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Lokales Lübeck Lübeck muss für Millionen die Grundschulen ausbauen
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20:14 22.09.2017
Eine Aktion der Stadtschule Travemünde stellte es 2013 treffend dar: Grundschulen werden zu Baustellen. An über 20 Standorten muss die Hansestadt in den nächsten Jahren Räume anbauen. Quelle: Foto: Malzahn*

Stark wachsende Schülerzahlen, die voraussichtliche Rückkehr der Lübecker Gymnasien zu G 9, der dringend notwendige Ausbau der Ganztagsbetreuung, die Ausweisung neuer Baugebiete und die an vielen Schulen bereits ausgeschöpften Raumkapazitäten zwingen die Hansestadt in den nächsten Jahren zu Millioneninvestitionen. „Lübeck ist demografisch fantastisch aufgestellt“, schwärmt Krämer- Mandeau und fühlt sich an die „Baby-Boomer-Jahre der 1960er Jahre“ erinnert. Zugleich plane die Stadt mehrere Tausend neuer Wohnungen. Der Bonner Bildungsgutachter geht von „massiv steigenden Schülerzahlen“ aus. Das bestätigt Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule und Sport: „Auf uns kommt ein riesen Schülerberg zu.“

7 Regionalkonferenzen hat die Hansestadt in den vergangenen Monaten veranstaltet, um mit Schulleitern, Lehrern, Schülern und Elternvertretern die Schulentwicklung zu diskutieren.

Riesen-Summen

135 Millionen Euro haben Stadt, Land, Bund und Stiftungen seit 2005 in Lübecks Schulen investiert. Weitere rund 60 Millionen Euro steckte die Stadt in den vergangenen Jahren in ihre Berufsschulen.

Die Verwaltung von Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) hat eine Schulentwicklungsplanung vorgelegt. Danach müssen beispielsweise in der Kaland-Schule das Dachgeschoss ausgebaut (1,7 Millionen Euro), in der Grundschule Koggenweg acht Klassen- und Ganztagsräume angebaut (1,35 Millionen) oder an der Paul-Gerhardt-Schule Klassen- und Ganztagsräume errichtet werden (eine Million). In Travemünde, wo Krämer-Mandeau 100 Schüler pro Jahr mehr erwartet, sollte der Abzug von Kurverwaltung und Ordnungsdienst aus der Stadtschule Travemünde überlegt werden, um Räume frei zu machen. Allein der Neubau einer Grundschule am Geniner Ufer, wo 850 Wohnungen entstehen sollen, kostet mindestens sechs Millionen Euro. Baut die Stadt dort sogar eine Grund- und Gemeinschaftsschule mit Sporthalle neu, ist sie mit fast 22 Millionen Euro dabei.

Die Zahl der Viertklässler wächst laut Prognose von derzeit 1800 auf 2100. Die Hälfte werde auf die Gymnasien streben, die sechs neue Parallelklassen aufmachen müssten. Dafür würden schon jetzt die Kapazitäten fehlen, sagt Krämer-Mandeau. Die Anmeldungen zu den Gymnasien würden von 780 auf über 900 pro Jahr steigen. Die Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe sind keine Hilfe, weil sie jedes Jahr sofort ausgebucht sind und in diesem Jahr 129 Kinder gar nicht aufnehmen konnten. Lübeck brauche dringend eine weitere gymnasiale Oberstufe. Nach Angaben von Bildungssenatorin Weiher haben sich die Schulleiter der sieben Gymnasien und der Gemeinschaftsschulen ebenfalls dafür ausgesprochen.

Als Standort für eine solche Oberstufe schlägt der Gutachter die Gotthard-Kühl- und die Julius-Leber-Schule vor, die zuvor zu einer Grund- und Gemeinschaftsschule fusionieren müssten. Diese Fusion stößt aber bei den Schulräten und den Politikern auf erhebliche Skepsis. Erstens weil die Schulen weit auseinander liegen. Zweitens, weil die Julius-Leber-Schule am Marquardplatz zum Sanierungsfall geworden ist (LN berichteten).

„Die Fusion sollten wir aus dem Konzept herausnehmen“, empfiehlt CDU-Schulpolitiker Oliver Prieur. Die SPD hat erhebliche Probleme mit der ganzen Schulentwicklungsplanung. Die Daten und Vorschläge seien zu schwammig, es würden die Positionen der Schulen fehlen, neue Baugebiete wie am Rehsprung in Kücknitz seien nicht eingearbeitet. Der SPD-Schulpolitiker Jörn Puhle schlägt vor, Weihers Konzept als Zwischenbericht zu behandeln. Davor aber warnt die Senatorin. Sie brauche klare Aufträge von der Politik, weil der städtische Kämmerer munter alle Maßnahmen aus dem Investitionshaushalt herausstreiche, für die es keine Beschlüsse gebe. Der Schulausschuss gab mit knapper Mehrheit grünes Licht für Weihers Plan.

Kai Dordowsky

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