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Lübeck In Lübeck fehlen bezahlbare Miet-Immobilien
Lokales Lübeck In Lübeck fehlen bezahlbare Miet-Immobilien
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16:51 25.09.2018
Auf dem Lübecker Volksfestplatz sollen 110 Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäuser sowie 80 Geschosswohnungen entstehen. 25 sollen Sozialwohnungen sein. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Neue Initiativen gegen den Wohnungsmangel in Lübeck: Die Grünen beantragen in der Bürgerschaftssitzung am Donnerstag einen „Kurswechsel in der Wohnungsbaupolitik“. Der Forderungskatalog enthält zum Teil radikale Vorschläge wie 100 Prozent Sozialwohnungen in Baugebieten, die bereits in Planung sind. Die Fraktion der Unabhängigen fordert unter dem Motto „Weniger Investoren – Lübeck baut selbst“ ebenfalls einen Kurswechsel.

Geschosswohnungen statt Einfamilienhäuser, strikte Anwendung der 30-Prozent-Quote für Sozialwohnungen sowie die Rückholung von früheren Sozialwohnungen in die Preisbindung – das wollen die Grünen. Und sie werden konkret. „Alle Neuplanungen von Wohngebieten sollen in den kommenden drei Jahren ausschließlich mit Geschosswohnungsbau realisiert werden“, heißt es im Antrag, „die sich bereits in Planung befindlichen Projekte der KWL am Bornkamp/Schärenweg sowie am Waldsaum sollen in 100 Prozent geförderten Geschosswohnungsbau umgeplant werden.“ Bauvorhaben von privaten Investoren sollen nicht mehr bewilligt werden, „wenn sie nicht 30 Prozent für sozialen Wohnungsbau vorsehen.“ Leerstehende Sozialwohnungen sollen über vertragliche Absprachen mit den Eigentümern und über Fördermittel wieder in die Sozialbindung zurückgeholt werden.

Michelle Akyurt (Grüne): „Auf eine Sozialwohnung wartet man wie früher auf einen Trabi.“ Quelle: LN-Archiv

Außerdem schlagen die Grünen mehr Wohnungen auf Supermärkten und Discountern vor. Fraktionschefin Michelle Akyurt: „Wir brauchen den sofortigen Kurswechsel in der Wohnungsbaupolitik. Die Menschen spüren doch an jeder Ecke, dass auf dem Mietmarkt eben nicht alles in Ordnung ist.“ Auf eine Sozialwohnung warte man in Lübeck inzwischen so lange wie früher in der DDR auf einen Trabi, sagt Akyurt.

Die 30-Prozent-Sozialwohnungen-Quote, die Lübeck beschlossen hat, reiche nicht aus, um ausreichend bezahlbaren Wohnraum herzustellen, warnt Frank Müller-Horn, baupolitischer Sprecher der Unabhängigen. Wichtig seien auch Wohnungen für Normalverdiener, die bis zu acht Euro kalt pro Quadratmeter aufbringen können. Müller-Horn denkt beispielsweise an die Beschäftigten im Dienstleistungssektor – beispielsweise die Mitarbeiter von Hotels und Gastronomie, die in Travemünde keine bezahlbaren Heime mehr finden. Derzeit würden private Investoren 70 Prozent der Baugebiete mit hochpreisigen Einfamilienhäusern oder Eigentumswohnungen bebauen. „Die wohnungsbaupolitischen Ziele der Stadt bleiben auf der Strecke“, sagt Müller-Horn. Solche Fehlentwicklungen habe es an der Wasserkunst, am Falkendamm und am Godewind in Travemünde gegeben.

Frank Müller-Horn will, dass Lübeck selber baut. Quelle: 54° / Felix Koenig

Die Unabhängigen fordern deshalb, dass die Stadt den Investoren über städtebauliche Verträge bezahlbaren Wohnraum vorschreibt und über ihre städtischen Gesellschaften KWL und „Trave“ Baugebiete selber erschließt, bebaut und vermarktet. Diese Vorschläge wollen die Unabhängigen auf einer Wohnbaukonferenz im Herbst mit Investoren und städtischen Gesellschaften diskutieren.

Die KWL wäre als städtische Gesellschaft unmittelbar von beiden Kurswechsel-Initiativen betroffen. 100 Prozent Sozialwohnungen am Bornkamp/Schärenweg sowie auf dem Volksfestplatz sieht KWL-Chef Dirk Gerdes kritisch: „Das ist doch genau die Ghettoisierung, die wir nicht mehr haben wollen. Wir wollen verschiedene Einkommensgruppen und Wohnformen in einem Baugebiet zusammenführen.“

KWL-Chef Dirk Gerdes beim Spatenstich – hier für ein neues technisches Dienstleistungszentrum. Quelle: Lutz Roessler

Eine verstärkte Projektentwicklung durch die KWL sei durchaus möglich, sagt Gerdes: „Dann müssen die Politiker aber für eventuelle Verluste gerade stehen.“

Kai Dordowsky

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