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Lübeck 20 Stunden Autofahrt für 42 Kilometer
Lokales Lübeck 20 Stunden Autofahrt für 42 Kilometer
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14:56 16.10.2018
Vor dem elften Start: Dima Nicipors mit seiner Frau Inga, den Töchtern Elisabeth (6) und Catherine (4). Quelle: 54°
Lübeck

Ein Plausch mit Mitorganisator Roman Klawun, ein Nicken hier, ein Gruß da, keine zwei Minuten später hält Dmitrijs Nicipors seine Startnummer in den Händen. Der Börsensaal des Rathauses, der Tag vor dem Start des Stadtwerke Lübeck Marathons (Sonntag, ab 10 Uhr), für Dima ist es vertrautes Terrain. Mit Angela Kupsch (Stockelsdorf) und Hanno Höper (Lensahn) zählt er zu den Lübecker Marathon-Legenden. Das Trio ist bei der elften Auflage zum elften Mal über die 42,195 Kilometer am Start. Nur, dass Nicipors dafür mit dem Auto 1500 Kilometer angereist ist. Lettland, das 25 000-Einwohner-Städtchen Valmiera (Wolmar) ist sein zu Hause.

Weltmeister im Tauziehen entdeckt Lübeck

Mehr als 20 Stunden Autofahrt für 42 Kilometer laufen. Warum tut er sich das an? „Die Antwort ist einfach: Ich liebe die Strecke. Und ich habe eine besondere Beziehung zu Lübeck, zu den Leuten hier“, erzählt er in gutem Deutsch. Auch das verblüfft. „Ich hatte Deutsch in der Schule, habe außerdem viel deutsches Fernsehen gesehen, die Schlümpfe, Bud-Spencer-Filme“, erzählt er grinsend. Die besondere Beziehung zur Hansestadt liegt indes 13 Jahre zurück. „Damals war ich angehender Telekommunikations-Ingenieur und ein Jahr als Austauschstudent in Lübeck an der Fachhochschule.“ Nicht nur: In seiner Freizeit hatte er sich nach dem Tauziehen („Ich war Jugend-Teamweltmeister 2002 in Kapstadt“) aufs Schwimmen verlegt, suchte einen Verein, fand ihn in Bad Schwartau und in Detlev Chyzy einen Förderer. „Ich war da täglich bei ihm zum Training. Seitdem ist Detlev mein deutscher Vater“, erzählt er lachend. Zurück in der Heimat reifte dann im Sommer 2008 der Plan, Marathon zu laufen. „Und beim Googeln fand ich heraus, dass Lübeck den ersten im Herbst hat. Da habe ich mich sofort angemeldet.“

Zehnter Start beim 10. Stadtwerke Lübeck Marathon: Alfred Kruck (v.l.), Hanno Höper und Dmitrijs Nicipors Quelle: 54°

40 Marathon-Läufe, „doch von Lübeck komme ich nicht los“

Ohne spezielles Training, aber fit, lief er in Lübeck seine ersten 42,195 Kilometer. Als er nach 4:02:16 Stunden ins Ziel auf dem Markt taumelte, „war ich fix und fertig, hatte aber das Gefühl etwas Großes erreicht zu haben. Das habe ich so noch nie erlebt.“ Mittlerweile hat er 40 Marathon-Läufe absolviert, ist in Stockholm, Mailand, Berlin und Riga gelaufen, „doch von Lübeck komme ich nicht los. Das ist wie eine Zeitreise“. Auch, weil er in Bad Schwartau in Rüdiger und Sabine Sühl („Meine deutsche Mutti“) Herbergseltern und Freunde gefunden hat. Ihr gemeinsames Ritual: „Am Abend vor dem Lauf feiern wir Pasta-Party. Diese Gastfreundschaft ist überwältigend.“

Dima Nicipors läuft 2014 mit Töchterchen Elisabeth ins Ziel. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Nicipors will 100. Marathon in Lübeck laufen

Die Sühls stehen am Sonntag eben so an der Strecke, wie Nicipors’ Frau Inga und seine Töchter Elisabeth (6) und Catherine (4). Der Lette, der am Sonntag mit 4042 Läufern aus 30 Nationen am Start steht, darunter 511 Marathonis, freut sich auch beim elften Mal auf die Strecke. „Ich bin froh, dass die nicht geändert wurde. So, wie sie ist, ist sie gut.“ Das schwerste Teilstück ist für ihn der Rückweg von Travemünde kommend auf dem Damm oberhalb des Skandinavienkais. „Der Anstieg ist lang, da tun die Beine weh.“ Der Herrentunnel sei eine Herausforderung, „aber da bist du schon auf dem Rückweg“. Auch die öde, schnurgerade Travemünder Allee sei nicht schlimm. „Da siehst du die Türme ja schon.“ Selbst den Oktober, „die Blätter, die frische Luft“, findet er super. Im Vorjahr ist er Bestzeit gelaufen (2:48:08). Am Sonntag will er nur ankommen. „Ich habe mich im Sommer verletzt, konnte nur wenig trainieren.“ Doch fest steht: 2019 kommt er wieder. Und: „Meinen 100. Marathon will ich in Lübeck laufen.“

Zum elften Mal im Ziel: Dima Nicipors. Familie und Freunde empfingen den Letten auf dem Kohlmarkt. Quelle: Agentur 54°

Elfter Start: Als Gesamtzwölfter im Ziel

Und wie ist es 2018 gelaufen? Er kam nach 3:08:57 Stunden als Gesamtzwölfter an. Auf dem Kohlmarkt wurde er von seinen Schwartauer Freunden Detlev, Rüdiger und Sabine sowie seiner Frau Inga und den Töchtern Elisabeth (6) und Catherine (4) empfangen. Es war sein 41. Marathonlauf insgesamt, „aber ein sehr schwerer, gerade die zweite Hälfte. Marathon verzeiht nicht, wenn du vorher nicht viel trainiert hast, auch wenn man verletzt war. Ich bin froh, angekommen zu sein.“ Am Montag ging es bereits wieder zurück nach Lettland. 1500 Kilometer mit dem Auto.

Jens Kürbis

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