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Lokales Lübeck Lübeck oder Stralsund: Wer hat künftig das Sagen auf der Ostsee?
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23:20 01.09.2014
Die Verkehrszentrale des Lübecker Wasser- und Schifffahrtsamts in Travemünde. Quelle: Neelsen
Lübeck

Eine gute Nachricht für Lübeck — und eine schlechte. Positiv: Das geplante Aus des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lübeck (WSA ) 2020 ist endgültig vom Tisch. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will alle 39 Ämter in Deutschland erhalten. Negativ: Jetzt kämpfen Lübeck und Stralsund um die Vorherrschaft auf der Ostsee.

Weiterlesen: Auch die Schiffahrtsbehörde in Lauenburg bleibt bestehen

Denn nur eines der beiden Ämter soll die Oberaufsicht über das Meer erhalten — und ein Revieramt werden. Dabei geht es auch um Finanzen, Personalhoheit und Verwaltung der Behörde. Bislang teilen sich Lübeck und Stralsund die Ostsee — die Trennlinie verläuft bei Kühlungsborn. Doch in der Revier-Frage hat Lübeck offenbar keine Lobby in Berlin — im Gegensatz zu Stralsund. Denn diese Stadt gehört zum Wahlkreis 15, dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

„Das ist absoluter Wahnsinn“, sagt Personalratsvorsitzender Torsten Püschl, der die insgesamt 300 Mitarbeiter des WSA Lübeck vertritt. Hinter den Kulissen tendiere man zu Stralsund (200 Mitarbeiter).

„Das lässt man so durchblicken“, sagt Püschl. Er fordert: „Es soll gefälligst nach Fakten entschieden werden — und nicht nach politischer Landkarte.“ Aus seiner Sicht sei es nur logisch, dass Lübeck die Oberaufsicht über das Revier der deutschen Ostsee erhält. Denn: „Lübeck liegt in der Mitte, Lübeck hat jetzt die wichtigsten Wasserstraßen im Blick — inklusive der Fehmarnbeltquerung.“ Außerdem sei in Travemünde die modernste Verkehrszentrale beheimatet.

Sie wurde erst für 4,3 Millionen Euro neu gebaut und vor anderthalb Jahren eröffnet. Dort haben die Nautiker 690 Kilometer Küstenlänge im Visier — von Flensburg bis Kühlungsborn. Wird Lübeck Revieramt, geht es um 1600 Kilometer Küste und 170 Kilometer Binnenwasserstraßen. Dieser Bereich ist etwa so groß wie die Deutsche Bucht der Nordsee. Dort werden aber drei Revierämter mit der Aufsicht betraut.

Unterstützung für Lübeck kommt von der hiesigen Bundestagsabgeordneten Gabriele Hiller- Ohm (SPD). „Lübeck muss die Oberaufsicht über die Ostsee erhalten!“, sagt sie kämpferisch. Denn: „Alle Fakten im Vergleich zum Amt in Stralsund sprechen für unsere Hansestadt.“ Lübeck sei größter deutscher Ostseehafen, die Trave eine der wichtigsten Bundeswasserstraßen. Außerdem liege Lübeck im Vergleich zu Stralsund zentral. „Das ist ein entscheidender Vorteil hinsichtlich Effektivität und Effizienz“, sagt Hiller-Ohm.

Auch Lübecks Hafenwirtschaft setzt sich für die Behörde ein. „Es wäre umso besser, wenn das Revieramt in Lübeck ist“, sagt Dierk Faust, Geschäftsführer des Hafenbetreibers Lehmann. Für ihn ist aber vor allem wichtig, dass der „Standort in Lübeck mit seiner lokalen Kompetenz erhalten bleibt“. Dafür hatte sich die Hafenwirtschaft stark gemacht. „Der Erfolg freut uns natürlich“, sagt Faust.

Rüdiger Schacht, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, stimmt zu: „Das ist eine gute Nachricht.“ Denn „im Interesse der Sicherheit und eines reibungslosen Ablaufs des Verkehrs müssen Entscheidungen schnell vor Ort gefällt werden“. Auch Henning Dierken, Chef des Lübecker WSA, freut sich: „Dass der Standort Lübeck erhalten bleibt, ist ein sehr großer Schritt.“ Jetzt komme es darauf an, welche Stadt nun das zuständige Revieramt für die Ostsee werde. Wann diese Entscheidung fällt, sei aber noch unklar.

Josephine von Zastrow

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