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Lübeck Rippenstraßen: Gemeinsam geht’s besser
Lokales Lübeck Rippenstraßen: Gemeinsam geht’s besser
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00:00 07.10.2018
Glockengießerstraße: Die Goldschmiedin Maren Evers-Knoop kann sich eine Zusammenarbeit mit anderen Straßen gut vorstellen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Innenstadt

Ist die Fleischhauerstraße die „hässliche Schwester“ der Hüxstraße? Das behauptete eine Verkäuferin eines Bekleidungsgeschäfts vor einer Woche gegenüber den LN. Olaf Adler (49) vom Antiquariat und der Buchhandlung Arno Adler in der Hüxstraße widerspricht vehement. Er fordert eine bessere Zusammenarbeit der Straßen im Quartier. Von mehreren Geschäftsinhabern in den Rippenstraßen bekommt er Unterstützung.

Katrin Bietz vom Buchladen „Prosa“ führt den einzigen „Shop“ in der Dr.-Julius-Leber-Straße. Dennoch fühlt sie sich hier wohl. Quelle: Wolfgang Maxwitat

„Ja, die Fleischhauerstraße ist unsere kleine Schwester, aber keine hässliche Schwester“, sagt Adler, langjähriger, ehemaliger Vorsitzender der Interessengemeinschaft Hüxstraße. Die Fleischhauerstraße sei in den Jahren reifer und vielschichtiger geworden. „Sie ist in manchen Aktionen so kreativ und sympathisch, wie es die Hüxstraße vor Jahren mal war.“

In beiden Einkaufsstraßen gebe es Leerstände, wenn ein Ladenkonzept nicht angenommen werde oder wenn zu hohe Ladenmieten genommen würden – „so dass kreative Geschäfte mit frischen Ideen, aber ohne großen Etat, keine Möglichkeit erhalten, sich anzusiedeln.“

Zurückhaltung bei Mieten

Adlers Appell an die Hauseigentümer lautet, wenn sie jetzt Zurückhaltung walten ließen und zusammen mit der Interessengemeinschaft die Vielfalt der Straße erweiterten, würden sie mittelfristig durch Wertsteigerung ihrer Immobilie und höhere Mieten profitieren.

Olaf Adler und seine Schwester Tanja Adler-Springer kürzlich bei Dreharbeiten im Antiquariat. Quelle: Cosima Künzel

Den Antiquar treibt jedoch noch etwas anderes um: „Schön wäre es, wenn wir uns eines Tages von dem Einzelstraßen-Gedanken lösen und unser Quartier hervorheben.“ Eine Zusammenarbeit sei die beste Chance für die Geschäftsinhaber, Mehrwert für die Besucher der Straßen zu schaffen und sich langfristig zu behaupten.

„Das predige ich seit Jahren“, sagt die Goldschmiedemeisterin Maren Evers-Knoop (65), Sprecherin der Interessengemeinschaft Glockengießerstraße. „Die Altstadt ist viel attraktiver, wenn in mehreren Straßen etwas los ist, das haben wir beim Hanse-Kulturfestival gesehen.“ Vielleicht könne man unter einem großen Thema in einzelnen Straßen etwas Gemeinsames auf die Beine stellen. Eine Zusammenarbeit im Kleinen betrieb die Glockengießerstraße unlängst beim gemeinsamen Fest mit der Pfaffenstraße.

Mehr individuelle Läden

„Ich wäre dabei, wenn gemeinsame Aktionen auch inhaltlich bespielt werden“, sagt Katrin Bietz (54), die seit einem Jahr und vier Monaten im unteren Teil der Dr.-Julius-Leber-Straße den Buchladen Prosa führt. Umgeben von Reise- und anderen Büros, ein paar Kneipen, der Stadtverwaltung und Friseuren, hält sie wacker die Stellung. Die meisten Kunden kämen gezielt, Touristen gelegentlich wegen des Haasenhofes. Nette Nachbarschaft, nette Kunden. Dennoch fehlt etwas: „Ich fänd’s schon cool, wenn hier noch mehr individuelle Läden wären“, sagt Bietz.

