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Lübeck Urteil gefallen: Einbrecher freut sich auf Haftstrafe
Lokales Lübeck Urteil gefallen: Einbrecher freut sich auf Haftstrafe
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18:46 24.04.2018
Der 35-Jährige habe geäußert, dass er nichts gegen eine Haftstrafe habe. Er bekomme dort Essen und habe ein Bett. Quelle: dpa
Lübeck

Das Urteil schockt Jens F. (Name geändert) nicht. Im Gegenteil: Es sei seine Absicht gewesen, für längere Zeit in der Justizvollzugsanstalt einzusitzen, sagt der Psychiater, der während der Verhandlung ein Gutachten zur Verfassung des Angeklagten verlas. Der 35-Jährige habe geäußert, dass er nichts gegen eine Haftstrafe habe. Er bekomme dort Essen und habe ein Bett. Er fühle sich dort wohler als draußen. Den Kontakt zu anderen Menschen brauche Jens F. nicht, er sei ein Einzelgänger, so der Psychiater. Und werde er wieder entlassen, werde er wieder irgendwo einbrechen.

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Gegenüber dem Psychiater soll er allerdings betont haben: „Ich bin keiner von den Großen, sondern nur ein Eierdieb.“ Ausgeprägt psychisch krank sei Jens F. jedoch nicht. Es sei einfach „seine Lebenseinstellung“, die Diebstähle ein wiederkehrendes Muster. Diverse Male schon wurde der Angeklagte wegen Einbruchs, Diebstahls, Sachbeschädigung und exhibitionistischen Handlungen in Hamburg, Lübeck und Eutin verurteilt – und saß daraufhin ein.

Jens F. gesteht Taten offen

Überraschend offen gestand Jens F. auch am Montag seine Taten, erzählte detailreich von den Einbrüchen und zeigte sich gegenüber Richter Felix Spangenberg kooperativ. Laut psychiatrischem Gutachten ist der Angeklagte zudem suchtkrank. Für den Konsum von Amphetaminen benötige Jens F. rund 1800 Euro im Monat. Als in unregelmäßigen Abständen angestellte Saisonkraft in der Gastronomie fehlte ihm jedoch das Geld.

Also brach der Angeklagte Ende Oktober 2017 durch ein Fenster in die Schule an der Wakenitz in Lübeck ein, verwüstete ihr Innenleben, brach Metallspinde auf und riss Kabel aus der Wand. Dann rief er sich ein Taxi, transportierte diverse Wertgegenstände zu sich nach Hause: einen Laptop, einen Beamer, Druckerpatronen, Lichterketten, ein Mischpult, Steckdosen, Taschenrechner, Kreide. Weil nicht alles ins Taxi passte, kam Jens F. einen Tag später wieder zur Schule und wollte das restliche Diebesgut abholen. Doch Polizisten stellten ihn vor Ort.

Wenige Tage später verschaffte sich Jens F. Zugang zu einem Autohaus, schlug mit der Faust Löcher in die Wände, zerstörte eine Glasvitrine, konsumierte vor Ort gefundenes Bier und eine Tüte Gummibärchen. „Eigentlich war mein Plan, ein Auto zu klauen“, sagt der Angeklagte im Gerichtssaal. Doch die Polizisten kamen ihm zuvor.

F. darf ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis

Anfang November dann entblößte sich Jens F. gegenüber einer Kundin und der Mitarbeiterin eines Sonnenstudios. Auch auf einer Damentoilette im Bahnhof vollzog er exhibitionistische Handlungen. Besucherinnen und das Reinigungspersonal wurden auf ihn aufmerksam. Die Polizei nahm ihn daraufhin in Gewahrsam. Seitdem befindet er sich in der Justizvollzugsanstalt. Das Amtsgericht verurteilte ihn wegen besonders schweren Diebstahls in zwei Fällen, Sachbeschädigung und zwei Fällen von exhibitionistischer Handlungen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten.

sbu

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