gibt es eine Babygruppe und zwei altersgemischte Gruppen für Kinder von einem bis zu sechs Jahren. Insgesamt sollen 40 Kinder die Lachswehr beleben, darunter auch einzelne Kinder mit Behinderung.

Losgehen soll es in den Räumlichkeiten mit Garten und Wasserlage am 1. August 2019. Eine Genehmigung für die neue Nutzung der Räumlichkeiten zu bekommen, sieht Karschny als unproblematisch an. Für die Umbauten veranschlagt er 100000 Euro, wovon ein Großteil aus Bundes- und Landesmitteln kommt. Stefan Brockmann betont, wie glücklich er und seine Vereinskameraden über den neuen Pächter sind:

„Wir setzen auch auf die Langfristigkeit, denn der Pachtvertrag wird über 25 Jahre abgeschlossen.“ Was bei Kinderwege üblich ist und auch an dieser Stelle gepflegt werden soll: eine Kooperation mit dem Partner, in diesem Fall dem LMC. Gut möglich also, dass künftig kleine Kapitäne mit erfahrenen Wassersportlern in See stechen.

Sabine Risch

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