Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Allein im Gründungsviertel
Lokales Lübeck Allein im Gründungsviertel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:37 09.11.2018
Die ersten Bewohner des Gründungsviertels in der Alfstraße, v. l.: Sigrid Fischer (63), Ralf Fischer (65) und Dieter Wulff (76). Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

Wenn Sigrid (63) und Ralf Fischer (65) aus ihrem Haus in der Alfstraße nach Süden aus dem Fenster blicken, sehen sie eine Landschaft aus Sandhaufen, Baugruben, Kränen, gestapelten Steinen, Gerüsten und Dachbalken. „Wir sitzen am Frühstückstisch und sagen: Guck mal, was da für ein Tieflader kommt“, sagt Sigrid Fischer. Bisher ragen aber nur vereinzelt halbfertige Häuser aus der Großbaustelle. Der Blick aufs Holstentor ist frei. Bis zur fertigen vorbildlichen Neubausiedlung in Lübecks Altstadt, die unter Stadtplanern und Architekten in ganz Europa schon Aufsehen erregte, bevor der erste Bagger angerückt war, ist es noch ein weiter Weg.

Die Folgen des Baubooms

Das Haus in der Alfstraße ist bisher das einzige, das ganz fertig ist. Die Bewohner sind eine Baugemeinschaft aus drei älteren Ehepaaren, darunter der Architekt, der das Haus entworfen hat. Als sie im vergangenen Jahr den Kaufvertrag für das Grundstück unterschrieben hatten, fingen sie sofort an zu bauen – ein guter Zug, wie sich bald herausstellte. Denn alle, die erst jetzt beginnen, bekommen die Folgen des Baubooms zu spüren. „Es ist grundsätzlich schwer, Rohbaufirmen und Dachdeckerfirmen zu finden“, sagt die Stadtplanerin Annette Bartels-Fließ, Projektleiterin für das Gründungsviertel. „Wenn Sie überhaupt Angebote bekommen, dann sogenannte Abwehr-Angebote, die man eigentlich nicht annehmen kann.“

Das neue Gründungsviertel unterhalb der Marienkirche wächst, wenn auch langsamer als gedacht. Die ersten Bewohner sind schon eingezogen.

Wie stark sich das ganze Projekt dadurch verzögert, können die Stadtplaner nur schwer abschätzen. Ursprünglich sollte 2021 alles fertig sein. „Da sind wir jetzt nicht mehr ganz sicher“, sagt Bartels-Fließ’ Kollege Wolfgang Weber. Die 38 Grundstücke sind alle reserviert, 13 davon auch schon verkauft. Auf zwölf von ihnen wird gebaut. Außer dem schon bewohnten Haus gibt es eins, in das voraussichtlich nächste Woche eine Familie einzieht. Zwei weitere haben ihr Richtfest hinter sich, bei drei Häusern steht es kurz bevor.

Die ersten Bewohner des Gründungsviertel haben ihren Pioniergeist keinen Augenblick bereut. „Es bewegt sich ständig was“, sagt Dieter Wulff (76), der mit seiner Ehefrau ein Stockwerk unter den Fischers wohnt. „Wir haben vorher in der Goethestraße gewohnt. Das war unheimlich schön und still – still zum Sterben. Hier ist Bewegung, hier ist Leben.“ Damit meint er die Bewegung auf der Baustelle ebenso wie das Leben auf der Altstadtinsel. Sigrid Fischer erfreut sich schon jetzt an der guten Nachbarschaft, auch wenn es die bisher nur virtuell gibt. „Man lädt sich gegenseitig zum Richtfest ein, man hält guten Kontakt zum Gründungsviertel-Büro.“

4,50 Meter hohe Erdgeschosse

Es ist eben kein übliches Neubauviertel. Die Häuser sind keine Rekonstruktionen, aber sie stehen auf historischem Grund. Die Grundstücke entsprechen im Großen und Ganzen denen aus dem Mittelalter. Denkmalpflege und Gestaltungsbeirat haben ein wichtiges Wort mitzureden. Vorgegeben ist zum Beispiel, dass die Erdgeschosse mindestens 4,50 Meter hoch sein sollen wie in den alten Kaufmannshäusern, und dass die Gärten auf den Rückseiten von einer zweieinhalb Meter hohen Mauer begrenzt sind.

Bartels-Fließ hält es für möglich, dass Bauherren angesichts der steigenden Kosten wieder abspringen. „Das kann passieren.“ Zwei Grundstücke seien schon neu ausgeschrieben worden. „Für Familien ist es am schwierigsten. Dadurch, dass sie mehr als 200 Quadratmeter haben, sind die Kosten schon sehr hoch.“ Das ganze Projekt sieht sie aber nicht in Gefahr. „Überhaupt nicht. Verglichen mit anderen Bauvorhaben sind die Gesamtkosten immer noch relativ niedrig, weil kein Investor dazwischen sitzt“. Bartels-Fließ kann der Verzögerung sogar etwas abgewinnen: „So ein Quartier braucht Zeit. Es hat auch was für sich, wenn nicht alle gleichzeitig bauen. Dann können sie aufeinander reagieren.“

Hanno Kabel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Geschaffen hat ihn der 2017 verstorbene Künstler Heinz-Joachim Draeger. Der Adventskalender, den der Lions-Club Lübeck Hanse erstmals 2011 für einen guten Zweck verkaufte, ist jetzt erneut zu haben.

09.11.2018

Die Einrichtung für Drogenabhängige erhält für mehrere Millionen Euro einen Anbau. Damit wird die Zahl der stationären Plätze von 42 auf 70 erhöht. Es entstehen auch zehn neue Arbeitsplätze.

11.11.2018

Für 30 Eigentumswohnungen im Krummeck gab es am Donnerstag das traditionelle Richtfest. 70 Prozent der Wohnungen sind verkauft. Mit der Fertigstellung rechnet das Bauunternehmen Schütt im Herbst 2019.

09.11.2018