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Lübeck Neues Konzept für Lübecks Rathaushof: Baukultur für alle
Lokales Lübeck Neues Konzept für Lübecks Rathaushof: Baukultur für alle
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08:58 12.01.2019
Rathaushof: Mitten in der Altstadt soll die lübsche Baukultur einen Ort haben. Quelle: Timon Ruge
Lübeck

 Der Rathaushof soll offen sein für alle. Das ist die Idee des Architekturforums. Das will den verwaisten Rathaushof zu einem Ort für lübsche Baukultur machen – mit öffentlichen Sitzungen, Ausstellungen und als Treffpunkt für Touristen und Lübecker. Denn derzeit ist der Rathaushof kein schöner Ort. Dabei liegt der betoniertes Innenhof direkt hinterm Rathaus zwischen Markt und Marienkirchhof. Eine ideale Lage.

Hat das Konzept geschrieben: Inga Mueller-Haagen vom Vorstand des Architekturforums. Quelle: Lutz Roeßler

„Jetzt besteht die große Chance, den Rathaushof mit neuem Leben zu füllen“, sagt Inga Mueller-Haagen vom Vorstand des Architekturforums. Es geht um den Kern des Rathaushofes: die ehemalige Gaststätte. Sie ist im Erdgeschoss des 50er-Jahre-Anbaus gelegen, hat 185 Quadratmeter Fläche und steht seit Sommer 2017 leer. Mit einem nicht-kommerziellen Konzept hat sich das Architekturforum um diese Fläche beworben. Dafür soll ein symbolischer Preis als Miete gezahlt werden. Bereits jetzt könne der Plan verwirklicht werden – vor dem Neugestaltung des Rathaushofes. Denn die startet vermutlich erst in zwei Jahren.

Lübecker Baukultur im Fokus

Das Vorhaben: Im ehemaligen Restaurant soll der „Stadt Raum Lübeck“ entstehen. „Die Fläche liegt total offen da“, sagt Mueller-Haagen. So soll sie auch bleiben – mit großen, offenen Fensterfronten. Außerdem: „Es bieten sich auch Open-Air-Veranstaltungen an.“ Im Rathaushof selbst – dem eingefassten Innenhof. Die Idee: Die lübsche Baukultur steht im Fokus des „Stadt Raums Lübeck“. Der Ort soll Lübecker und Touristen anlocken. Sie können sich dort über aktuelle Projekte in Lübeck informieren wie auch über die Welterbe-Altstadt. Das lübsche Stadtmodell soll dort ausgestellt werden, der Gestaltungsbeirat könnte dort öffentlich tagen wie auch der Bauausschuss. Aber Mueller-Haagen macht klar: „Es soll kein reines Welterbezentrum sein.“

Mix mit Tourist-Info und Café

Der Clou dabei: Ein Mix ist angedacht mit Tourist-Info, Studenten, Café und öffentlichen Toiletten. „Wir wollen Partner finden, um eine dauerhafte Öffnung zu ermöglichen“, sagt Mueller-Haagen. So könnte die Tourist-Info dort eine Dependance eröffnen. Dann hätten Besucher eine Anlaufstelle mitten in der Stadt. Die Architekturstudenten der Technischen Hochschule (TH) könnten den Raum ebenfalls betreuen und dort öffentlich arbeiten. Angedacht ist ein kleines Café mit Getränken und Snacks. Aber jeder soll dort seine mitgebrachte Stulle essen können.

Die Konzeptidee für den Rathaushof: So könnten die beiden leer stehenden Flächen aufgeteilt werden. Quelle: Inga Mueller-Haagen

Vom Rathaushof soll es direkt in den „Stadt Raum Lübeck“ gehen. Links vom Eingang ist das Stadtmodell aufgebaut. Rechts steht ein Infotresen. Zudem werden dort Tische und Stühle für Vorträge platziert. Auch öffentliche Toiletten sind geplant.

Im Rathaushof selbst gibt es noch drei weitere kleine Geschäfte, von denen eins leer steht. Dort könnte das Café eingerichtet werden. Als Mietpreis bietet das Architekturforum einen symbolischen Euro. Den Umbau will der Verein über Fördergelder, Stiftungen und Sponsoren zusammenbekommen.

Mehr Mitarbeiter, mehr Geld

Angetan von der Idee ist Tourismus-Chef Christian Martin Lukas: „Eine Belebung des Rathausinnenhofes ist sehr zu begrüßen.“ Aber: Für eine Außenstelle der Tourist-Information müsste eine Wirtschaftlichkeitsanalyse erstellt werden. Und die Stadt müsste die zusätzlichen Mitarbeiter bezahlen, in dem sie den Zuschuss an das Lübeck und Travemünde Marketing (LTM) erhöht. Lukas: „Eine Tourist-Information kann nicht als Profit-Center betrieben werden.“

Studenten wollen mitmachen

Begeistert ist Architektur-Professor Guido Neubeck: „Eine Kombination mit dem Architekturforum wäre wunderbar.“ Er ist seit Längerem auf der Suche nach einer Dependance in der Innenstadt. „Das ist eine Forderung der Studenten“, sagt Neubeck.

Etwa 400 angehende Architekten studieren an der TH. Im Rathaushof könnten diese Studenten arbeiten und Modelle bauen. Dort würden öffentliche Diskussionen darüber stattfinden. „Superspannend dafür wäre für uns das kleine leere Geschäft“, sagt Neubeck. „Da wäre auch nach den Öffnungszeiten etwas los.“ Denn Studenten arbeiteten auch nachts um 1 Uhr an ihren Modellen.

So kommentiert LN-Redakteurin Josephine von Zastrow das Thema:

Kommentar zum Thema: Ein Geschenk der Stadt

Super Sache. Kreative Ideen für leere Läden. „Rathaushof für alle“ ist das Motto des Architekturforums. Ungewöhnliche Vorschläge wollte die Stadt haben für den Ort direkt hinterm Rathaus. Jetzt hat sie welche. Die lübsche Baukultur im Fokus – garniert mit Tourist-Info, jungen Studenten und legerem Café. Statt eines schicken Restaurants. Neudeutsch könne man es „Infotainment“ nennen. Eine Mischung aus Information und Entertainment: Wissen unterhaltsam vermitteln.

Sympathische Idee. Vor allem, da der Rathaushof als Ort viel über Lübecks jüngere Geschichte erzählt. Er symbolisiert Lübecks Narbe. Weil er an Palmarum im Zweiten Weltkrieg entstanden ist, als Bomben in der Nacht zum Palmsonntag das alte Kaufmannshaus zerstörten. Diese Nacht ist für die 50er-Jahre-Gebäude auf der Altstadtinsel verantwortlich. Mittlerweile ist diese Architektur denkmalgeschützt. Die Altstadt ist geprägt vom Wechsel pragmatischer Nachkriegsbauten und historischer Giebelhäuser – dem Welterbe-Status zum Trotz. Daher ist der Rathaushof ein passender Ort für lübsche Baukultur, die Menschen betrachten können – bei Butterbrot und Kaffee.

Der Haken: Das Konzept rechnet sich nicht. Jedenfalls nicht für die Stadt. Damit der Laden läuft, müsste sie mindestens drei Leute einstellen. Macht 150 000 Euro pro Jahr. Denn der „Rathaushof für alle“ muss täglich geöffnet sein, jemand muss sich um die Gäste kümmern, jemand muss die Cafébar betreuen, jemand muss die Belegung der Räume koordinieren. Der „Rathaushof für alle“ wäre ein Geschenk der Stadt an seine Bürger – und die Touristen.

Josephine von Zastrow

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