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Lokales Lübeck Lübeck macht Demenz zum öffentlichen Thema
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14:42 25.07.2016

„Ich habe meinem Papa gesagt, es gibt jetzt demenz-freundliche Kommunen“, erzählte Swen Staack, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Demenz Schleswig-Holstein. „Und er hat geantwortet, dann pass mal auf, dass ich da nicht hinkomme.“ Eine kleine Anekdote, die viel verrät über die Krankheit und den gesellschaftlichen Umgang damit. Demenz, die Diagnose, die einsam macht. Lübeck will das ändern. Die vom Runden Tisch Demenz organisierte Infoveranstaltung am Donnerstagabend im Rathaus war der Startschuss. Sozialsenator Sven Schindler (SPD): „Das Thema muss enttabuisiert werden.“

Maria Brinkmann.

„Es gibt immer noch Menschen, die denken, Demenz ist ansteckend“, beleuchtete Swen Staack den Wissensstand zum krankhaften Gedächtnisschwund. 53000 Demenzkranke gibt es in Schleswig-Holstein, zwischen 4500 und 5000 in Lübeck. Die Experten rechnen damit, dass sich die Zahl stark erhöhen wird. Denn das Risiko einer Demenz steigt mit hohem Alter dramatisch an – und die Menschen auch in Lübeck werden immer älter. „Derzeit haben wir eine demenz-unfreundliche Gesellschaft“, sagte Staack. Betroffene ziehen sich zurück, Angehörige pflegen bis zur Überlastung. „Bäcker, Polizisten oder Sprechstundenhilfen kommen zunehmend mit Demenzkranken in Kontakt, aber die wenigsten kommen damit zurecht“, berichtete der Leiter des Kompetenzzentrums.

Das ist auch schwierig. „Eine demenzkranke Frau rief die Polizei, weil sie ihren Ehemann, mit dem sie seit 60 Jahren verheiratet war, für einen Einbrecher hielt“, schilderte Arno Range, Oberarzt am Ameos Klinikum, Erlebnisse aus seiner täglichen Praxis. „Auch Putzfrauen und Pflegedienste werden oft verdächtigt, weil persönliche Dinge verschwunden sind, die die Kranken tatsächlich aber verlegt haben.“ Matthias Wulf, stellvertretender Leiter des Bereichs Soziale Sicherung der Stadt, erzählte von einem älteren Ehepaar, das nur noch in der Dunkelheit spazieren ging, weil es sich vor den Nachbarn wegen der Erkrankung schämte.

Ein Riesenproblem sei die rechtliche Seite, erklärte Christine Teiting vom Verein für Betreuung und Selbstbestimmung: „Verheiratet zu sein, reicht nicht, um für den Kranken entscheiden zu können.“

Viele würden sich zu spät an Beratungsstellen wenden, sagte Heidi Juhl-Damberg von der Alzheimer-Gesellschaft. Maria Brinkmann vom Pflegestützpunkt forderte eine flexiblere Betreuung, die für die Angehörigen auch finanzierbar ist. Einig waren sich alle Experten: Über die Krankheit muss öffentlich viel mehr informiert werden.

dor

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