In der Hundestraße sind Frances Kraschinski (50) mit ihrer Galerie „Art for You“ und Helene Knorr (35) mit der „Kunst- und Wunderkammer Bombyx Mori Maison“, einem Laden für vor allem feine Papierwaren, mehr oder minder allein auf weiter Flur. Und obwohl es weiter unten in der Hundestraße noch ein Atelier für Glaskunst sowie Gabi Bannows „Galerie für eine Nacht“ gibt, werde die Straße „nie als Geschäftsstraße wahrgenommen“, sagt die Brasilianerin Frances Kraschinski, die neben Kunst und Kunsthandwerk seit einiger Zeit auch Kaffee und brasilianischen Kuchen anbietet.

Zufällige Entdeckungen

Beide kleinen Geschäfte liegen direkt gegenüber der Stadtbibliothek – was sich für Helene Knorr positiv auswirkt, „denn Leute, die Bücher lieben, lieben auch besonderes Papier.“ Touristen verirrten sich hingegen nur zufällig in die Hundestraße – oder wenn sie im Heftchen „Arttourist“ auf ihren Laden stießen.

Über eine Zusammenarbeit mit anderen Straßen können sie sich vorerst keine Gedanken machen. „Es wäre schön, wenn man in dieser Straße etwas mehr Aktivität hätte“, so Knorr. Zarte Ansätze habe es zum Hanse-Kulturfestival gegeben. „Wir wollten die Straße schmücken, haben aber keine Genehmigung bekommen.“ Frances Kraschinski regt an, kleine Wegweiser an den Eingängen der Rippenstraßen aufzustellen, „damit die Leute sehen, was die jeweilige Straße bietet.“ Für Helene Knorr ist das Thema Ende des Jahres ohnehin erledigt, denn sie gibt ihren Laden zugunsten eines reinen Online-Handels auf und betätigt sich ausschließlich im Online-Handel. Was nicht nur mit dem Standort zusammenhängt, denn hauptberuflich ist sie Bauingenieurin – und ihr „Hobby“-Laden zu zeitaufwendig.

Lockere Treffen

Die Wahmstraße – die Rippenstraße mit dem meisten Autoverkehr und die einzige, die keine Einbahnstraße ist – nennt sich wie die Glockengießerstraße „Straße der Spezialisten“. Eine Interessengemeinschaft wie in der Hüx-, der Glockengießer- oder der Fleischhauerstraße gibt es hier nicht. „Wir treffen uns manchmal zum Essen im ,Grenadine’ und besprechen dann auch etwas“, sagt Avni Mahnoli (61), der mit seinem Bruder Ayhan (57) das Reisebüro Mahnoli führt. Man freue sich über jeden, der noch da sei. „Eigentlich müsste man nach außen hin mal wieder etwas machen.“

Eine gewisse Kooperation zwischen Wahm- und Hüxstraße gibt es seit Jahren, nicht zuletzt über Walter Hermann, der gemeinsam mit Wolfgang Reckzeh „Colibri“ (Wahmstraße) führt und mit ihm vor einigen Jahren Rheingans Optik in der Hüxstraße übernommen hat. Viele Events hat Hermann mit Lars Kewitz und Fotograf Thomas Berg (beide Hüxstraße) auf die Beine gestellt. Der Optiker sieht’s ohnehin eher locker: „Wir haben keinen Verband, keinen Verbund, aber wenn einer eine Idee hat, fragen wir, wer mitmacht.“

Walter Hermann von Colibri hat immer einmal witzige Ideen für Kooperationen. Auf „regelmäßiges Gequassel“ hat er jedoch keine Lust. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Witzige Idee

Oft ist er derjenige mit den Ideen. Zuletzt hat er einen kleinen, faltbaren Innenstadt-Plan entwickelt. 20 000 Exemplare sind gedruckt und werden kostenlos abgegeben. Mehrere Rundgänge werden vorgeschlagen, Geschäfte und Restaurants in der Wahm- und Hüxstraße sind verzeichnet. Und: „Es ist der einzige Stadtplan, in dem ein EC-Geldautomat eingezeichnet ist“, sagt Walter nicht ohne Stolz.

Die ganzen Überlegungen zur Innenstadt in Konkurrenz zur grünen Wiese oder zum Online-Handel sieht Walter eher entspannt. „Jede Straße hat ihre Vorzüge, und wir sind nun einmal alle Inselbewohner, daran lässt sich nichts ändern.“ Er stoße gerne etwas an, sei aber eher fürs Handeln: „Ich habe keine Lust auf regelmäßiges Gequassel.“

Sabine Risch

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