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Lübeck Hafenarbeiterin Lisa: Allein unter Männern
Lokales Lübeck Hafenarbeiterin Lisa: Allein unter Männern
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09:57 27.10.2018
St. Lorenz Nord

Am Nordlandkai haben Männer mit Männern zu tun. Männer bringen die riesigen, tonnenschweren Papierrollen und Holzstapel mit großen Schiffen zum Anleger. Männer fahren sie mit Lastwagen dorthin, wo sie gebraucht werden. Männer schaffen sie mit schweren Maschinen vom Schiff in die Lagerhalle. Wenn es nicht gerade Lisa Bergmann ist, die in der Fahrerkabine des Staplers sitzt.

Der Laderaum unter dem Deck der „Seagard“, Heimathafen Mariehamn, ist vom Brüllen der Lüftung erfüllt. Lisa Bergmann fährt mit ihrem Acht-Tonnen-Stapler polternd die Rampe zum Keller des Schiffs hinunter. Dort stehen gestapelt mächtige, 2,8 Tonnen schwere Papierrollen aus Finnland. Lisa fährt vorsichtig an einen Stapel heran, fährt die Greifarme hoch und transportiert eine Rolle zu einem Rolltrailer, den ein Kollege an Land zieht, wenn er voll beladen ist.

Die LHG versucht, mehr Frauen für den Hafenumschlag zu gewinnen. Ein Vorbild könnte die Arbeiterin Lisa Bergmann (22) sein.

Lisa Bergmann ist 22 Jahre alt und seit Anfang dieses Jahres Umschlagarbeiterin bei der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) – eine von vier Frauen mit 366 männlichen Kollegen und noch dazu die jüngste. In ihrem früheren Leben war sie Speditionskauffrau in einer Kurierspedition in Thüringen. Durchaus keine leichte Arbeit, sagt sie: „Man ist am Abend fast genauso fertig wie hier.“ Aber sie brauche nun einmal die körperliche Aktivität.

Der Hafenumschlag wird nicht nur bei der LHG fast nur von Männern erledigt. Dabei müsste das nicht so sein. „Das ist ja nicht mehr so ein Beruf wie früher: Ich nehm’ mir’n Sack und schmeiß’ den irgendwohin“, sagt Gerald Schmidt-Drews (40), stellvertretender Umschlagsleiter am Nordlandkai. „Um einen Stapler so filigran zu bedienen, braucht man keine Muskelpakete.“ Ein Umschlagarbeiter müsse rechnen können, und Fremdsprachen würden immer wichtiger – am besten auch andere Sprachen als nur englisch. „Von den russischen oder polnischen Lkw-Fahrern können viele nur ,yes’ und ,no’.“

Nicht nur der Vielfalt wegen sind Hafenbetreiber gut beraten, sich um Arbeiterinnen zu bemühen – sie können es sich auch gar nicht mehr leisten, auf die weibliche Hälfte des Arbeitskräftepotenzials zu verzichten. „Wir haben nicht einen riesigen Pool, auf den wir zugreifen können“, sagt LHG-Sprecherin Natascha Blumenthal.

Lisa Bergmann schwärmt von ihrer Arbeit: „Es ist sehr abwechslungsreich, man hat jeden Tag mit anderen Leuten zu tun.“ Als Staplerfahrerin hat sie schon viel Routine. „Am liebsten fahre ich Paletten. Das ist schwieriger, als Papierrollen zu fahren, weil so ’ne Palette auch mal umfällt.“ Ihr nächstes Ziel ist die Qualifikation für den Tugmaster, die mächtige Maschine, mit der Trailer mit 60 Tonnen Ladung aus einem Schiff an Land gezogen werden können.

Dass sie eine Frau in einem Männerberuf ist, macht ihr kein Kopfzerbrechen. „Ich hab mir darüber nie groß Gedanken gemacht. Am Anfang dachte ich schon: Was denken die von mir? Aber ich hab’ mich gut eingelebt.“ Es gibt trotzdem Männer, die sich erst daran gewöhnen müssen, dass sie nicht mehr unter sich sind. Ein Kollege von Lisa Bergmann, der seit mehr als 20 Jahren dabei ist, spricht von Frauen, die sich mit der ganzen Technik schwer täten. Aber Lisa, sagt er, die sei eine von den Besten. „Die packt das hier.“

Bei ihren männlichen Kollegen ist sie anerkannt und beliebt: Lisa Bergmann im Gespräch mit Klaus-Dieter Molkenpin (61). Quelle: Wolfgang Maxwitat

„Ich mag es hier, weil es so offen ist“, sagt Bergmann. „Weil man nicht so aufpassen muss, was man sagt.“ Das sei ganz anders als in ihrer kaufmännischen Ausbildung, in der sie mit Frauen im Büro saß. „Ich bin ja auch so, ich hab’ kein Blatt vor dem Mund.“

Hanno Kabel

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