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Lübeck Lindesche Villa bleibt Standesamt
Lokales Lübeck Lindesche Villa bleibt Standesamt
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22:30 27.05.2017
In der Lindeschen Villa an der Ratzeburger Allee kann auch künftig geheiratet werden. Quelle: Neelsen
Lübeck

Standesamt gegen Sozialwohnungen. Das ist der Deal. Damit ist der Verkauf der Lindeschen Villa vom Tisch. Nach LN-Informationen haben die Stadt und ihre Grundstücksgesellschaft „Trave“ einen Tausch ausgehandelt. Geheiratet wird weiterhin im schicken Anwesen an der Ratzeburger Allee. Das Standesamt bleibt dort. Die Stadt wird Eigentümerin. Sie übernimmt die Villa von der „Trave“. Im Gegenzug gibt die Stadt der „Trave“ ein Grundstück in Travemünde – und sie kann dort Wohnungen errichten. Der „Trave“- Aufsichtsrat muss den Tauschhandel Anfang Juni noch absegnen, Ende Juni muss dann die Bürgerschaft darüber entscheiden. 

„Dieser Tausch ist für beide Beteiligten vorteilhaft“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Die Stadt spart 60 000 Euro Miete pro Jahr an die „Trave“ und wird das brachliegende Grundstück in Travemünde los. Die „Trave“ indes kann die Lindesche Villa abstoßen, von der sie sich sowieso trennen will. Denn die Grundstücksgesellschaft möchte generell alle Gebäude loswerden, in denen nicht gewohnt wird. Jetzt erhält sie ein Grundstück – und kann Wohnungen bauen. Auf dieses Geschäft will sie sich sowieso konzentrieren. Der Deal wird möglich, weil die Verkaufspreise der Lindeschen Villa und des Travemünder Grundstücks in etwa gleich hoch sind – ungefähr eine Million Euro.

„Es ist ein guter Tausch“, sagt „Trave“-Chef Matthias Rasch. Das Grundstück liegt am Strandweg in Travemünde neben der Schule am Meer. Dort steht jetzt noch die marode und ungenutzte Turnhalle. Die „Trave“ reißt die Halle ab und errichtet auf dem Gelände fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 40 Wohnungen, davon 16 Sozialwohnungen. Die Gebäude haben zwei Geschosse plus ein Staffelgeschoss. Geplant sind Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern – sowohl für Alleinstehende als auch für Familien. Die „Trave“ hat bereits eine Baugenehmigung für das Grundstück und kann daher schon im Spätsommer loslegen. Rasch rechnet damit, dass die Häuser Ende 2018 fertig sind.

Hintergrund der Debatte: Die Lindesche Villa sollte ursprünglich verkauft werden. Saxe wollte das Heiraten ins Zeughaus verlegen. Die „Trave“ indes wollte die Villa loswerden. Die Gelegenheit war günstig, denn der Mietvertrag zwischen „Trave“ und Stadt läuft Ende dieses Jahres aus. Für die Villa habe es bereits etliche Interessenten gegeben, hieß es. Doch der Umzug des Standesamtes ins Zeughaus erwies sich als zu teuer: Er sollte 2,4 Millionen Euro kosten. Außerdem gab es Proteste gegen den Plan – von Mitarbeitern, Politikern und auch von Verfechtern der Völkerkundesammlung. Im Zeughaus lagern immer noch 26<TH>000 Objekte der Ausstellung, die 2007 geschlossen wurde. Es war immer unklar, wo sie denn untergebracht werden sollten.

Goldene Hochzeit

Die Lindesche Villa von 1804 ist ein klassizistischer Bau und steht unter Denkmalschutz. Die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“ ist seit 1967 Eigentümerin. Seit 1968 wird die Villa als Standesamt genutzt – damit feiert sie nächstes Jahr „Goldene Hochzeit“. Ihren Namen hat die Villa von Max Linde, der sie 1898 kaufte. Der Augenarzt baute darin eine bedeutende Kunstsammlung auf mit Werken von Edvard Munch, Auguste Rodin und Édouard Manet. 

Josephine von Zastrow

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