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Lübeck Leerstände auf Rekordniveau: 32 500 Quadratmeter frei
Lokales Lübeck Leerstände auf Rekordniveau: 32 500 Quadratmeter frei
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15:26 18.10.2012
Leere Läden mit Pfiff: Das Lübeck-Management sucht Vermieter als Vorreiter, die ihre freie Fläche mit schicken Plakaten versehen.
Lübeck

Das hat es seit zehn Jahren nicht gegeben: In der Hansestadt stehen 32 500 Quadratmeter in 145 Läden leer. Das sind bei 509 000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche 6,4 Prozent. 2002 waren es noch halb so viele Flächen (14 400 Quadratmeter) und 3,5 Prozent. Vor allem für kleinere Geschäfte (mit 100 bis 200 Quadratmetern) in den Stadtteilen finden sich keine Mieter. Grund für die leeren Läden: „Bestimmte Ladenformate funktionieren nicht mehr“, sagt Björn Jacobsen, Prokurist der Wirtschaftsförderung. Früher gab es Ladenzeilen mit Bäcker, Apotheke, Fleischer und Post. Heute findet sich all das in großen Einkaufszentren wieder.„Es gibt eine Konzentration“, stimmt Immobilienmakler Torsten Peitzner zu. In der Hansestadt ballen sich die Zentren in der Innenstadt, im Herrenholz rund um den Citti-Park, auf Marli am Kaufhof und möglicherweise bald in Dänischburg beim Ikea-Einkaufszentrum. „Den Bäcker im Wohngebiet gibt es nicht mehr“, so Peitzner. In den Stadtteilen entwickelten sich kleine Zentren mit Supermärkten und Läden für den täglichen Bedarf wie jetzt an der Ziegelstraße. Die Einzelhandelsfläche in Lübeck ist in zehn Jahren um 100 000 auf jetzt 509 000 Quadratmeter gewachsen. Hans Frick, Chef des Einzelhandelsverbandes Nord, warnt: „Wir müssen vorsichtig mit der Erweiterung sein – sonst wird es noch mehr Leerstände geben.“ Es setze ansonsten ein „Verdrängungsmechanismus ein, der ganz gewaltig ist“. Und der habe dann auch Auswirkungen auf die Innenstadt. Der geht es – statistisch gesehen – gut. Anders als in den Stadtteilen ist in der City mit einer Verkaufsfläche von 123 000 Quadratmetern der Leerstand mit rund 8,4 Prozent ungefähr auf demselben Niveau wie in den letzten Jahren geblieben. Aber: „Die Wirtschaftsförderung zählt nur die reinen Einzelhandelsflächen, Frisör oder Apotheke fallen durch das Raster“, kritisiert Olivia Kempke, Chefin des Lübeck-Managements (LM). Für Frick ist „die Lage bedenklich“. Insbesondere die kleinen Geschäfte hätten es sehr schwer, sich zu behaupten. „Aber gerade sie sind wichtig für die Touristen.“ Der Umsatz des Einzelhandels in Lübeck liegt bei 1,5 Milliarden Euro, davon entfallen 370 Millionen Euro auf die Altstadt. Frick: „Der Anteil der kleinen Läden liegt da schätzungsweise bei nur zehn Prozent.“Neben den kleinen leerstehenden Läden, sperren auch Filialisten die Obergeschosse ihrer Geschäfte wie Vera Moda/Jack Jones in der Breiten Straße. Die insolvente Königpassage und das Haerder-Center kämpfen mit Leerständen. In der König- und der Großen Burgstraße sind Geschäfte frei. Fricks Appell an die Politik: keine Erhöhung der Gewerbesteuer, keine Touristenabgabe. Und: „Auch die Vermieter sollen bei den Mieten Zugeständnisse machen.“ Inhabergeführte Läden mit ein oder zwei Mitarbeitern könnten keine 1500 Euro Miete im Monat hinlegen, so Frick. Die Mieten sind laut Peitzner aber nicht das Problem. Sie seien eher stagnierend bis rückläufig. In der 1A-Lage Fußgängerzone müssen Mieter für kleine Läden 150 Euro pro Quadratmeter hinlegen, für große Geschäfte 25 bis 27 Euro. Angestiegen seien die Mieten in der Hüxstraße, so Peitzner. „Dort wollen individuelle Händler mit Konzept hin.“ Ein Quadratmeter koste zwischen 10 und 30 Euro. Für Kempke ist wichtig, dass die Läden trotz Leerstand schmuck aussehen. Kempke: „Wir müssen die Leerstände kreativ gestalten.“ Denn: „Auch Vermieter haben doch ein Interesse daran, dass das Geschäft attraktiv ist“, meint sie. Je attraktiver die Stadt, desto leichter sei es Mieter zu finden. Kempke hat sich von der Lübecker Agentur Netcon Vorschläge machen lassen, wie ein leerer Laden schick gestaltet werden könnte. Statt trister Scheiben, wird auf Plakaten für das das Geschäft beworben. Kosten: für zehn Quadratmeter Fläche 460 Euro. Jetzt sucht Kempke einen Vermieter, der als Vorreiter fungiert – und seinen leeren Laden aufrüstet. Kempke ist überzeugt: „Wir müssen Lübeck emotional nach vorne bringen – und den Gästen vermitteln: Diese Stadt ist toll.“

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