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20:35 30.08.2016
Filiz Günsür (41) und Rafael Jancen (26) vom Träger Sprungtuch bauen den Pool von Sprach- und Kulturmittlern auf. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Filiz Günsür weiß, wovon sie spricht. Als Kind musste die in Lübeck geborene Tochter von türkischen Eltern immer für Familienangehörige, Bekannte und Verwandte übersetzen. Sogar Steuerbescheide füllte sie aus – mit zwölf Jahren. Jetzt arbeitet die 41-jährige Mutter von zwei Kindern, die soziale Arbeit studiert, in einem brandneuen Projekt mit, das den aktuellen Zuwanderern die Kommunikation mit Behörden, Schulen, Kitas, Jobcenter oder Ärzten maßgeblich erleichtern will. „KommMit“ heißt das Projekt, das der freie Träger Sprungtuch mit Sitz in Buntekuh in diesem Monat gestartet hat. Die Idee: „KommMit“ qualifiziert und vermittelt Sprach- und Kulturmittler, die als Honorarkräfte eingesetzt werden.

22 Prozent Migranten

47427 Menschen in Lübeck (von 218523) haben einen Migrationshintergrund, 20360 von ihnen haben keine deutsche Staatsbürgerschaft.

285 000 Euro kostet das Projekt in den ersten drei Jahren. Die Possehl-Stiftung gibt 120000 Euro.

Filiz Günsür und Rafael Jancen bilden das Team von „KommMit“ im Familienzentrum Buntekuh und sind über kommmithl@gmail.com erreichbar.

Sprach- und Kulturmittler – ein ungewohnter Begriff. Er soll klarmachen, dass die Honorarkräfte keine vereidigten Dolmetscher sind, keine Schriftsätze übersetzen und auch keine Beratungen anbieten.

Sie helfen bei der Kommunikation zwischen Zuwanderern und den verschiedensten Institutionen. „Unser Pool ist erst im Aufbau, aber wir haben bereits 20 Personen, die wir qualifizieren und vermitteln können“, erklärt Projektleiter Rafael Jancen, der polnische Wurzeln und Mehrsprachigkeit an der Universität Hamburg studiert hat. „Die Mittler sind nicht festangestellt, bekommen aber von uns ausreichend Aufträge“, sagt Jancen, „die gängigsten Sprachen wie Arabisch, Türkisch und Persisch können wir bereits abdecken.“ Sprach- und Kulturmittler sind Zuwanderer, die neben ihrer Muttersprache Deutsch als Zweitsprache sprechen. Außerdem verfügen sie über interkulturelle und soziale Kompetenzen. Sie sollen helfen, missverständliche Gesten oder Begriffe in den Gesprächen zwischen Institutionen und Zuwanderern von vornherein zu vermeiden.

Julius Schorpp, Geschäftsführer des Trägers Sprungtuch, geht von einem riesigen Bedarf in Lübeck aus. „Es wird eher eine sportliche Herausforderung, diesen Bedarf abzudecken.“ Bei den städtischen Behörden warte man händeringend auf den Start des Projekts, berichtet Sozialsenator Sven Schindler (SPD) – beispielsweise im Gesundheitsamt, wo zunehmend mehr Flüchtlinge beim sozialpsychiatrischen Dienst vorstellig werden. „In der Ausländerbehörde verständigen sich die Mitarbeiter oft mit Händen und Füßen mit den Asylbewerbern“, weiß der Senator. Ein großes Tätigkeitsfeld würden auch Elternabende und Elterngespräche in Schulen sowie Kitas sein, ist Jancen überzeugt.

Der Pool startet als Projekt, das von der Possehl-Stiftung mit 120000 Euro und von der Stadt gefördert wird und zunächst auf drei Jahre angelegt ist. Städtische Behörden können die Dienste kostenlos in Anspruch nehmen, andere Auftraggeber zahlen 40 Euro pro Auftrag. Später soll der Pool sich dann komplett aus den Kostenbeiträgen der Nutzer finanzieren.

2014 hat die Bürgerschaft einen Fonds mit 50000 Euro für Integration aufgelegt. „Die erste Maßnahme sollte die Einrichtung dieses Pools sein“, erklärt Anke Seeberger von der Stabsstelle Integration. „Integration ist eine Riesenchance für Lübeck“, sagt Prof. Klaus-Peter Wolf-Regett, stellvertretender Vorsitzender der Possehl-Stiftung, „wenn wir es von vornherein richtig machen.“

Kai Dordowsky

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