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Lokales Lübeck Lübeck beseitigt die Folgen des Sturms
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21:01 29.10.2013
Ein Mitarbeiter der Stadt zersägt den Baum, der während des Sturms am Neuhof auf mehrere Autos gestürzt ist. Quelle: Fotos: Holger Kröger

Fassungslos steht Konstantin Eichler auf seinem Balkon und blickt auf den Trümmerhaufen vor seinem Wohnblock am Neuhof (St. Lorenz Nord). Es ist der Morgen nach dem Sturmchaos. Der Schock sitzt immer noch tief bei dem 66-Jährigen. Vor rund 20 Stunden hat er miterlebt, wie ein Baum direkt vor seinem Wohnzimmerfenster auf mehrere parkende Autos stürzte und dabei auch eine Frau traf, die gerade in ihren Wagen einsteigen wollte.

„Ich habe es krachen gehört und bin dann direkt zum Fenster gelaufen“, sagt Eichler. Der Anblick, der sich ihm dort geboten habe, sei grauenvoll gewesen. „Ich habe die Frau auf dem Boden liegen sehen“, sagt er. Mit einigen Nachbarn sei er ihr sofort zur Hilfe geeilt. Eichler: „Wir waren aber völlig hilflos und konnten nichts tun. Das war schlimm.“ Zum Glück sei dann ziemlich schnell ein Krankenwagen gekommen. Die Frau schwebte gestern weiterhin in Lebensgefahr, genauere Angaben zu ihrem Gesundheitszustand machten Polizei und Feuerwehr nicht.

Während sich Konstantin Eichler an die tragischen Szenen erinnert, beginnen Mitarbeiter der Stadt auf dem Parkplatz mit den Aufräumarbeiten. Stück für Stück zersägen sie den Baum und werfen die Holzstücke in einen Schredder. Einige Schaulustige verfolgen das Geschehen von der gegenüberliegenden Straßenseite. Es dauert rund eine Stunde, bis die Helfer die Autos vom Baumstamm befreit haben.

Was darunter zum Vorschein kommt, hat nur noch Schrottwert.

Alexandra Poljanovska beobachtet die Szene vom Fenster ihrer Wohnung aus. Ihr gehört eines der Fahrzeuge, die von dem Baum getroffen wurden. Auch das Auto ihrer Schwester wurde zerstört. Aber das ist für sie momentan nur Nebensache. Ihre Gedanken kreisen um ihre Nachbarin. „Das Auto kann ich neu kaufen, aber was ihr zugestoßen ist, das ist schlimm“, sagt die 39-Jährige, und fügt nach einer kurzen Pause mit leiser Stimme hinzu: „Das hätte auch mir passieren können.“

Ähnliche Gedanken beschäftigen auch Erna Eichler. „Ich bin seit dem Vorfall ganz unruhig“, sagt die 63-Jährige. „Ich habe schon mit meiner Mutter telefoniert und ihr geraten, erstmal nicht mehr nach draußen zu gehen.“ Auch ihr selbst sei mulmig zumute, wenn sie daran denke, dass sie später noch zur Arbeit aus der Wohnung muss.

Dabei hatten die städtischen Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt bereits die meisten Sturmschäden beseitigt. 178 Männer und Frauen aus den Fachbereichen Stadtgrün und Verkehr waren gestern von frühmorgens bis zur Dunkelheit im gesamten Stadtgebiet unterwegs, um die Straßen, öffentlichen Plätze und Parks von Zweigen, Ästen und umgestürzten Bäumen zu befreien. „Wir haben alle verfügbaren Leute rausgeschickt“, sagt Stadtsprecher Marc Langentepe. Auch im Stadtwald habe es einiges zu tun gegeben. „In Waldhusen und Falkenhusen sind mehrere Fichten und Kiefern umgefallen“, sagt Langentepe. „Darum haben sich die Forstbeamten gekümmert.“

Auch die Feuerwehr musste gestern noch mehrmals ausrücken, um Bäume von Straßen zu entfernen. Eine gefährliche Situation gab es im Marsweg (St. Jürgen). „Dort ist am Morgen ein Baum auf ein Haus gestürzt, direkt neben einem Spielplatz“, sagt Feuerwehr-Chef Oliver Bäth. „Es wurde aber niemand verletzt.“

Janina Dietrich

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