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Lübeck „Die Schlange ist Kult“
Lokales Lübeck „Die Schlange ist Kult“
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21:10 28.10.2018
Um 15 Uhr reicht die Schlange bis fast zur Mühlentorbrücke. Quelle: Felix König / 54°
Innenstadt

Das Ziel von Lars Philipp Hitzke (24) aus Lübeck war, um 6 Uhr morgens vor der Tür der Stadthalle zu stehen. „Sonst war ich auch immer ein paar Stunden früher da, aber diesmal wollte ich der Erste sein“, sagt er. Es ist dann 20 vor sieben geworden, aber der Erste war er noch immer. „Eine Stunde später kamen die Nächsten.“

Das Schlangestehen einige Tage vor Beginn gehört zu den Nordischen Filmtagen wie die Kurzfilmnacht oder die finnischen Dokumentarfilme. Obwohl der Online-Kartenverkauf nach Angaben der Festivalleitung gut läuft, kommen zum Start des Vorverkaufs jedes Jahr so viele Besucher, dass die Schlange von der Stadthalle bis fast zur Mühlentorbrücke reicht.

Thermoskanne und belegte Brote

Lars Philipp Hitzke sitzt auf einem roten Sofa, das für die Wartenden vorn bereitsteht. Er hat sich warm angezogen und eine Thermoskanne mit Kaffee, vier belegte Brote und Süßigkeiten mitgebracht. Sein persönliches Filmprogramm für die Nordischen Filmtage hat er auf seinem Tablet-Rechner gespeichert. 28 Karten will er für sich selbst kaufen und dazu noch ein paar für Bekannte. Er ist seit drei Jahren Stammgast des Festivals. Seine Filmauswahl, sagt er, sei eine bunte Mischung. „Insbesondere mag ich Filme, die eine gewisse Isolation verkörpern, zum Beispiel im tiefen Schnee.“

Neben ihm auf dem Sofa sitzt Marla Schewski (21) aus Lübeck, die schon als Kind regelmäßig zum Festival kam. Seit 9 Uhr ist sie schon da. „Ich wurde gleich gefragt, ob ich mich hier hinsetzen will“, sagt sie. „Man unterhält sich – was man guckt, wie viele Filme man guckt.“ Sie interessiert sich hauptsächlich für die Spielfilme. „Und zwischendurch ein paar Kinderfilme, um mich zu entspannen.“

60. Nordische Filmtage

199 Filme insgesamt werden vom 30. Oktober bis 4. November an sechs Tagen gezeigt – das ist ein Tag mehr als bei den vorherigen Festivals.

17 Filme wetteifern um den mit 12 500 Euro dotierten NDR-Filmpreis. Insgesamt werden neun Preise im Wert von 50 000 Euro vergeben, darunter zum 40. Mal der LN-Publikumspreis. Zum ersten Mal ausgelobt wird ein Preis für das Beste Spielfilmdebüt.

Tickets gibt’s seit dem 27. Oktober im CineStar Filmpalast Stadthalle und online über www.cinestar.de

„Trotz der Kälte sind die Leute gut drauf“

Ein Mann vom Förderverein der Filmtage verteilt Marzipanherzen. Um kurz vor 15 Uhr baut sich Miriam Waldmann, Theaterleiterin des Filmpalasts Stadthalle, neben der Schlange auf und gibt letzte Instruktionen. Wichtig sei, dass alle genau wüssten, für welche Filme sie Karten haben möchten: „Wir sind schnell im Abarbeiten. Richtig schlimm wird’s, wenn jemand 20, 30 Minuten Beratung braucht.“ Auch für sie, den Kinoprofi, ist dies kein normales Alltagsgeschäft. „Das ist ein ganz magisches Gefühl“, sagt sie. „Auch bei uns herrscht echt eine tolle Stimmung.“ Sie hat großen Respekt vor der Ausdauer der Wartenden. „Trotz der Kälte sind die Leute gut drauf, und sie sind auch alle gut vorbereitet.“ Festivaldirektor Florian Vollmers pflichtet ihr bei: „Das ist immer wieder erstaunlich. Die Schlange ist Kult.“ Und das, obwohl auch online „gerade im Moment ein Riesenansturm“ sei.

Lars Philipp Hitzke war der Erste in der Schlange. Er kaufte mehr als 30 Kinokarten für die Filmtage. Quelle: 54° / Felix König

Letzte Korrekturen der Programmauswahl

Christiane Möller (50) und ihre Freundin Uta Behrend (48), beide aus Lübeck, halten das Filmtage-Programm aus den LN vor sich hin und legen letzte Hand an ihre Programmauswahl. Das Schlangestehen gehört für sie dazu. „Man kann sich unterhalten und wird dabei vielleicht doch noch auf einen anderen Film gebracht“, sagt Christiane Möller. Sie ist um 12 Uhr gekommen und hat damit noch eine gute Position in der Schlange. Aus Bargteheide ist Horst Ude (57) gekommen. Er steht ganz hinten in der Schlange, aber weil er nicht gern Dinge im Internet kauft, nimmt er hin, dass vielleicht nicht alle seine Kartenwünsche erfüllt werden. Er will sich dieses Jahr mehrere Dokumentarfilme ansehen. „Man kann hier Filme sehen, die man im regelmäßigen Kinoprogramm nicht antrifft“, sagt er.

Lars Philipp Hitzke, der Erste in der Schlange, verlässt das Kinohaus um kurz nach 15 Uhr mit einer Handvoll Ausdrucken auf dünnem Papier. „Ich freu’ mich das ganze Jahr darauf“, sagt er über die Filmtage. „Das ist ein Knaller hier.“

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Hanno Kabel

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