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Lübeck Zukunftsprojekt: Ein Kloster aus dem Mittelalter
Lokales Lübeck Zukunftsprojekt: Ein Kloster aus dem Mittelalter
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13:37 28.09.2018
Frank Thomas (49), Leiter des Geschichtserlebnisraums, und Mitarbeiterin Christiane Schröder (54). Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Kücknitz

Niemand weiß im Detail, wie das Kloster Reinfeld ausgesehen hat. Bis auf ein paar Mauerreste ist davon nichts mehr übrig. Dabei hatte es zwischen seiner Gründung um das Jahr 1200 und seinem Abriss im 16. Jahrhundert Bedeutung für ganz Norddeutschland. Aber in Lübeck-Kücknitz entsteht jetzt ein kleinerer Klosterbau, der sich an das Reinfelder Vorbild anlehnt – und auch dieser Bau wird voraussichtlich über Lübeck hinaus Aufmerksamkeit erregen. Es wird die neue Attraktion des Bauspielplatzes Roter Hahn (Geschichtserlebnisraum). Am Sonnabend um 13 Uhr wird die Grundsteinlegung gefeiert.

Es wird ein symbolischer Akt sein, denn in Wirklichkeit sind die Bauarbeiten schon im Gang. Neben der frühmittelalterlichen Holzkirche haben Bagger eine große Grube ausgehoben, und darin wächst aus exakten Kalksandsteinquadern ein Keller. Am liebsten hätte Frank Thomas (49), Leiter des Geschichtserlebnisraums, es gehabt, wenn alles original mittelalterlich wäre – aber dann wäre das Geld für den ersten Bauabschnitt bis heute nicht zusammengekommen, und es war auch so schon schwer genug, das Geld aufzutreiben. „Nur für den mittelalterlichen Mörtel hätten wir 50 000 Euro bezahlt“, sagt er.Nicht sehr mittelalterlich – aber wenn das Haus fertig ist, werden die Industrie-Steinquader nicht mehr zu sehen sein. Der erste Bauabschnitt, das ist das Hauptgebäude mit Refektorium (Speisesaal) und Dormitorium (Schlafsaal). Er soll 2020 fertig sein. Wenn danach genug Geld zusammenkommt, soll bis 2026 die Anlage um zwei Seitenflügel erweitert werden.

Grundsteinlegung

Der Geschichtserlebnisraum Roter Hahn feiert am Sonnabend, 29., von 12 bis 18 Uhr und Sonntag, 30. September, von 12 bis 17 Uhr ein Kulturwochenende. Die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter zeigen und erklären mittelalterliche Arbeitstechniken. Am Haupthaus gibt es Kaffee und Kuchen. Jeweils um 15 Uhr wird eine kostenlose Führung angeboten.

Die Grundsteinlegung für das Kloster wird am Sonnabend um 13 Uhr gefeiert. Dabei wird eine Zeitkapsel mit Wunschkarten von Kindern und mit Gegenständen aus unserer Zeit in den Bau eingemauert.

Die Idee zu dem Klosterbau entstand vor 15 Jahren. Für Frank Thomas ist es die logische Fortführung dessen, was seit der Gründung des Bauspielplatzes 1999 entstanden ist. Damals hoben er und seine Kollegen für Kinder ein Projekt unter dem Titel „Die Wikinger kommen“ aus der Taufe und bauten mit ihnen ein wikingerzeitliches Grubenhaus aus Eichen-Spaltbohlen. „Da haben wir gemerkt: Man kann Kinder an Geschichte heranführen, wenn man etwas Handwerkliches mit ihnen macht.“ Nach und nach kamen weitere, frühmittelalterliche Bauten hinzu, darunter ein wikingerzeitliches Langhaus, ein slawisches Blockhaus, ein Kaufmannshaus und eine Kirche – alles aus Holz.

Jetzt wird erstmals mit Stein gebaut – und das ist teurer. 500 000 Euro kostet der erste Bauabschnitt – was nicht viel ist für ein solches Projekt, aber auch erst einmal aufgetrieben sein will. Frank Thomas baute mit einem Freund ein Modell der geplanten Klosteranlage. Mit der unentgeltlichen Hilfe eines pensionierten Unternehmensberaters, der nicht genannt werden will, schrieb Thomas ein professionelles Konzept und überzeugte damit – und mit einem selbstgebauten Modell – Stiftungen vor allem, aber nicht nur in Lübeck. Allein 250 000 Euro gibt die Possehl-Stiftung. Um die Kosten zu senken, musste Thomas Kompromisse machen – zum Beispiel den Keller aus modernen Steinen, ohne das Backstein-Tonnengewölbe, von dem er geträumt hatte. Wenn der Rohbau fertig ist, schlägt die Stunde der Kinder. Sie werden beim Verputzen helfen, beim Verlegen der Ziegelsteinböden, beim Ausfüllen des Fachwerks, und das alles mit mittelalterlichen Handwerkstechniken.

In dem Klostergebäude sollen die vielen Angebote für Schulen und Kindergärten Platz haben, denn der Geschichtserlebnisraum platzt aus allen Nähten. Unter dem Dach wird es einen einfachen Schlafsaal geben. Für die Nebengebäude, wenn sie denn eines Tages gebaut werden, sind Werkstätten und eine mittelalterliche Küche vorgesehen. An Wochenenden können auch Dritte das Kloster mieten – zum Beispiel für Familienfeiern.

„Klöster waren die ersten Bildungseinrichtungen in Nordeuropa“, erklärt Thomas. „Das passt zu uns, denn wir haben die drei Bausteine Bildung, Kultur und Soziales.“ Eines allerdings solle aus dem Geschichtserlebnisraum niemals werden: ein Museum. „Wir sind immer zuerst soziale Einrichtung. Wir nehmen keinen Eintritt. Wenn wir Eintritt erheben, kommen die Leute aus dem Stadtteil nicht mehr.“ Auch eine kirchliche Einrichtung soll das Kloster nicht sein. „Da hinten am slawischen Blockhaus haben wir einen slawischen Gott geschnitzt, aber deswegen sind wir keine Anhänger einer slawischen Religion.“

Hanno Kabel

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