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10:39 16.06.2016
Nudeln mit Tomatensoße: Für die Bugenhagen-Schüler stimmt das Angebot in der Mittagspause. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Erste Erfahrungen mit den beiden Modellstandorten Bugenhagen-Schule und Schule Falkenfeld liegen jetzt vor. Zwei weitere Grundschulen sollen im August folgen. Ein Jahr später startet der flächendeckende Ausbau in allen Grundschulen. Für die jungen Schüler in den weiterführenden Schulen soll im Februar 2017 ein Konzept vorgelegt werden – wenn die Bürgerschaft am 30. Juni grünes Licht gibt.

„Mit diesem Konzept erreichen wir viel mehr

Kinder als mit den Horten.“Jörn Puhle (SPD)

Mittagspause in der Bugenhagen-Schule (150 Schüler) in der Moislinger Allee: In der kleinen Mensa genießen 20 Jungen und Mädchen Nudeln mit Tomatensoße. Das Essen liefert Kinderwege. Der gemeinnützige Träger versorgt diverse Kitas und Schulen und ist in der Bugenhagen-Schule Anbieter der Nachmittagsbetreuung. Fünf festangestellte, pädagogische Fachkräfte kümmern sich um 80 Mädchen und Jungen. Vormittags sind die Fachkräfte als Integrationshelfer in der Schule tätig. 14 Freizeitangebote gibt es, außerdem Verpflegung und Hausaufgabenbetreuung. Die Eltern können wählen zwischen drei bis fünf Tagen Nachmittagsbetreuung für ihre Sprösslinge, die wahlweise bis 15 oder 16 Uhr dauert. Die Elternbeiträge sind gestaffelt nach Betreuungszeiten.

Eltern und Kinder wurden im Rahmen des Modellprojekts befragt, wie zufrieden sie mit der Ganztagsschule sind. 62 von 80 Kindern der Bugenhagen-Schule gaben Antworten. Zwei Drittel bewerteten das Freizeitangebot als positiv, die Hälfte der Jungen und Mädchen gaben Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung gute Noten, mehr als 50 Prozent haben genug Ruhe, um zu essen und Hausaufgaben zu erledigen.

Über 15 Prozent finden zu wenig Ruhe. An der Schule Falkenfeld beteiligten sich 53 Kinder an der Umfrage. Auch hier bewerteten Zwei Drittel das Angebot positiv. 41 Prozent mögen das Mittagessen, 18 Prozent sind damit unzufrieden. 35 Eltern gaben Rückmeldungen ab, 85 Prozent bezeichneten die Ganztagsschule als gut.

Zum August soll das Konzept an zwei weiteren Grundschulen umgesetzt werden. Sonja Rieper vom Bereich Schule und Sport: „Mehrere Schulen haben bereits Interesse bekundet.“ Ab August 2017 sollen in größeren Umsetzungsschritten nach und nach die restlichen 34 Grundschulen den einheitlichen Ganztag einführen. Billig ist das nicht. Für rund 4000 Kinder in der Ganztagsbetreuung ergeben sich laut Verwaltung Kosten von knapp neun Millionen Euro. Die Eltern bringen über ihre Beiträge gut 3,5 Millionen Euro auf. Die fünftägige Nachmittagsbetreuung kostet 120 Euro im Monat, drei Tage kosten 70 Euro – und bei sozialer Ermäßigung bleiben gerade einmal zwölf Euro im Monat als Elternbeitrag übrig. Knapp 4,2 Millionen Euro bringt die Stadt auf, zum Teil aus Mitteln, aus denen bereits die Hortbetreuung gezahlt wird. 1,1 Millionen Euro kommen aus dem Bildungsfonds, rund 200000 Euro muss die Stadt als Defizit im Haushalt ordnen.

Der Jugendhilfeausschuss hat dem Konzept bereits seinen Segen gegeben. Jörn Puhle (SPD): „Mit diesem Konzept erreichen wir viel mehr Kinder als mit den Horten – vor allem die Kinder, die wir auch erreichen wollen.“ Sorgen bereitet der CDU die Raumausstattung der Schulen. Jugendpolitikerin Dagmar Hildebrand: „Die Schulen stoßen räumlich an ihre Grenzen. Kinder brauchen auch Rückzugsmöglichkeiten – das dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren.“

 Kai Dordowsky

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