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Lübeck Lkw-Kontrolle im Hafen: Über 50 Prozent mit Mängeln
Lokales Lübeck Lkw-Kontrolle im Hafen: Über 50 Prozent mit Mängeln
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20:38 07.11.2018
Die Polizei kontrolliert einen Lkw am Skandinavienkai. Quelle: Lutz Roeßler
Travemünde

Zuerst sieht man von dem Lastwagenfahrer nur ein Bein, das er aus dem Führerhaus streckt. Er habe es sich gebrochen, erklärt er den Beamten in flüssigem Englisch. 16 Metallbolzen steckten jetzt darin. Langsam und vorsichtig steigt er aus. Der Drogenhund „Nico“ (11) hat sich schon an die Arbeit gemacht, angeleitet von seinem Hundeführer, dem Zollbeamten Bernd Schaal. Schnell und gründlich untersucht „Nico“ jedes Rad, jede Achse, die Unterseite der Ladefläche, die Radkästen, das Ersatzrad, den Auspuff. Der lettische Fahrer wartet hinten bei den Zollbeamten und zeigt ihnen auf seinem Handy Bilder von seinem gebrochenen Bein.

Lkw-Kontrollen gehören zum Alltag der Polizei, Großkontrollen wie diese, mit 145 Beamten von Polizei und Zoll aus Schleswig-Holstein und Hamburg, allerdings nicht. „Wir wollen eine ganzheitliche Kontrolle durchführen“, erklärt Polizeihauptkommissar Kai-Oliver Braß, der den Einsatz leitet. Alles wird geprüft: Ladung, Pass, Arbeitserlaubnis, Lenk- und Ruhezeiten, ADM (Polizeijargon für Alkohol, Drogen und Medikamente).

Im Laderaum auf einem Stapel aus Kartons mit französischen Weinbrandflaschen „Nico“ hoch, bis er mit der Schnauze fast an die Decke stößt, und bellt und bellt. „Normalerweise frieren die Hunde ein, wenn sie Rauschgift riechen“, sagt Bernd Schaal. „Nico“ bellt noch immer. Der lettische Fahrer steht schweigend mit verschränkten Armen hinter seinem Laster.

145 Beamte von Zoll und Polizei haben am Mittwoch 150 Lastwagen am Skandinavienkai kontrolliert.

Der ungarische Fahrer eines anderen Lkw muss die Planen öffnen, hinter denen seine Ladung liegt, Granulat in riesigen Säcken. Der Polizist Andreas Stauch, Lkw-Experte vom Sondereinsatzzug aus Eutin, inspiziert alles mit ernster Miene und sagt: „Fast 20 Tonnen Ladung, maximal acht Gurte: Das ist garantiert zu wenig, da brauch’ ich gar nicht zu rechnen.“ Er sagt auch noch: „Das müsste man komplett durchspriegeln“, „Er muss formschlüssig laden“, und: „Das ist nicht mal’n zertifizierter Curtainsider.“ Der ungarische Fahrer dürfte immerhin verstehen, dass er ein Problem hat.

Am Nachmittag zieht die Polizei Bilanz. 150 Lkw wurden kontrolliert. Ein Lkw-Fahrer entzog sich nach Angaben der Polizei der Kontrolle, in dem er vor Verlassen des Hafengeländes sein Fahrzeug wendete. „Wir werden beim nächsten Mal jemanden positionieren, der in so einem Fall dann hinterherfährt“, sagt Dierk Dürbrook, Sprecher der Polizeidirektion Lübeck. Die Beamten brachten sechs Verstöße gegen das Ausländerrecht und eine Fahrt unter dem Einfluss von THC zur Anzeige. Ein Ermittlungsverfahren wurde wegen des Verdachts auf Manipulation technischer Aufzeichnungen eingeleitet. Mehr als die Hälfte der kontrollierten Fahrzeuge wurde beanstandet. Davon darf ein Drittel zunächst nicht weiterfahren.

Zu diesem Drittel zählt der Laster des ungarischen Fahrers. Stauch hat nachgerechnet und festgestellt: „Er müsste 52 Gurte nehmen.“ Wenn die Spedition Glück hat, kommt sie mit einer Nachsicherung davon. Wenn sie Pech hat, kommen die Beamten zu dem Ergebnis, dass der Lkw für die Ladung gar nicht geeignet ist.

Besser ergeht es dem lettischen Fahrer mit den Weinbrandflaschen im Laderaum. Die Zollbeamten haben mit einem elektronischen Dichtemesser Dach und Wände des Laderaums auf Hohlräume untersucht. Sie sind aufs Dach geklettert und haben von oben die Stelle überprüft, an der der Drogenhund angeschlagen hatte. Sie haben nichts gefunden, was erklären würde, warum „Nico“ gebellt hat. „Mehr kann man nicht machen“, sagt einer der Beamten. Sie bitten den lettischen Fahrer um Verständnis. „Sie machen nur Ihren Job“, sagt der und steigt wieder in sein Führerhaus.

Hanno Kabel

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