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Lübeck Lotsenturm: Arbeitsplatz mit Aussicht
Lokales Lübeck Lotsenturm: Arbeitsplatz mit Aussicht
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20:22 15.08.2017

Es ist der schönste Arbeitsplatz der Welt. Rechts die Trave, links das Meer. Wer im Travemündes Lotsenturm arbeitet, der hat einen Job mit Ausblick. Jeder Tourist wünscht sich, einmal dort oben in 15 Metern Höhe auf die Travemündung blicken zu können – den Blick schweifen zu lassen von der „Passat“, dem Priwall-Strand, über die Strand-Promenade, den Piraten-Spielplatz und bis hin zu den dicken Pötten, die an der Nordermole vorbeituckern. Doch niemand darf in das Bauwerk, das an ein bläulich schimmerndes Ufo mit Stiel erinnert. Denn dort oben ist die Schaltzentrale der Macht. Nun, zumindest ein bisschen.

Dieser Turm heißt im Volksmund zwar Lotsenturm, hat aber gar nichts mit den Lotsen zu tun. Das Bauwerk ist eine VTA – eine Verkehrstechnik-Außenstation. In der Welt von Bundesbehörden sind Abkürzungen unvermeidlich. 81 Stück davon gibt es im Hoheitsgebiet des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lübeck (WSA). Sie alle sammeln Daten – über Funk, Radar oder das automatische Schiffsidentifikationssystem. Dann werden sie an das riesige Rechenzentrum in Lübeck geschickt – es ist eines von bundesweit dreien für die maritime Verkehrstechnik. Dort können zehn Gigabit pro Sekunde durch die Leitungen rauschen. Zum Vergleich: Das sind 100 bis 200 Mal mehr als durch eine Daten-Leitung für Otto Normalverbraucher.

Doch die VTA in Travemünde ist keine gewöhnliche VTA. „Es ist eine hochkomplexe Anlage“, sagt WSA-Chef Henning Dierken. Denn der Turm ist vollgestopft mit Technik. Elf Schaltschränke sind dort dicht gedrängt aufgereiht und werden auf unter 20 Grad gekühlt. Dort werden die Daten für die Lübecker Bucht verarbeitet, Pegelstände, Windstärken und Wassertemperaturen gesammelt. Aufgefangen werden die Signale von den sechs Antennen auf dem Dach. Außerdem gibt es noch auf dem Maritim Strandhotel eine Funkanlage. Ein 420 Meter langes Glasfaserkabel führt von dort bis zur VTA.

Überwacht wird das Ganze von Janas Miksta. Der 49-jährige Elektroniker kennt den Turm, seit der 1992 eröffnet wurde. Damals war dort die Verkehrszentrale Travemünde untergebracht – es gab einen Arbeitsplatz, der von drei Nautikern im Schichtdienst besetzt wurde. Doch die Technik wurde aufwendiger, das Gebiet größer. 1999 kam Wismar hinzu. 2006 weitete sich das Gebiet bis zur Kieler Förde aus – ein dritter Arbeitsplatz kam hinzu. Von Kühlungsborn bis Flensburg reicht das Überwachungsgebiet der Verkehrszentrale heute. Dort schippern 1300 Schiffe am Tag hindurch –

vom kleinen Segler bis zum dicken Pott; darunter 300 Berufsschiffe. Der Turm war zu klein geworden. Gleich nebenan wurde die neue Verkehrszentrale Travemünde gebaut und 2013 eröffnet. Dort gibt es jetzt drei Arbeitsplätze und 18 Nautiker im Schichtdienst – und viel Platz. Die Verkehrszentrale ist schick und neu. Zurückgeblieben ist der Lotsenturm mit all der Technik – und Miksta. Er sorgt dafür, dass die Daten zu den Nautikern fließen, die jetzt einen Steinwurf entfernt in der Verkehrszentrale sitzen. Zwei dicke Glasfaserleitungen führen dorthin. „Die Nord- und die Südtrasse“, sagt er schmunzelnd. Und außerdem rauschen die Daten zum Rechenzentrum in Lübeck.

„Jeder Tag ist anders“, sagt Miksta, deshalb liebt er seinen Job. Das Schlimmste für ihn: Funk-Stille. Und zwar im wahren Wortsinn. „Es war still“, erinnert sich Miksta. Das war vor fünf, sechs Jahren. Da war die Funkverbindung tot. Also musste er die ausgefallenen Netzwerke notdürftig reparieren. Eine Stunde hat es gedauert, dann gab es wieder Kontakt zu den Schiffen da draußen. Selten hat Miksta Zeit, den Ausblick aus dem Lotsenturm zu genießen – und das fröhliche Strandleben zu beobachten. Dennoch weiß er: Sein Arbeitsplatz zählt zu den schönsten der Welt.

Auszubildende gesucht

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) bildet aus. Gesucht werden Elektroniker für Geräte und Systeme. Jedes Jahr werden drei Azubis genommen – zwei in Kiel, einer in Lübeck. Dreieinhalb Jahre dauert die Lehre. Start ist August. Für 2017 sind alle Plätze belegt, aber WSA-Chef Henning Dierken sucht für 2018. „Maritime Verkehrstechnik ist eine interessante Ausbildung“, wirbt er. Zudem gebe es einen Ausbilder, der sich in Vollzeit um die zwölf Azubis aller Jahrgänge kümmert.

Josephine von Zastrow

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