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Lübeck Lohnsteigerung zu teuer: Erzieher verzichten auf Gehalt
Lokales Lübeck Lohnsteigerung zu teuer: Erzieher verzichten auf Gehalt
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21:22 23.05.2016
Frustriert sind die Beschäftigten von Kinderwege. Quelle: Maxwitat

Wochenlang legten im vergangenen Jahr die Streiks der Erzieherinnen, Sozialarbeiter und sozialpädagogischen Assistentinnen die Kitas lahm – auch in Lübeck. Am Ende einigten sich die Gewerkschaft Verdi und die Arbeitgeber auf eine Aufwertung der Berufe und höhere Entgelte. Doch ausgerechnet einer der großen Lübecker Jugendhilfeträger kann sich das nicht leisten. „Wir steigen aus dem Tarifvertrag Sozial- und Erziehungsdienste aus“, erklärt Joachim Karschny, Geschäftsführer von Kinderwege. Das gemeinnützige Unternehmen unterhält zehn Kitas und zehn Schulkindhäuser. Karschny: „Unser Ausstieg ist ein Signal, dass unser Bildungssystem grundlegend falsch finanziert ist.“

Berufe aufgewertet

4 Wochen lang von Anfang Mai bis Anfang Juni streikten im vergangenen Jahr Erzieherinnen, Sozialarbeiter, sozialpädagogische Assistentinnen und Sozialpädagogen. Dabei ging es nicht um eine schlichte Gehaltsrunde, sondern Ziel war die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsdienste. Nach einer Schlichtung wurden sozialpädagogische Assistenten und Erzieherinnen in höhere Entgeltgruppen eingestuft.

Die erstreikten Tarifverbesserungen würden Kinderwege 233000 Euro im Jahr kosten. Nur 70000 Euro würden erstattet. Karschny: „163 000 Euro sind nicht refinanziert, das können wir uns nicht leisten.“ 240 Erzieherinnen, sozialpädagogische Assistenten und Sozialpädagogen haben die Änderung ihrer Arbeitsverträge unterzeichnet, sind jetzt nur im allgemeinen Tarif. „Unter uns Mitarbeitern herrscht ein großer Frust“, berichtet Lars Damm, Erzieher im Kinderclub, „wir wollen die Gehaltssteigerung haben, sehen aber, dass das Unternehmen sich das nicht leisten kann.“ Ole Blume, Erzieher in der Kita „Beruf & Kind“, rechnet vor: „Ich habe 186 Euro netto im Monat weniger.“ Der Vater von zwei Kindern: „Das tut schon weh.“ Die Mitarbeiter wollen öffentlich darauf aufmerksam machen, „dass die Besserstellung der Erziehungsberufe auf diese Weise wieder eingefangen wird“, sagt Christine Jaacks- Mirow, Bereichsleiterin für den Schulkindbereich. Nach Berechnungen von Kinderwege summiert sich der Verlust für eine Erzieherin, Berufsanfängerin, Steuerklasse eins, im Lauf von 30 Berufsjahren auf rund 39000 Euro netto.

Würden die pädagogischen Mitarbeiter von Kinderwege auf den verbesserten Tarif bestehen, müsste das gemeinnützige Unternehmen Angebote reduzieren, Weiterbildungen streichen sowie Arbeitsverträge befristen. Geschäftsführung und Mitarbeiter prangern die Budgetverträge mit der Hansestadt an, die nicht auskömmlich seien. Danach erstattet die Stadt 90 Prozent der allgemeinen Tarifsteigerungen.

Für die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe sollen 70 Prozent ausgeglichen werden. Darüber wird aber noch verhandelt. Jugendsenatorin Kathrin Weiher (parteilos): „Wir wollen diese strukturellen Erhöhungen aber nur bei den Personal- und nicht bei den Sachkosten vornehmen.“

Tim Klüssendorf (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, bedauert den Ausstieg von Kinderwege: „Das ist bitter.“ Verdi kann den Schritt von Kinderwege nicht nachvollziehen. Steffen Kühhirt von Verdi Nord: „Uns ist kein anderer Träger bekannt, der aus dem Tarifvertrag für Sozial- und Erziehungsdienste ausgestiegen ist.“

 Kai Dordowsky

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