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Lübeck Raser und Lkw nerven am meisten
Lokales Lübeck Raser und Lkw nerven am meisten
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16:58 04.12.2018
Die Hansestadt kontrolliert mit stationären Blitzern und mobilen Überwachungsgeräten den Verkehr. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Lübeck – Stadt der lauten Wege“ lautet der Titel einer funkelnagelneuen Broschüre der Umweltbehörde. 560 Lübecker haben sich an einer Online-Befragung der Behörde zum Thema beteiligt. Resultat: Die meisten Bürger stören sich am Straßenverkehrslärm und fordern mehr Geschwindigkeitskontrollen. Doch es gibt Hoffnung für die Lärmgeplagten. Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) und seine Fachleute stellen fest, dass die Autofahrer in Lübeck disziplinierter fahren als früher.

Die Broschüre „Stadt der lauten Wege“ steht im Internet und liegt an der Infothek des Verwaltungszentrums Mühlentor aus. Quelle: Kai Dordowsky

Rund 8000 Bürger sind ganztags erhöhten Lärmpegeln ausgesetzt, nachts sind es wegen der geringeren Grenzwerte sogar 8800 Menschen. „Das ist eine nennenswerte Größe“, erklärt Hinsen – aber es waren auch schon mehr. Lärmschutzwälle an der Autobahn HamburgLübeck oder die Fertigstellung der neuen B 207 haben die Zahl der Betroffenen reduziert. Als lauteste Straßen gelten nach wie vor die Autobahn-Abschnitte, die durch Lübeck führen, die Kreisel, die Travemünder Allee, der St.-Jürgen-Ring, die Fackenburger Allee, die Kronsforder Allee sowie Teile von Ratzeburger und Moislinger Allee.

Die Online-Befragung, die nicht repräsentativ ist, kommt zu einem anderen Spitzenreiter. Mit weitem Abstand liegt die Neue Hafenstraße vorn. „Das hat mich auch gewundert“, sagt Silke Mählenhoff (Grüne), Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit und Ordnung. Die Beteiligung an der Umfrage ist ungleich verteilt – aus St. Lorenz Nord, Kücknitz und St. Gertrud fühlen sich die meisten Teilnehmer vom Verkehrslärm gestört. Außerdem haben sich überwiegend ältere Mitbürger an der Umfrage beteiligt.

Tempokontrollen: Ergebnisse im Netz

Seit einigen Jahren stellt die Verwaltung die Ergebnisse der Geschwindigkeitskontrollen ins Internet. Aktuell sind die Messungen aus dem Oktober aufgelistet. Der Großteil zeigt wenige Überschreitungen. Beispiel: In der Neuen Hafenstraße wurden Ende Oktober sechs Tage lang über 68 000 Fahrzeuge gemessen, ein Prozent war zu schnell. Es gibt aber auch Ausreißer nach oben. Am 22. Oktober wurde in der Mecklenburger Straße (Tempo 30) geblitzt, 24 Prozent waren zu schnell unterwegs.

Trotzdem geht Umweltsenator Hinsen davon aus, dass „die Betroffenheit der Bevölkerung ermittelt wurde“. Und die lautet, dass Raser, Lastwagen, Pkw und Motorräder am meisten nerven. Deutlich vor den Sirenen der Rettungsfahrzeuge, Baustellen und Busse. Die Geräusche der Außengastronomie stört am wenigsten. Die Teilnehmer konnten weitere Lärmquellen nennen – eine Hand voll hat Kirchenglocken genannt.

Im Kampf gegen den Verkehrslärm bevorzugen die Befragten Geschwindigkeitskontrollen, Flüsterasphalt und Tempo-30-Zonen. Dank zweier mobile Blitzer habe die Stadt die Kontrolltätigkeit intensiviert, sagt der Umweltsenator. 105 249 Bußgelder wurden im vergangenen Jahr gegen Temposünder verhängt, geht aus dem städtischen Haushaltsplan hervor. Für dieses Jahr wurde sogar mit 130 000 kalkuliert. Diese Hochrechnung hat die Stadt mittlerweile nach unten korrigiert und kalkuliert für 2019 und weitere Jahre mit rund 106 000 Fällen. „Die Autofahrer fahren disziplinierter als früher“, erklärt Hinsen, „unsere Kontrolltätigkeit zeigt Effekte.“

110 Tempo-30-Zonen

2013 stellten Wissenschaftler der Technischen Hochschule in einer Blitzer-Studie fest, dass stationäre Radarfallen wie am St.-Jürgen-Ring den Verkehrslärm mindern. Lärmspitzen durch rasende und knatternde Motorräder oder Lastwagen sanken um bis zu 30 Prozent.

Die Grünen betrachten Tempokontrollen nicht als Königsweg der Lärmminderung. „Wir setzen flächendeckend auf Tempo 30, auch auf großen Durchgangsstraßen“, sagt Ausschussvorsitzende Mählenhoff. Derzeit gibt es in Lübeck 110 Tempo-30-Zonen mit zusammen 320 Kilometern Länge. Wichtig sei, Autofahrer nicht nur zu kontrollieren, sondern ihnen auch Angebote zum Umstieg zu unterbreiten – beispielsweise durch bessere Radwege, so Mählenhoff.

Auch Marek Lengen, umweltpolitischer Sprecher der SPD, spricht sich Tempo-30- oder Tempo-40-Zonen auf Hauptverkehrsstraßen aus. Lengen wirbt dafür, dass die Hansestadt noch stärker auf Geschwindigkeitsanzeigen setzt. Der SPD-Politiker: „Beruhigend ist, dass die Bürger wenige Probleme mit Festen, Außengastronomie und Industrie haben.“

Die Wakenitz ist der Lieblingsort der Lübecker, wenn sie Ruhe suchen. Quelle: LN-Archiv

Die Umweltbehörde wollte von den Bürgern auch wissen, wohin sie sich zurückziehen, wenn sie Oasen der Ruhe suchen. Die Wakenitz landete mit weitem Vorsprung vor der Ostsee und dem Stadtpark. Lübeck weist nach Behördenangaben 55 ruhige Gebiete mit zusammen rund 6200 Hektar Fläche aus. Diese Gebiete sollen durch einen Lärmaktionsplan geschützt werden, den die Stadt 2019 erstellt und in den die Anregungen der Online-Befragung einfließen.

Kai Dordowsky

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