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Lübeck Leben am Friedhof: Großes Interesse an neuem Wohngebiet
Lokales Lübeck Leben am Friedhof: Großes Interesse an neuem Wohngebiet
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12:20 08.07.2016
Blick aus der Vogelperspektive: Links liegen die Kleingärten, rechts das Friedhofsgelände. Unten sind die ehemalige Gärtnerei und die Häuser der Friedhofsallee zu sehen. Auf dem Gelände sollen bis zu 130 Häuser und Wohnungen entstehen. Quelle: Leo Bloom

Einfamilienhäuser gesucht: In der Hansestadt sind passende Grundstücke Mangelware. Deshalb hat es mehr als 100 Bürger zu einer Infoveranstaltung der Stadt gezogen. Auf dem Areal der ehemaligen Friedhofsgärtnerei in Vorwerk soll ein Wohnviertel entstehen. Geplant sind bis zu 100 Einfamilienhäuser und 30 Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern. Das 7,3 Hektar große Areal grenzt an den Vorwerker Friedhof, die Paul-Gerhardt-Schule, ans Kleingartengelände Flintenbreite und an Häuser an der Friedhofsallee.

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Auf dem Areal der ehemaligen Friedhofsgärtnerei sollen Einfamilienhäuser gebaut werden – Mehr als 100 Bürger wollen von den Plänen in Vorwerk erfahren.

Im Idealfall kommen die Grundstücke Mitte 2017 auf den Markt, Anfang 2018 könnte gebaut werden. Bis dahin muss die Stadt Baurecht auf dem Gelände schaffen. Ein Teil der Fläche ist zudem Landschaftsschutzgebiet. „Es müssen noch etliche Gutachten eingeholt werden“, erläutert Stadtplanerin Yvonne Biermann. Das Areal gehört der Hansestadt – jedenfalls der größte Teil. Der Bebauungsplan umfasst neben der alten Stadtgärtnerei auch noch Erweiterungsflächen für den Friedhof, die nicht mehr gebraucht werden. Der Bebauungsplan erstreckt sich zudem auf einige Grundstücke, die an die Friedhofsallee angrenzen. Die Häuser haben Bestandsschutz. Doch dort werden die großen Gartenflächen zu Bauland. Für die Eigentümer ist das eine Wertsteigerung, denn dort kann dann ebenfalls gebaut werden. Betroffen sind auch die denkmalgeschützten Gebäude der Friedhofsverwaltung. Sie sollen aber erhalten und saniert werden. Unklar ist noch, ob die Mitarbeiter dort bleiben oder in einen Neubau umsiedeln. Ziehen sie um, könnten die alten Gebäude ins Wohnviertel integriert werden. Zum Vorwerker Friedhof wird ein Grünstreifen vorgesehen, so dass Gärten nicht an Gräber grenzen.

Unklar ist noch, ob die Stadt die Grundstücke selbst vermarkten wird – oder ob das ein Bauträger übernimmt. „Hoffentlich nicht“, sagt ein älterer Herr. Er hat Sorge, dass durch einen Bauträger die Grundstücke zu teuer werden und Familien sie sich nicht mehr leisten können. „Etwas Bezahlbares in Lübeck zu finden, ist schwer“, sagt ein junges Paar, das auf der Suche nach Bauland ist. Auch eine junge Familie aus Schlutup möchte ein Eigenheim kaufen. „Die Pläne sind noch recht vage“, meint die Mutter von zwei Kindern. Aber Interesse habe sie an dem Wohngebiet. Denn es sei nicht leicht, Einfamilienhäuser zu finden. „Die sind oft teuer und in einem schlechten Zustand.“

Aktuell arbeitet die Stadt mit drei Varianten für das Gebiet. Dabei geht es hauptsächlich um die Straßen, die in das neue Wohngebiet führen sollen. Geplant ist, zwei kleine Wege zu Straßen auszubauen – und diese beispielsweise als Ringstraße durch das Quartier zu führen. In dem Gebiet gibt es aber auch wertvolles Grün. Ob es erhalten werden muss, sollen Untersuchungen ergeben. Entsprechend kann die Zahl der Grundstücke schrumpfen. „Dort leben Haselmaus, Hasen und Rehe“, sagt Petra Olbrich. Die ehemalige Mitarbeiterin der Stadtgärtnerei kennt sich gut aus und ist mit Kollegen gekommen. Aus ihrer Sicht ist die Variante mit 100 Einfamilienhäusern „zu viel“. Aber sie sagt auch: „Klar, dass dort etwas passieren muss.“

Auf Zuwachs für die Paul-Gerhardt-Schule freut sich Rektorin Sigrid Trambacz. „Im Prinzip ist es gut, wenn hier noch Familien herziehen.“ Sie hofft auf eine „bessere soziale Mischung“. Denn auf der anderen Seite der Friedhofsallee wohnen eher Familien mit schmalem Portemonnaie. Sie macht klar: „Es wäre schön, wenn wir der Entwicklung nicht hinterherlaufen müssen.“ Und die Stadt mehr Räume für die Schule plant. „Wir platzen aus allen Nähten.“ In der Offenen Ganztagsschule werden 225 Mädchen und Jungen unterrichtet. 130 erhalten ein Mittagessen der Mensa – in der es nur Platz für 30 gibt. Wichtig ist Trambacz, dass der Schulhof auch am Nachmittag für den Unterricht genutzt werden kann – und nicht als Spielplatz für das Wohngebiet dient. „Wir betreuen die Kinder bis 16, 17 Uhr.“

Lübeck wächst weiter

220191 Einwohner hat die Hansestadt – Stand Ende Juni. Das sind 1168 mehr als Ende 2015. Das meldet das Statistikamt.

Damit leben jetzt mehr als 220000 Menschen in Lübeck. Zuwächse verzeichnen alle Stadtteile. Doch insbesondere nach St. Lorenz Nord und St. Jürgen sind die meisten Neubürger gezogen. Der Zustrom an Einwohnern kommt vor allem durch die Flüchtlinge. 1500 Ausländer sind im ersten Halbjahr in Lübeck heimisch geworden, dazu kommen 300 Bürger aus der Europäischen Union.

 Josephine von Zastrow

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