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Lübeck Lastwagen-Karawanen nerven Kücknitzer
Lokales Lübeck Lastwagen-Karawanen nerven Kücknitzer
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17:08 28.05.2016
Roland Beier (50) und Tochter Kim nervt der Lärm. Die Zwölfjährige kann sich bei den Hausaufgaben nicht mehr konzentrieren. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
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Kücknitz

Die Lastwagen rauschen vorbei, ein lautes Donnern erfüllt die Straße, dann weht ein kühler Windzug. Für kurze Zeit ist es ruhig. Doch nach ein paar Sekunden, rast der nächste Laster vorbei. Das Dröhnen ist so laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. „Das ist eine Katastrophe. Es ist unglaublich laut und auch gefährlich mit den vielen Brummis“, sagt Georgius Botsaris, der in der Solmitzstraße ein griechisches Restaurant betreibt. Grund für den enormen Verkehrslärm ist die Sperrung der Anschlussstelle Skandinavienkai (B 75).

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Roland Beier (50) und Tochter Kim nervt der Lärm. Die Zwölfjährige kann sich bei den Hausaufgaben nicht mehr konzentrieren.

Seit Anfang der Woche wird ein Teil der Travemünder Landstraße saniert, bis zum 3. Juli sollen die Arbeiten dauern.

Seinen Wintergarten kann der 43-jährige Restaurantbetreiber seitdem abschließen. Seine Gäste sitzen nur noch im Innenraum. „Die Situation ist dramatisch, gerade abends zwischen 17 und 19 Uhr ist es voll auf den Straßen“, sagt Botsaris, „hier ist es ungemütlich.“ Seit ein paar Tagen müssen die Lkw die Umleitungsstrecke über Kücknitz nehmen. Wer in Richtung Skandinavienkai will oder von dort kommt, muss über die Anschlussstelle Kücknitz, den Waldhusener Weg, die Solmitzstraße und die Travemünder Landstraße fahren.


„Natürlich gibt es gewisse Beeinträchtigungen, wenn am Skandikai die Fähren entladen werden, da pro Fähre bis zu 200 Lkw in 30 Minuten auf die Straße gelassen werden“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Wenn die Fahrzeuge in Kolonne vom Skandinavienkai anrollen, entsteht an der Kreuzung Travemünder Landstraße/ Solmitzstraße ein Stau. Die Ampelschaltung ist bereits optimiert worden. Dennoch staut sich der Verkehr gerade in den frühen Morgen- und Abendstunden.

Die Anwohner gehen schon jetzt auf dem Zahnfleisch. „Es ist so laut, dass ich Kopfschmerzen bekomme und mich nicht mehr auf die Hausaufgaben konzentrieren kann“, sagt die zwölfjährige Kim. Sogar ihr Hase spürt und hört den Lärm und läuft aufgeregt im Käfig hin und her. Und auch den Garten ihres Elternhauses nutzt sie kaum noch. „Ich gehe lieber zu Freunden, da ist es ruhiger“, sagt sie. Ihr Vater Roland Beier (50) nickt zustimmend: „Wenn ich vor dem Haus eine rauche, rauschen die Laster in einer Tour vorbei. Wir sind froh, wenn das vorbei ist.“ Kim ist außerdem aufgefallen, dass viele ihrer Mitschüler zu spät zur Schule kommen, weil der Schulbus nicht so schnell wie sonst durch den Verkehr kommt.

Und auch der Heimweg von der Arbeit ist für viele Kücknitzer nervenaufreibend. „Oft brauche ich deutlich länger, weil alles dicht ist“, erzählt Petra Rattunde (45). Sie wohnt in einem Hinterhaus, direkt beim griechischen Restaurant. „Mit Nachbarn redet man draußen kaum, es ist einfach zu laut“, sagt sie. Gerade morgens zwischen 7 und 8 Uhr rattern die Lastwagen in Massen vorbei. „Allerdings kommt auch viel Lärm von der Baustelle“, fügt Rattunde hinzu, „man kann nicht einschätzen, was nun mehr belastet.“ Denn in der Solmitzstraße wird gleichzeitig ein neuer Aldi-Markt errichtet. Noch bis Ende des Jahres wird es dauern, bis die Filiale eröffnet.

Michael Knoll (72) nimmt die Sache locker. Er ist Eigentümer der Tankstelle in der Solmitzstraße und profitiert von dem erhöhten Aufkommen. „Es sind viele Pkw dabei, die bei uns tanken. Dadurch, dass wir hier nicht wohnen, sondern nur arbeiten, beeinträchtigt uns der Lärm nicht.“ Aber den Unterschied merkt er: „Früher hatten wir hier eigentlich gar keine Lkw, und nun sind es gleich so viele.“

Ein weiteres Problem beschäftigt die Travemünder Polizei: Die ankommenden Lkw-Fahrer sprechen größtenteils kein Deutsch. Viele verstehen das Umleitungsschild nicht. Sie fahren unbeirrt daran vorbei und landen im Gneversdorfer Weg. Die Beamten wünschen sich deshalb die zusätzliche Beschriftung in kyrillischer Schrift.

• Ein Video zu der Situation in Kücknitz gibt es unter ln-online.de/video.

Verkehr am Hafen

2000 Lkw und Pkw kommen pro Tag durchschnittlich am Skandinavienkai an oder fahren von dort ab. Allein nach Schweden gehen von Travemünde aus sechs Verbindungen. Dazu kommen Fährlinien nach Russland, Dänemark, Estland, Finnland, Lettland und Litauen. Die Fahrbahn der K 20 (Travemünder Landstraße) von der B 75 bis zur Zufahrt Skandinavienkai wird auf 12000 Quadratmetern saniert. Am 3. Juli ist der erste Abschnitt fertig.

 Meike Wegner

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