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Lübeck Lindenau gibt Webseite an die Stadt
Lokales Lübeck Lindenau gibt Webseite an die Stadt
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21:27 13.10.2017
Bürgermeisterkandidat Jan Lindenau (SPD) präsentiert seine Ideen für ein Online-Rathaus: Wer www.hansestadt-luebeck.de besuchen will, wird jetzt weitergeleitet auf www.mehr-service-fuer-luebeck.de.

Das ging schnell. Nach zwei Tagen reagiert Lindenau. „Ich biete Ihnen an, die Webadresse an die Hansestadt – selbstverständlich kostenfrei – zu übertragen“, schreibt der SPD-Fraktionsschef an seinen Parteifreund Saxe. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Bürgermeister-Bewerber www.hansestadt-luebeck.de bereits 2007 für sich gesichert hat – und dort mitten im Wahlkampf seine Ideen präsentiert (die LN berichteten). Lindenaus Argument: Er wolle damit auf die „schlechte digitale Strategie der Stadt aufmerksam machen“.

Wahltag

Am 5. November ist in Lübeck Bürgermeisterwahl. Es treten sechs Kandidaten an: Senatorin Kathrin Weiher (parteilos), Fraktionschef Jan Lindenau (SPD), Detlev Stolzenberg (parteilos), Thomas Misch (freie Wähler), Joachim Heising (parteilos) und Ali Alam von der Satire- Gruppe Die Partei.

Auf der Facebook-Seite der LN wird das Vorgehen des SPD-Kandidaten heftig diskutiert. Die Kommentare reichen von Ablehnung: „Dreist! Mich würde mal interessieren, warum sich jemand so eine Seite sichert?! Mit Sicherheit nicht dafür, um erst nach zehn Jahren auf die ,schlechte digitale Strategie‘ aufmerksam zu machen, oder?“ Bis zu Lob: „Alle beteiligten Schlafmützen sollten froh sein, dass Herr Lindenau die Seite gesichert hat.“

Und die Politiker? „Mit der Inszenierung hat er seinem Wahlkampf keinen Gefallen getan“, sagt Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt, die aber die Abgabe der Webadresse an die Stadt begrüßt. „Das war längst überfällig“, macht Pirat Oliver Dedow klar, der das Thema im Hauptausschuss angesprochen hat. Und Christopher Lötsch (CDU) meint süffisant: „Das ist ja nett von ihm.“ Solche Adressen gehörten nicht in die Hände von Privatleuten. „Damit sollte man generell kein Schindluder treiben“, so Lötsch. Allerdings sieht er Saxe in der Pflicht, „sich solch wichtige Adressen zu sichern“. Das hätten die Politiker schon vor Jahren von ihm gefordert.

So argumentiert auch Lindenau. Er habe bereits 2014 der Stadt erklärt, dass er im Besitz der Adresse www.hansestadt-luebeck.de sei. „Bis heute ist die Stadt nicht an mich herangetreten“, erklärt Lindenau. Gibt er die Adresse jetzt ab, weil der öffentliche Druck so groß geworden ist? „Ich wollte das Thema ,digitale Strategie‘ platzieren – das ist mir gelungen“, erklärt Lindenau. Außerdem habe er nicht direkt auf der Website geworben, es handle sich vielmehr um eine Umleitung. Heißt: Wer auf www.hansestadt-luebeck.de geht, wird weitergeleitet auf www.mehr-service-fuer-luebeck.de. Ob ihm die Aktion geschadet hat? „Das kann ich nicht beurteilen“, meint der Kandidat. Er habe vor allem „positives Feedback“ bekommen. In Zahlen: 35 positive Nachrichten, zwei negative.

Der Rathaus-Chef freut sich über Lindenaus Angebot. „Wenn uns nun die Adresse geschenkt werden soll, nehmen wir das Geschenk gern an“, sagt Saxe. Die offizielle Webadresse der Stadt bleibe aber www.luebeck.de. Zudem: Die Stadt hätte auf die Herausgabe nicht klagen können. Denn ein Gericht hat vor Jahren festgelegt, dass eine Stadt lediglich auf den eigentlichen Städtenamen Anspruch hat – Lübeck auf „luebeck.de“. Den gebe es aber nicht, wenn es sich um Varianten handelt wie hansestadt- luebeck, hafenstadt-luebeck, marzipanstadt-luebeck, kulturstadt- luebeck. So könne auch Kiel rechtlich nicht die Webadresse landeshauptstadt-kiel.de beanspruchen. Saxe: „Obwohl dies der offizielle Stadtname ist“, so Saxe. Kiel hat sich diese Adresse übrigens auch nicht gesichert. Sie ist frei.

 Josephine von Zastrow

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