Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Legionellen am Landgericht: Wasser nicht trinkbar
Lokales Lübeck Legionellen am Landgericht: Wasser nicht trinkbar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:21 31.07.2018
Schilder an der Tür zur Toilette im Landgericht weisen darauf hin, dass das Wasser nicht zum Verzehr geeignet ist. Quelle: Foto: Christian Schaffrath 54°
St. Lorenz Nord

Es ist eine alarmierende Nachricht aus dem Landgericht: Die Wasserleitungen sind von Legionellen, einer Gattung von stäbchenförmigen Bakterien, befallen. Und das bereits seit Ende Juni. „Als wir von dem Befall erfahren haben, haben wir sofort einige Maßnahmen ergriffen und die Vorlauftemperatur der Warmwasseranlagen erhöht und auch Spülungen vorgenommen“, sagt Matthias Schulz, Geschäftsführer des Landgerichts Lübeck. „Wie die Ergebnisse der nachfolgenden Kontrolluntersuchungen ausfallen, wissen wir aber noch nicht.“ Solange das Wasseranalyseverfahren nicht Entwarnung vor den Krankmachern gibt, weisen Schilder vor den Toiletten im Landgericht darauf hin, dass das Wasser nicht zum Verzehr geeignet ist.

Was kaum einer weiß: Legionellen kommen, wenn auch in geringen Mengen, nahezu überall dort vor, wo es Wasser gibt: „Es kommt tatsächlich relativ häufig vor, dass Legionellen im Wasser vorkommen“, bestätigt Doktor Jan Rupp, Klinikdirektor und Infektiologe am Universitätsklinikum (UKSH) in Lübeck. Schlimm sei das nicht, zumindest nicht, solange der Wert von 100 Keimen pro Millimeter nicht überschritten werde.

Das kommt allerdings manchmal vor: „Wenn es über einen längeren Zeitraum sehr warm ist, wird dieser Grenzwert auch mal überschritten. Für die Normalbevölkerung ist das aber meist nicht weiter schlimm“, erklärt Rupp. Vor allem dann nicht, wenn die Leute sich lediglich die Hände waschen würden. Problematisch werde es nur dann, wenn die Bakterien zum Beispiel über den Wasserdampf beim Duschen in die Lunge gelangten.

Das könne dann in der Legionärskrankheit münden. Legionärskrankheit deshalb, weil im Jahr 1976 bei einem Treffen in den USA knapp 200 Legionäre an der Epidemie erkrankten – einer Lungenentzündung mit Fieber, Husten, Gliederschmerzen. Der Erreger kann aber auch zu relativ harmlosen, grippeähnlichen Symptomen führen, „das verschwindet dann meist nach ein paar Tagen wieder und ist nicht wirklich tragisch“, so Rupp.

Lars Hertrampf, Sprecher der Stadtwerke Lübeck, sagt: „Legionellen sind ein Phänomen, das vor allem in Hausinstallationen bei Temperaturen zwischen 35 und 42 Grad vorkommt, das sind die perfekten Lebensbedingungen für das Bakterium.“

Neben den Wassertemperaturen spielen auch Länge und Alter der Rohrsysteme eine entscheidende Rolle bei der vermehrten Bildung der Bakterien.

Um die überschrittenen Werte von Legionellen im Wasser zu senken, hat das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und dem Landgericht Sofortmaßnahmen ergriffen: „Unsere Hausmeister vor Ort spülen die Trinkwasseranlage intensiv. Bereits im Juni haben wir Legiofilter eingebaut“, erklärt GMSH- Sprecherin Barbara Müller. „Es besteht keine Gefährdung der Beschäftigten oder der Besucher im Landgericht.“

Von Josephine Andreoli

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!