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Lokales Lübeck Lübeck ist Hochburg der Wohnungslosen
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23:28 21.03.2016
In Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster nahmen 2015 mehr als 4.850 Menschen die diakonischen Beratungsstellen und Notunterkünfte in Anspruch.  Quelle: Dirk Silz
Lübeck

Fast 6500 Menschen waren im vergangenen Jahr obdachlos oder standen kurz vor dem Verlust ihrer Wohnung. „Das sind über 1000 mehr als 2014“, warnt Heiko Naß, Landespastor des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein. Als besorgniserregend bezeichnet er die starke Zunahme bei den 18- bis 25-Jährigen. Auch die Zahl der wohnungslosen Frauen wächst kräftig.

Zahl der Betroffenen steigt landesweit. Diakonie steuert dagegen. Suche nach neuem Heim kommt nicht voran.

Lübeck ist landesweit die Hochburg der Wohnungslosen. „Die Lage ist beunruhigend“, sagt Heike Raddatz-Kossak, Bereichsleiterin Soziale Hilfen der Vorwerker Diakonie. „Die Notunterkünfte sind voll — im Sommer wie im Winter.“

Als wesentliche Ursache benennen die Diakonie-Vertreter den Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Immer mehr Sozialwohnungen fallen aus der Mietpreisbindung, zugleich wächst die Konkurrenz unter den Bedürftigen. Studenten, Flüchtlinge und Hartz-IV- Empfänger suchen ebenso billige Wohnungen wie Wohnungslose. Letztere haben die schlechtesten Aussichten, weiß Raddatz-Kossak: „Wer überschuldet ist, einen Schufa-Eintrag hat oder unter psychischen Problemen leidet, der hat kaum eine Chance.“ Die Ankündigung des Landes, den sozialen Wohnungsbau anzukurbeln und 4000 neue Wohnungen zu schaffen, wird von der Diakonie begrüßt. Landespastor Naß aber fordert vom Land ein festes Kontingent, das Wohnungslosen oder von Räumungsklagen Bedrohten zur Verfügung gestellt wird. Naß will fünf Prozent: „Das sind 200 von 4000 Sozialwohnungen.“

Das akute Problem werde durch die Ankurbelung des Sozialwohnungsbaus nicht gelöst, sagt Raddatz-Kossak. Die Vorwerker Diakonie hat deshalb zum Jahresanfang ein neues Projekt gestartet. 50 Wohnungen will das gemeinnützige Unternehmen in diesem Jahr mieten, um dort Wohnungslose unterzubringen. Zehn Wohnungen wurden bereits vermittelt. Im Einverständnis mit den jeweiligen Vermietern zieht ein Wohnungsloser in die Bleibe und wird intensiv von der Vorwerker Diakonie betreut. „Klappt das, wird der Mietvertrag nach einem Jahr überschrieben“, erklärt Raddatz-Kossak, „klappt es nicht, kehrt der Betroffene in die Notunterkunft zurück.“ Dem Vermieter würden alle Risiken abgenommen. Die Vorwerker Diakonie sucht jetzt weitere Eigentümer, die sich auf das Modell einlassen.

Einen ähnlichen Weg geht die Hempels-Stiftung in Kiel, die das gleichnamige Straßenmagazin herausgibt. Für einen sechsstelligen Betrag kauft die Stiftung in Kiel zwei Wohnungen und zwei Mobilheime, die beispielsweise auf den Grundstücken von Kirchengemeinden Platz finden. Diese Einheiten werden an Wohnungslose vermittelt. „Angesichts der großen Zahl können diese Projekte das Problem nicht lösen“, sagen die Diakonie-Vertreter, „aber wir setzen damit ein Zeichen.“

In der Hansestadt waren die Wohnungslosen-Unterkünfte im Bodelschwinghhaus und im Männerwohnheim der Heilsarmee in den strengen Frosttagen Anfang Januar ausgebucht und zum Teil überbelegt.

Stadtverwaltung und Vorwerker Diakonie sind in Gesprächen über eine leerstehende, städtische Immobilie, in der vorrangig wohnungslose Frauen und junge Menschen untergebracht werden sollen. „Gerade die jungen Wohnungslosen sind derzeit grottenschlecht untergebracht“, sagt Raddatz-Kossak, „sie brauchen pädagogische Unterstützung.“ Doch die Gespräche kommen nicht voran.
ohne Wohnung oder mit einer Räumungsklage im Nacken haben sich 2015 in den 34 Anlaufstellen der Diakonie gemeldet — 1000 mehr als 2014. Weitere 741 Menschen in Wohnungsnot meldeten sich bei den Ordnungsämtern. Stark steigt die Zahl der betroffenen Frauen — von 920 (2014) auf 1263 (2015). Die Zahl der 18- bis 25-Jährigen stieg um 200 auf 1090.

Von Kai Dordowsky

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