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Lübeck Neues Wohnquartier im Bornkamp
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16:39 06.11.2018
Jetzt stehen am Schärenweg im Bornkamp noch Flüchtlingsunterkünfte. Ab 2020 soll es dort Baurecht für ein neues Wohnquartier geben. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
St. Jürgen

Der Bornkamp soll wachsen: In dem Wohngebiet wird ein neues Quartier für 450 Menschen geschaffen. Das hat der Bauausschuss beschlossen. Mit einer Mehrheit aus SPD, GAL, Linken und Grünen. Die CDU hat sich enthalten. Sie hatte für die Forderungen der Nachbarn gekämpft. Denn die sind gegen Mehrfamilienhäuser und Studentenwohnungen. Die CDU hat aber nur einen größeren Bolzplatz durchgesetzt. Jetzt ist die erste Stufe des dreistufigen Bebauungsplanverfahrens beschlossen. Bis es Baurecht gibt, wird es voraussichtlich bis Anfang 2020 dauern.

CDU will Interessen der Nachbarn durchsetzen

„Drei Geschosse reichen voll und ganz aus“, ist Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses, überzeugt. Er nimmt damit die Hauptforderungen der Lübecker im Bornkamp auf, keine Gebäude mit vier Geschossen zu errichten. Außerdem: „Für die Studentenwohnungen soll es mehr Parkplätze geben“, fordert Lötsch. „Denn im Bornkamp ist es jetzt schon eng mit Stellplätzen.“ Und: „Der Bolzplatz muss vergrößert werden.“ Die SPD reagiert mit Sarkasmus: „Es ist ja sehr ehrenwert von der CDU, dass sie sich aus dem 100 Meter langen Fragenkatalog der Nachbarn ein paar Punkte herausgepickt hat“, meint Ulrich Pluschkell. Er will aber grundsätzlich am Plan der Verwaltung festhalten.

Neues Wohnquartier im Bornkamp: So könnten die Häuser platziert werden auf dem 25 000 Quadratmeter großen Areal. Quelle: Hansestadt Lübeck

Quartier für 450 Menschen

Konkret: Ins Wohngebiet Bornkamp führt eine Brücke, die Bahngleise überspannt. Gleich dahinter soll rechts für 450 Menschen ein neues Quartier entstehen. Am Schärenweg, wo jetzt die Unterkünfte für Flüchtlinge stehen. Auf dem 25 000 Quadratmeter großen Areal ist vorgesehen, dass drei- bis viergeschossige Gebäuderiegel das neue Quartier einrahmen. So soll das Studentenwohnheim gleich hinter der Brücke am Eingang zum Bornkamp platziert werden. Die Mehrfamilienhäuser sind parallel zur Bahnschiene vorgesehen. Dann folgen Reihenhäuser – und Doppelhäuser grenzen an die vorhandenen Häuser im Bornkamp an. Das Studentenwohnheim soll 200 Apartments beherbergen. Das Studentenwerk hat bereits Interesse angemeldet, es zu bauen. Geplant sind zudem zwei große Mehrfamilienhäuser mit 45 bis 50 Apartments, darunter Sozialwohnungen sowie 37 Reihen- und sechs Doppelhäuser. Zwischen Bahnschienen und Mehrfamilienhäusern sind Stellplätze sowie ein Bolz- und Sportplatz geplant.

Wo ist es laut im neuen Viertel?

Unzufrieden mit der Platzierung der Gebäude ist Carl Howe (GAL): „Warum sollen die Sozialwohnungen an die Bahnschienen?“ Er könne sich da eher die Studentenapartments vorstellen, da Studenten dort nur eine begrenzte Zeit wohnen. Das sieht Stadtplanerin Katharina Belchhaus anders. „Es gibt dort eine gute Wohnqualität.“ Denn die Mehrfamilienhäuser liegen im Westen, ab Nachmittag gebe es den ganzen Tag Licht. Und: Bäder und Küchen können zu den Bahngleisen hin ausgerichtet werden. Zudem: „Am Eingang zum Bornkamp ist es auch verlärmt.“ Denn dort fahren die Autos und Busse ins Wohnquartier – vorbei am neuen Studentenwohnheim.

360 000 Euro: Schärenweg soll verlegt werden

Ebenfalls geplant: Der Schärenweg soll verlegt werden. Kosten: 360 000 Euro. Der Grund: Der jetzige Lärmschutzwall soll platt gemacht werden, damit die Doppelhäuser gebaut werden können. Dadurch sollen das neue und das alte Quartier zusammenwachsen. Die Lübecker im Bornkamp wollen den Wall aber erhalten – damit sie auf Grün schauen können und nicht auf neue Häuser. Der Fraktionschef der Unabhängigen, Detlev Stolzenberg, will den Wall auch erhalten – allerdings aus einem anderen Grund. Ihm ist die Verlegung des Schärenwegs zu teuer. „Man könnte den jetzigen Weg so erhalten – und dafür mehr Geschosswohnungsbau machen.“ Doch dafür gibt es keine Mehrheit im Ausschuss.

Proteste gegen Flüchtlingsunterkunft

Seit Anfang 2015 kennt jeder Lübecker das Wohngebiet Bornkamp. Denn das Land wollte damals am Schärenweg eine Erstaufnahmeeinrichtung für 600 Flüchtlinge errichten – auf städtischem Grund. Es folgte eine massive Protestwelle. Eine Bürgerinitiative hatte sich im Bornkamp gegründet. Ihr Argument: Die Flüchtlingsunterkunft sei viel zu groß für das Wohngebiet. Daraufhin lehnte die Bürgerschaft den Verkauf des Grundstücks ans Land ab – im Juni 2015.

Ein Jahr später werden auf dem Gelände Flüchtlingsunterkünfte aufgebaut - von der Stadt. Ein Containerdorf für gut 220 Flüchtlinge. Die Häuschen stehen dort immer noch. Bis Mai 2020 sollen sie dort bleiben. Dann müssen sie weichen – und das Gelände wird zum neuen Wohnquartier.

Neues Wohnviertel: Baustart frühstens Mai 2020

Jetzt wird es eine neue Runde mit den Nachbarn im Bornkamp geben. Dann folgen die zweite und dritte Stufe des Bebauungsplanverfahrens. Anfang 2020 soll es Baurecht für die Fläche geben. Die Häuser für die Flüchtlinge werden dort bis Mai 2020 stehen – und dann dem neuen Wohngebiet weichen. Dann erst können auf dem Areal neue Gebäude errichtet werden.

Josephine von Zastrow

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