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Lübeck Trotz Schutzwand: Anwohner klagen über Lärm
Lokales Lübeck Trotz Schutzwand: Anwohner klagen über Lärm
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18:42 12.12.2018
Ellen Reichstein leidet unter Bahnlärm an der Trasse in Buntekuh. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Buntekuh

1979 zog Ellen Reichstein mit ihrem Mann in das Reihenhaus an der Straße Auf der Höhe in Buntekuh, einen Steinwurf entfernt von der Moislinger Allee auf der einen Seite und der Hauptstrecke der Deutschen Bahn auf der anderen. „Wir haben immer mit der Bahn gelebt“, sagt sie. Sie haben das Quietschen der alten Bremsschuhe ertragen, die lauten DDR-Dieselloks, die nach der Wende auf der Strecke fuhren. Als die Bahn 2014 eine Lärmschutzwand baute, dachten die Reichsteins, jetzt werde es leiser. Aber damit sei es nichts geworden, sagt Ellen Reichstein: „Es ist schlimmer geworden. Im Sommer auf der Terrasse, das ist die Hölle.“ Sie fürchtet sich vor dem zusätzlichen Güterverkehr, der anfallen wird, wenn die feste Fehmarnbeltquerung fertig ist.

„Das ist doch ’ne Mickymauswand“

An der Siedlung fahren die Personenzüge von und nach Westen (Hamburg), Osten (Bad Kleinen) und Süden (Lüneburg) vorbei. Dazu kommen der Güterverkehr und der Rangierbetrieb. Ellen Reichstein steht auf der Brücke, auf der die Moislinger Allee über die Eisenbahn hinweg die Stadtteile Buntekuh und St. Lorenz Süd verbindet. Sie zeigt auf die Lärmschutzwand: „Das ist doch ’ne Mickymauswand“, sagt sie und meint damit nicht die bunten Graffiti, sondern die geringe Höhe. Ob die Lärmbelastung tatsächlich zugenommen hat, lässt sich kaum feststellen. Tatsache ist aber, dass die drei Meter hohe Lärmschutzwand am Ende der Reihenhaussiedlung nicht einmal bis auf das Niveau der Grundstücke reicht. „Dann bringt die Wand nichts“, sagt Uwe Ritterstaedt von der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm – jedenfalls nicht für die direkten Anwohner.

Anti-Lärm-Programm

5,3 Millionen Euro kosteten die Schallschutzwände, die die Deutsche Bahn 2014 in Moisling und Buntekuh fertigstellte. Dabei entstanden in Moisling 1980 Meter und in Buntekuh 1620 Meter Schallschutzwand.

Im Jahr 2017 wurden im Rahmen des Programms „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes“ in Schleswig-Holstein 1,5 Euro investiert. Ein Schwerpunkt war der Bau einer Lärmschutzwand an der Schwartauer Allee.

In Schleswig-Holstein läuft das Programm seit 2001. Erklärtes Ziel ist, den Schienenlärm bis 2020 zu halbieren.

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Zuschuss für Schallschutzfenster

Alexander Kuhn wohnt in der Siedlung Auf der Höhe so dicht an der Eisenbahn, dass die Bahn ihm einen Zuschuss für Schallschutzfenster gewährt hat. Dafür musste er erklären, auf alle weiteren Forderungen zu verzichten. Aber die Schallschutzwand, sagt er, sei „ein Witz“. Früher habe der Abhang die Geräusche mehr oder weniger geschluckt, jetzt sei nichts besser geworden. „Das war ein typischer Schildbürgerstreich.“ Klaus-Dieter Brede, der etwas weiter unten wohnt, wusste, worauf er sich einließ, als er vor zehn Jahren direkt an die Bahnstrecke zog. „Ich bin Modelleisenbahner“, sagt er. „Ich hab’ die Züge alle fotografiert.“ Aber auch er sagt: „Die Lärmschutzwand hätten sie sich sparen können. Den Zug, der direkt davor fährt, den hören wir praktisch gar nicht mehr, aber alle anderen hören Sie genauso wie vorher.“

Planfeststellungsverfahren für Güterbahnhof

Die Bahn teilt diese Auffassung nicht. Ihr Sprecher Egbert Meyer-Lovis schreibt in seiner Antwort auf eine LN-Anfrage, dass die Lärmschutzwände, die auf ein Förderprogramm des Bundes zurückgingen, „sehr genau gutachterlich berechnet worden seien“. Allerdings könnte in die Sache noch einmal Bewegung kommen: Das Eisenbahnbundesamt wird für den Hauptgüterbahnhof – der sich auf den Bereich zwischen Hauptbahnhof und der Travebrücke Genin erstreckt – ein Planfeststellungsverfahren durchführen – mit Hinblick auf die Zunahme des Verkehrs, die die feste Beltquerung mit sich bringen wird. Dann erst können die Einwohner den Lärmschutz – der bisher auf eine freiwillige Initiative von Bund und Bahn zurückgeht – nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz rechtlich fordern.

Hanno Kabel

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