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Lübeck Haus & Grund: Es gibt keine Wohnungsnot
Lokales Lübeck Haus & Grund: Es gibt keine Wohnungsnot
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16:58 20.02.2019
Sascha Sebastian Färber fordert mehr Sachlichkeit in der Debatte über den Lübecker Wohnungsmarkt. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Wie dramatisch ist die Lage auf dem Lübecker Wohnungsmarkt? Mieterverein, Grüne, Linke und manche Sozialdemokraten zeichnen ein düsteres Bild. Die großen Wohnungsgesellschaften, ihr Dachverband VNW, der offizielle Mietspiegel und der aktuelle Wohnungsmarktbericht der Stadt zeichnen ein anderes Bild – das eines Wohnungsmarktes, der nur bei kleinen und besonders großen Wohnungen angespannt ist. Von Krise oder Not könne keine Rede sein.

In dieses Bild passt die neueste Befragung von 762 privaten Vermietern durch den Zentralverband von Haus & Grund. Seit einigen Jahren befragt der Zentralverband in ausgesuchten Städten – zu ihnen zählt Lübeck – die privaten Vermieter. Wie hoch sind die Mieten, wann wurden sie erhöht, wie lange leben die Mieter in den Wohnungen, welche Modernisierungen wurden vorgenommen?

28 Prozent erhöhen die Miete bei Mieterwechsel

Die aktuelle Befragung ergab, dass die durchschnittliche Miete für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern 2017 7,02 Euro pro Quadratmeter netto kalt betrug. 2016 waren es 6,95 Euro – eine Steigerung um ein Prozent. Bei Mietern, die bis zu fünf Jahre in einer Wohnung leben, wich die tatsächliche Miete um 3,91 Prozent von der ortsüblichen Vergleichsmiete ab. Bei Mietern, die bis zu zehn Jahre in dergleichen Wohnung leben, lag die tatsächliche Miete 0,94 Prozent unter dem ortsüblichen Preis, bei ganz treuen Mietern (bis zu 50 Jahre in einer Wohnung) sogar über 21 Prozent unter dem ortsüblichen Niveau.

Der Wohnungsmarkt

117 221 Wohnungen gab es Ende 2017 in der Hansestadt. Der Bestand der großen Gesellschaften wie „Trave“, Bauverein und Neue Lübecker macht mit zusammen 17 300 Einheiten nur einen kleinen Teil des Wohnungsmarktes aus.

371 neue Wohnungen wurden 2017 in Lübeck fertiggestellt, 840 waren es noch 2016. Gerade einmal 23 neue Sozialwohnungen kamen 2017 auf den Markt, im vergangenen Jahr waren es 132. Nach Schätzungen des Mietervereins fehlen rund 4000 Sozialwohnungen.

Die durchschnittliche Kaltmiete in der Hansestadt liegt nach Angaben des Mietspiegels bei frei finanzierten Wohnungen bei 6,64 Euro pro Quadratmeter.

28,1 Prozent der Vermieter erhöhen laut Befragung ausschließlich bei einem Mietwechsel die Miete. 36,5 Prozent aller Modernisierungsmaßnahmen fanden in den letzten fünf Jahren statt. 77,3 Prozent aller privaten Vermieter sind mit den laufenden Mietverhältnissen zufrieden und kommen gut mit ihren Mietern aus.

Dieses Schild in der Wakenitzstraße spricht eher für die Wohnungsnot. Quelle: LN-Archiv

Das klingt nicht dramatisch. Der Verband Haus & Grund, der 5400 Eigentümer in der Hansestadt vertritt, warnt deshalb vor einer einseitigen Wohnungsmarktpolitik. „Diese Politik darf nicht ausschließlich auf den sozialen Wohnungsbau ausgerichtet sein“, sagt Geschäftsführer Sascha Sebastian Färber. Der Wohnungsmarkt sei angespannt, und für „einzelne Mietergruppen ist es noch schwerer geworden, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, räumt Färber ein. „Von einer allgemeinen Wohnungsnot in Lübeck kann aber nicht die Rede sein.“

Verzerrung der Realität?

Aber zeichnen diese Umfragen, Mietspiegel und Berichte die Wirklichkeit nach, die Wohnungssuchende erleben? Die SPD-Politikerin Birte Duggen war selbst auf Wohnungssuche und hat in Internetportalen Mietangebote von bis zu 22 Euro pro Quadratmeter in Travemünde gefunden. „Der Wohnungsmarktbericht der Stadt verzerrt die Realität“, sagt der Linken-Kreisvorsitzende Sebastian Kai Ising, „die bestehende Wohnungskrise wird verharmlost.“

Die Unabhängigen finden die ganze Debatte, ob es eine Wohnungsnot oder nur einen angespannten Wohnungsmarkt gibt, unsinnig. „Lübecker, die auf Wohnungssuche sind, werden dafür wenig Verständnis haben“, sagt der baupolitische Sprecher Frank Müller-Horn. Die Unabhängigen beantragen in der Februarsitzung der Bürgerschaft einen Wohnungsgipfel mit Politik, Verwaltung, Mieterbund, Sozialverbänden und Immobilienwirtschaft. Das fordert auch Haus & Grund. An einem Runden Tisch sollen sich Verwaltung, Politik, Unternehmen und Verbände „über eine nachhaltige Wohnungspolitik austauschen“.

Kai Dordowsky

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