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Lübeck Lehrerverbände sauer: Lübeck verliert Schulrat an Ostholstein
Lokales Lübeck Lehrerverbände sauer: Lübeck verliert Schulrat an Ostholstein
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08:45 01.03.2016
 „ Ich habe die Mitteilung vom Ministerium bekommen, dass ich versetzt werde.“ Helge Daugs, Schulrat
Lübeck

Schwere Vorwürfe erheben die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Lübeck und der Kreisverband des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) gegen die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). „Lübecks Schullandschaft wird bewusst durch das Kieler Bildungsministerium geschwächt“, wettert der GEW-Kreisvorsitzende Sven Quirder.

Mit „Unverständnis und Besorgnis“ reagiert der VBE-Kreisvorsitzende Christian Dilling.

Der Hintergrund: Helge Daugs, seit Oktober 2010 Schulrat in Lübeck, wird zum 1. Juli nach Eutin versetzt. Das bestätigen sowohl das Kieler Bildungsministerium als auch Daugs selbst: „Ich habe eine entsprechende Mitteilung vom Ministerium bekommen.“

Daugs leitet zusammen mit seinem Kollegen Gustaf Dreier die Schulaufsicht über die allgemeinbildenden Schulen in der Hansestadt. Drei Schulräte teilen sich künftig die Aufgaben in Ostholstein und Lübeck, wobei zwei Beamte künftig in Eutin und nur noch einer in Lübeck sitzen.

„Das heißt nicht, dass Helge Daugs keinen Handschlag mehr für Lübeck macht“, erklärt ein Sprecher des Ministeriums die Neuorganisation. Am Freitag setzen sich die drei Schulräte zusammen, um die künftige Aufgabenverteilung zu organisieren.

Faktisch ist das ein Sparmodell. Ostholstein hatte bis vor knapp drei Jahren zwei Aufsichtsbeamte, Lübeck früher sogar einmal drei. Nach Angaben des Bildungsministeriums geschieht die Neuorganisation im Einvernehmen mit Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos). Die wurde zwar über die Versetzung informiert, hat aber keinen Einfluss.

„Ich kann die Maßnahme nicht ganz nachvollziehen“, erklärt Weiher auf LN-Anfrage. Die Anforderungen in Sachen Förderzentren und DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache-Klassen) seien in der Hansestadt deutlich größer als im Kreis Ostholstein. Dort müssen Schulräte allerdings erheblich größere Entfernungen zu den Schulen zurücklegen. Weiher hat das Ministerium um ein Konzept gebeten, wie die drei Schulräte auf die beiden Kreise verteilt werden sollen.

Die Senatorin: „Kiel will damit auf mich zukommen.“

Die Lübecker GEW will um die zweite Schulrats-Stelle kämpfen, kündigt Sven Quirder an. „Es ist eine absolute Frechheit vom Bildungsministerium, die Hansestadt so zu benachteiligen“, kritisiert der Kreisvorsitzende, solche Sparmodelle seien bereits in anderen Bundesländern kläglich gescheitert. Den Bürgern würde vorgegaukelt, „dass es sich um eine verzichtbare Stelle handelt“, sagt Quirder.

Tatsächlich hätten Ostholstein und Lübeck ähnliche Zahlen an Schülern und Schulen. Der GEW-Vorsitzende: „Allerdings hat Lübeck eine schwierigere Sozialstruktur und zusätzlich über 1800 Schülerinnen in 21 DaZ-Zentren zu versorgen.“ Auch VBE-Kreisvorsitzender Dilling bezweifelt, dass der Arbeitsaufwand in der Lübecker Schulaufsicht mit einer Planstelle zu bewältigen sei. „Nicht logisch nachvollziehbar ist, warum der Kreis Ostholstein mit einer vergleichbaren Anzahl an Schülern und Schulstandorten eine zweite Planstelle besetzt bekommt, während die Hansestadt mit verschiedenen, schulisch-sozialen Brennpunkten zukünftig lediglich mit einer Planstelle auskommen soll.“ Die CDU-Bildungsexpertin Anette Röttger bezeichnet den Vorgang als fragwürdig. „Mir erschließt sich nicht, warum das Ministerium so entschieden hat und warum der Bedarf in Ostholstein plötzlich höher ist“, sagt Röttger. „Das funktioniert so nicht“, erklärt André Kleyer (Grüne), Vorsitzender des Schulausschusses, „ein Schulrat, der in Eutin arbeitet, hat nicht mehr den Blick für Lübeck.“

Was macht ein Schulrat?

22 Schulräte in 16 Kreisen und kreisfreien Städten gibt es in Schleswig-Holstein (Stand: Dezember 2015). Schulräte sind Aufsichtsbeamte für Grund- und Förderschulen sowie Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe. Sie besuchen den Unterricht in den Schulen, beraten Schulleiter und Lehrer, sind Ansprechpartner für Eltern, vermitteln zwischen Elternbeiräten und Schulleitungen, sind für die Lehrerzuweisung und die Vermittlung aus dem Vertretungsfonds zuständig. Die Dienstaufsicht für Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen hat das Bildungsministerium.

Kai Dordowsky

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