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Lübeck Landratten werden Schiffskatzen
Lokales Lübeck Landratten werden Schiffskatzen
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18:21 23.12.2015
In der Kombüse ist es traditionell eng — da muss jeder Handgriff sitzen. Gisela Martens kennt sich aus. Demnächst kocht sie mit den Kindern.

An Bord der „Krik Vig“ brutzeln in der Pfanne von Gisela Martens Apfelringe vor sich hin, auf dem Tisch steht weihnachtliches Gebäck, und Seebär Rudolf Martens trägt mit sonorer Stimme „Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu“ von Joachim Ringelnatz vor. Im Schein der Petroleumlampen lauschen nicht nur Mitglieder des Vereins Museumshafen und Sponsor Michael Haukohl, sondern auch sechs Zwölf- bis 14-Jährige, die T-Shirts mit der Aufschrift „Schiffskatze“ tragen. Seit Anfang November kommen sie und einige Mitschüler von der Emanuel-Geibel-Schule jeden Freitag für drei Stunden in den Museumshafen, um in ihrer Freizeit einiges über Schiffe, Motoren, Knoten, das Wetter und vor allem gute Seemannschaft zu lernen.

Warum sie das machen, statt sich mit Freunden zu treffen oder einfach nur nach einer anstrengenden Schulwoche zu chillen? Zoe Böttcher (12) weiß genau, warum: „Ich möchte Meeresbiologin werden“, sagt die Siebtklässlerin, „das steht schon seit der vierten Klasse fest.“ Und da sei es eben gut, einiges über Schiffe und das Wetter zu erfahren. Dustin-Tyron Mattussat (13) hat noch keine konkreten Berufsvorstellungen, „aber ich bin daran interessiert, wie man mit Schiffen fährt und wie sie aufgebaut sind.“ Ähnlich geht es Tom Timm (14), nur geht es ihm mehr ums Handwerkliche und die E-Technik.

Alle drei werden mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen.

„Von der Landratte zur Schiffskatze“ heißt das Projekt des Vereins Museumshafen zu Lübeck, mit dem dieser einen Beitrag zur Jugendarbeit leisten möchte — und das in gewisser Weise auch der Nachwuchsförderung und -werbung gilt. „Mich hat das Projekt von Anfang an begeistert“, sagt Michael Haukohl, dessen Stiftung die Emanuel-Geibel-Schule als Patenschule hat. Auch der stellvertretende Schulleiter Kay Jensen, der samt seinem Kollegen Bert-Jürgen Otto die Kids jeden Freitag in den Hafen und auf die Schiffe begleitet, ist angetan von der Schiffskatzen- Ausbildung. „Es ist großartig, wenn man in einer Hafenstadt Kindern etwas zum Thema Seemannschaft vermitteln kann.“

Von Kapitän Henning Redlich haben die Kinder schon einiges über Schiffskunde, Nautik und Seemannschaft gehört, mit Siegfried Tolksdorf und Susanne Lindacher üben sie allerlei Knoten (die kann man immer mal gebrauchen), lernen einiges über Sterne und Wetter, mit Lutz Kirsten (Galeasse „Fridthjof“) lernen sie, Schiffe seeklar zu machen. Viele Termine stehen noch bis Mitte Juni an — besonders freuen sie sich darauf, endlich auch Törns mit den Schiffen zu unternehmen.

Doch jetzt ist erst einmal Weihnachtsfeier an Bord der „Krik Vig“. Kapitän Martens packt sein Schifferklavier aus und stimmt „Heilige Nacht“ an. Die Beteiligung am Gesang ist zwar eher mäßig, aber die Schüler, die soeben von Vereinsvorstand Holger Walter ihre „Schiffskatzen“-T-Shirts bekommen haben, lauschen immerhin. Und dann kommt Gisela Martens ins Spiel. Sie erzählt von der Ernährung und dem Kochen an Bord, will von den Kindern wissen, was sie Ende Januar auf der „Krik Vig“ gemeinsam kochen möchten. Wichtig für die Kids: „Dass keine Lehrer dabei sind.“ Und dann fällt das Wort „Pizza!“. Okay, Pizza. „Erzählt mir doch mal, wie ihr zuhause Pizza macht“, fordert Gisela Martens die Kinder auf. Ergebnis: Entweder wird eine Tiefkühlpizza in den Ofen geschoben, oder aber es ist zumindest Fertigteig. Nicht auf diesem Schiff! „Wir können Pizza machen, aber dann machen wir alles selbst“, stellt Gisela Martens klar. Zögerlich stimmen die Kinder zu.

Sie werden noch einiges lernen bei dem Projekt, nicht nur die Zubereitung von Pizza. Für alle steht schon jetzt fest: Es wird eine Fortsetzung geben.

Sabine Risch

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