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Lokales Lübeck Lübeck hat eine neue DGB-Chefin
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20:20 09.12.2015
DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn beglückwünscht Juliane Hoffmann zu ihrer neuen Aufgabe als Chefin im DGB-Haus am Holstentorplatz. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Sie ist gerade einmal 34 Jahre jung und führt ab sofort die DGB-Region Schleswig-Holstein Südost mit knapp 100 000 Gewerkschaftern an. Juliane Hoffmann ist Nachfolgerin von Andreas Sankewitz, der zum 1. August nach Querelen mit Ver.di das Handtuch warf. Uwe Polkaehn, Chef des DGB Nord, hält große Stücke auf die neue Lübecker DGB-Chefin.

„Juliane Hoffmann hat betriebliche Erfahrungen, kennt den Laden DGB von der Pike auf und wird die Gewerkschaften in Lübeck wieder zusammenführen.“

In Sachsen geboren, in Baden-Württemberg aufgewachsen, in den Norden verliebt: Juliane Hoffmann hat die DDR als Kind erlebt, zog mit der Familie dann in den Schwarzwald. In Rottweil wurde sie zur Gewerkschafterin, leitete eine Jugendausbildungsvertretung und sorgte für die Wiederbelebung des dortigen DGB-Kreisverbandes. Bei der Telekom verdiente sie ihre Brötchen als Kauffrau für Bürokommunikation. Neben der Arbeit absolvierte sie ein BWL-Abendstudium. 2010 schlug sie dann die hauptamtliche Gewerkschaftskarriere ein. Erst arbeitete Hoffmann als Regionssekretärin beim DGB Tuttlingen, dann bewarb sie sich Anfang dieses Jahres um die gleiche Stelle in Lübeck. „Am 4. Mai habe ich hier angefangen“, erinnert sich die Frau mit der modischen Kurzhaarfrisur und dem gewinnenden Lächeln.

Gerade wenige Wochen im neuen Amt, erlebte Hoffmann die Zerwürfnisse des lübschen Gewerkschaftsbundes mit. Vor allem die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zerstritt sich mit Andreas Sankewitz, warf dem damaligen Regionsgeschäftsführer gewerkschaftsschädigendes Verhalten vor. Weil alle an dem Konflikt Beteiligten schwiegen, sind die wahren Gründe von Sankewitz‘ Abgang bis heute nicht bekannt.

DGB-Nord-Chef Polkaehn musste als Feuerwehr von Hamburg an die Trave eilen und suchte zunächst nach einer vorübergehenden Lösung. Er fragte auch die Regionssekretärin Hoffmann. Die sagte nach kurzem Nachdenken zu. Am 1. August stieg sie von der Regionssekretärin zur Regionsgeschäftsführerin auf. „Mich hat die Geschichte um meinen Vorgänger nicht abgeschreckt“, erklärt die 34-Jährige. Am 1.

Januar 2016 übernimmt sie das neue Amt offiziell. Es gab nur eine Mitbewerberin aus Hamburg. Der Bezirksvorstand, der aus zwölf Personen besteht, hob einstimmig die Hand für Hoffmann. „Das ist eine breit getragene Personalentscheidung“, freut sich der Nord-Chef Polkaehn, „das sind gute Startbedingungen.“

Die Neue hält Hartz IV für grundfalsch, fordert die Arbeitgeber auf, Mini-Jobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze umzuwandeln und hat erhebliche Zweifel an der Arbeitsmarktpolitik vieler Jobcenter. Hoffmann: „Die Erfolgsquoten sind zu gering — gemessen an den Summen, die in solche Maßnahmen gesteckt werden.“ Mit den ehrenamtlichen Kreis- und Stadtverbänden will sie sich mehr in die Kommunalpolitik einmischen. Von der Lübecker Politik habe sie aber noch nicht allzu viel Ahnung, räumt die DGB-Chefin ein.

Nicht die erste Frau
Der Lübecker Gewerkschaftsbund und später die Region Südholstein Ost hatten bereits Frauen an der Spitze. Von 1973 bis 1985 saß Ingeborg Sommer auf dem Gewerkschafts-Chefsessel.
Melanie Meyer wurde 2010 an die Spitze der Region gewählt, machte den Job aber nur eineinhalb Jahre. Auf Meyer folgte der inzwischen zurückgetretene Andreas Sankewitz.



Sechs Kreisverbände umfasst die Region mit 100000 Gewerkschaftern. Juliane Hoffmann arbeitet mit acht Einzelgewerkschaften zusammen. Die 34-Jährige ist verheiratet, lebt in Hamburg und wird in die DGB-Büros in Lübeck und Elmshorn pendeln. Die neue Regionsgeschäftsführerin ist Mitglied bei Ver.di, gehört keiner Partei an.

Kai Dordowsky

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