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Lübeck Letzte Woche kam keiner: Lübeck gehen die Flüchtlinge aus
Lokales Lübeck Letzte Woche kam keiner: Lübeck gehen die Flüchtlinge aus
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23:01 23.06.2016
„Aktuell bedeutet das, dass wir keine weiteren Mitarbeiter einstellen.“Dörte Eitel, Gemeindediakonie

In der vergangenen Woche wurde der Stadt kein einziger neuer Flüchtling zugewiesen – zum ersten Mal in den vergangenen 18 Monaten. Nach Angaben von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) kommen in diesem Monat 19 Geflüchtete. Im November und Dezember 2015 waren es noch 492 und 502.

18 Monate lang suchten die betreuende Gemeindediakonie und der Bereich Soziale Sicherung unter Hochdruck nach Unterbringungsmöglichkeiten für die Menschen. Turnhallen wurden in Beschlag genommen, ein Praktikermarkt als provisorische Herberge genutzt – und für etliche Millionen Euro wurden neue Unterkünfte gebaut. Über 400 Geflüchtete wurden in Notunterkünften wie Hotels und Pensionen untergebracht. Gedrängt von den Kommunalpolitikern nahm Sozialsenator Sven Schindler (SPD) sogar Verhandlungen mit dem Land auf, um die leerstehenden Container auf dem Volksfestplatz zu übernehmen.

Und jetzt? Fast 50 Gemeinschaftsunterkünfte betreut die Gemeindediakonie im städtischen Auftrag. „Bestehende Unterkünfte werden nach Beendigung der Mietverträge nicht weitergeführt“, erklärt Dörte Eitel, Vorsitzende der Gemeindediakonie. Auch die beiden Betriebssporthallen, die die Stadt gemietet hat, sollen im Herbst geräumt werden, sagt Sozialsenator Schindler. Die neuen Gemeinschaftsunterkünfte Bornkamp, St. Hubertus und Fabrikstraße seien fertig und würden bereits oder demnächst bezogen, so Schindler. „Für zwei weitere Unterkünfte stehen zwar Baugenehmigungen unmittelbar bevor, an eine Ausschreibung der Arbeiten mit anschließendem Bau ist derzeit nicht gedacht.“ Als Planungsreserve seien die beiden Standorte aber wichtig. Dieses Vorgehen bezeichnet auch Diakoniepastorin Eitel als richtig: „Lübeck ist damit vorbereitet und kann besser reagieren.“ Auch die größte, städtische Unterkunft in der Travemünder Ostseestraße soll weitergebaut werden. Sie wurde von einem Gericht vorübergehend auf Eis gelegt.

Der drastische Rückgang an Geflüchteten ändere nichts an der großen Aufgabe der Integration, vor der Lübeck weiter stehe, sagt Bürgermeister Saxe. Die Stadt muss Sprachkurse und Arbeitsangebote organisieren und Wohnungen bauen. Saxe: „Eine riesige Herausforderung, die uns über ein bis zwei Jahrzehnte beschäftigen wird.“ Die Integration derjenigen, die bereits hier seien, dürfe jetzt nicht vernachlässigt werden, fordert Spyridon Aslanidis, Vorsitzender des Migrationsforums. Aslanidis: „In den nächsten fünf Jahren werden die Menschen nicht in das zerstörte Syrien zurückkehren.“

Die 105 Mitarbeiter der Gemeindediakonie – Erzieher, Betreuungsassistenten und Hausmeister – hätten mit der Suche nach Deutschkursen, Praktikumsplätzen, Schulen und Wohnungen für die Geflüchteten genug zu tun, versichert die Vorsitzende Dörte Eitel. Trotzdem hat der Flüchtlingsrückgang Folgen. Eitel: „Aktuell stellen wir keine weiteren Mitarbeiter ein.“

 Kai Dordowsky

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