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Lübeck Mit Knalleffekt: Abschied von der Kinder-Uni
Lokales Lübeck Mit Knalleffekt: Abschied von der Kinder-Uni
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20:21 27.10.2018
Feuerwehrchef Bernd Neumann demonstriert eine Staubexplosion. Quelle: Christian Schaffrath / Agentur 54°
St. Lorenz Nord

“Kokeln, aber richtig“ war das Motto des Vortrags, mit dem Bernd Neumann, Chef der Lübecker Berufsfeuerwehr, 75 Kindern auf der Feuerwache 1 der Berufsfeuerwehr erklärte, was Feuer ist, wie Brände entstehen und wie man sie löscht. „Kinder kokeln heute nicht mehr“, sagt er, „aber sie sollen es tun.“ Allerdings schärft er den Kindern die Regeln ein: den Eltern Bescheid sagen, nicht in geschlossenen Räumen kokeln, nicht mit Feuerwerkskörpern oder Blindgängern – und mit Löschmitteln in Reichweite. Es ist der letzte Vortrag von „Minimaster“, einer Wissenschaftsreihe für Kinder.

Wie leicht ein gefährliches Feuer entstehen kann, demonstriert Neumann mit einer Staubexplosion. Er bläst Luft in einen Kasten, in dem ein Schälchen mit Staub und vier Teelichte stehen. Durch die Sauerstoffzufuhr gibt es einen dumpfen, heftigen Knall und eine große Flamme – die Kinder sind fasziniert.

Die Kinder schauen gemeinsam mit Feuerwehrchef Bernd Neumann bei einem Probeeinsatz der Feuerwehr zu. Quelle: 54° / Christian Schaffrath

Außerdem bekommen sie einen Probealarm vorgeführt – wie die Feuerwehrleute zu den Einsatzfahrzeugen laufen, sich umziehen und losfahren. Wie man einen Notruf absetzt, übt Bernd Neumann mit ihnen an einem antiquierten Drehscheiben-Telefon. Zunächst demonstriert er, wie man es nicht machen sollte: Er wählt 112, ruft: „Bei uns brennt’s, kommen Sie schnell!“ in den Hörer und legt auf. Einige Kinder trauen sich nach vorn und machen es besser, indem sie alle Fragen des Mannes von der Leitstelle beantworten.

Die Reihe „Minimaster“ gab es seit Anfang 2010. Susanne Kasimir, Wissenschaftsbeauftragte der Stadt, blickt mit etwas Wehmut darauf. „Es war toll, wie die Referenten es geschafft haben, mit so viel Begeisterung ganz komplexe Themen den Kindern nahezubringen.“ Entstanden war das Projekt im Zusammenhang mit der erfolgreichen Bewerbung Lübecks als „Stadt der Wissenschaft 2012“. 2016 lief die institutionelle Förderung des Wissenschaftsmanagements aus, das auch Projekte wie die Labornacht und den Tag der Wissenschaft organisiert hatte. Die Reihe „Minimaster“ konnte zunächst am Leben erhalten werden, aber jetzt läuft auch sie aus.

Timo ist mit seinen 15 Jahren ein Veteran von „Minimaster“. „Am Anfang war ich eigentlich zu jung, und jetzt bin ich eigentlich zu alt“, sagt er. „Aber mir macht es so viel Spaß, dass ich immer dabei geblieben bin. Da ist immer was Neues.“ Der Abschlussvortrag bei der Feuerwehr hat ihn begeistert wie vorher nur der Besuch bei der Bundespolizei. Auch den Zwillingen Kajan und Kilian (12), die seit zwei Jahren die Vorlesungen besuchen, hat es gefallen. „Das war wirklich mit Action“, sagt Kilian. Hasti (10) erinnert sich besonders gern an den Vortrag im Schwimmbad. „Weil mich interessiert, wie das Wasser sauber wird.“ Falls es eine Neuauflage der Reihe gibt, hat sie schon einen Vorschlag: ein Besuch im Tierheim. „Ich möchte wissen, wie die Tiere da gehalten werden.“

Nach der Abwicklung des Wissenschafts-Managements wollten die Lübecker Hochschulen die öffentliche Präsentation von Wissenschaft selbst in die Hand nehmen. Im April stellten sie dazu das Konzept „LübeckHoch3“ vor. Darin ist auch eine Reihe unter dem Titel „Maxi-Master“ enthalten, die Junge und Alte mit Wissenschaft in Kontakt bringen und „Minimaster“ ersetzen soll. Bisher gibt es die neue Reihe aber nur auf dem Papier.

Die Feuerwehrleute demonstrieren eine Fettexplosion. Quelle: 54° / Christian Schaffrath

Zum Schluss bieten die Feuerwehrleute den Kindern noch eine Vorführung mit Knalleffekt: Auf dem Hof demonstrieren sie, was passiert, wenn man versucht, einen Ölbrand mit Wasser zu löschen. Es gibt eine beeindruckende Stichflamme. Feuerwehrchef Bernd Neumann ist zufrieden mit der Veranstaltung: „Das macht auch mir Spaß. Ich hoffe, dass die Kinder sich jetzt trauen zu sagen: Der Chef von der Feuerwehr hat gesagt, wir dürfen kokeln, wenn wir Bescheid sagen.“

Hanno Kabel

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