Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Leithoff-Schule ist begehrt wie nie zuvor
Lokales Lübeck Leithoff-Schule ist begehrt wie nie zuvor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:44 23.08.2017
Ralf Steffek (54) leitet die Matthias-Leithoff-Schule seit 2009. Er weiß, dass es in den Räumlichkeiten noch viele Stolperfallen für Kinder mit Rollator oder im Rollstuhl gibt. Auch die Stromversorgung ist mangelhaft. Quelle: Fotos: Kai Dordowsky

Die Zahl der Förderschüler in der Hansestadt sinkt seit 2011 kontinuierlich – von 703 vor sechs Jahren auf nunmehr 488. Die Zahl der Klassen reduzierte sich nach Angaben des Schulentwicklungsberichts von 73 auf 54. Grund ist die Inklusion: Körperlich, geistig, seelisch oder emotional beeinträchtigte Kinder sollen in den Regelschulen unterrichtet werden. Die Matthias-Leithoff-Schule für Körperbehinderte in Kücknitz merkt von abnehmenden Schülerzahlen aber nichts. Im Gegenteil: „Wir müssen im kommenden Schuljahr erstmals eine 15. Lerngruppe aufmachen“, so Schulleiter Ralf Steffek.

Die Zahl der Schüler in dem Förderzentrum für körperliche und motorische Entwicklung wächst und wächst trotz Inklusion in den Regelschulen – Die Schule hat hohen Sanierungsbedarf.

146 Kinder drücken ab September in der 55 Jahre alten Einrichtung in der Haferkoppel die Schulbank. „Wir kommen räumlich an unsere Grenzen“, sagt Steffek, „das Gebäude ist auf 120 Schüler ausgerichtet.“ Zum vierten Mal in Folge macht die Schule zwei erste Klassen auf. Die Lerngruppen, die früher sieben bis acht Kinder umfassten, zählen mittlerweile zehn bis elf Schüler. Steffek: „Andere Förderschulen entwickeln sich zu Schulen ohne Schüler, wir nicht.“ Der Rektor, der die Schule seit 2009 leitet, glaubt: „Die Inklusion greift nicht wie gewünscht. Unsere Eltern wissen, was sie hier haben.“

29 Sonderschullehrer, fünf Erzieher, neun Therapeuten, fünf Pflegekräfte, zwei Busfahrer, zwei Bundesfreiwilligen-Dienstler, zwei Köchinnen, zwei Hausmeister und eine Sekretärin kümmern sich um die Schüler. Außerdem stehen den Fachkräften 24 Schulbegleiter zur Seite. Die Schule verfügt über Therapieräume und in den Klassenräumen gibt es jede Menge Hilfstechnik. Das alles könnten die Regelschulen in diesem Umfang gar nicht bieten, erklärt Steffek: „Kinder mit hohem Förderbedarf würde ich auch ins Förderzentrum geben.“ Und die Zahl der Kinder mit mehreren Beeinträchtigungen nehme ständig zu, beobachtet der 54-jährige Rektor. Kinder, die im Rollstuhl sitzen, sehen oder hören zudem schlecht oder haben Probleme mit dem Sprechen.

Von 2005 bis 2014 investierten Stadt, Land, Bund und Stiftungen 1,7 Millionen Euro in die Schule – ein Pavillon für Küche und Mensa wurde neu errichtet, eine Sporthalle neu gebaut und der Verwaltungstrakt erweitert. „Der bauliche Zustand ist nicht einmal in Ansätzen zufriedenstellend“, sagt der Schulleiter dennoch, „wir brauchen durchgängig die Barrierefreiheit.“ Bei einer Führung durch die Einrichtung, die 2016 die Räume der benachbarten Berend-Schröder-Schule übernommen hat, weist Steffek auf etliche kleine Schwellen hin. Der Selbstversuch mit einem Rollator zeigt: Das sind alles Hindernisse. Das Notrufsystem ist nicht in allen Räumen vorhanden. In diversen Klassenzimmern liegt ein 40 Jahre alter Filzteppich, Feuchtigkeit dringt durch Dächer ein und die Toiletten müssten dringend saniert werden. In mehreren Klassenzimmern ist die Stromversorgung ein echtes Problem. Kinder, die auf Sehhilfen oder Beatmungsgeräte angewiesen sind, brauchen eben Strom.

Wenn der nicht aus Steckdosen, die im Boden eingelassen sind, kommt, sondern aus Kabeln, die durch den ganzen Raum gezogen werden, entstehen neue Stolperfallen.

In der Festschrift zum 55-jährigen Bestehen der Leithoff-Schule nimmt Steffek dann auch kein Blatt vor den Mund. In der Stadt sollten nicht nur Gymnasien und berufliche Schulen im Fokus stehen, auch die Förderschulen sollten angehört und deren Bedürfnisse umgesetzt werden. Steffek: „Vielleicht sind wir immer noch viel zu leise?“

Die Förderzentren

Fünf städtische Förderzentren gibt es nach amtlichen Angaben in Lübeck – die Berend-Schröder-Schule in der Innenstadt, die Astrid-Lindgren-Schule in Moisling, die Schule Wilhelmshöhe in St.

Lorenz Nord, die Matthias-Leithoff-Schule in Kücknitz und die Maria- Montessori-Schule in St. Gertrud. Hinzu kommt die Paul-Burwick-Schule der Vorwerker Diakonie.

Die Zahl der Kinder, denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert wird, steigt in Lübeck seit einigen Jahren auffällig und im Vergleich zu anderen Kreisen untypisch stark an.

Der Schulentwicklungsgutachter der Stadt hat angemahnt, dass die Ursachen dafür schnellstmöglich untersucht werden müssen.

 Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige