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Lokales Lübeck Lübeck profitiert von Kreuzfahrt-Ausflüglern
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21:14 07.12.2017
Die 315 Meter lange „MSC Meraviglia“ ist zurzeit das größte Kreuzfahrtschiffs Europas. Quelle: Foto: Franck Dubray/dpa

Die Werbung für Kiel, Ausgangspunkt fast aller Kreuzfahrten der Reederei MSC, liest sich auf der Website des Anbieters eher zurückhaltend: „Kiel ist ein ruhiger und schlichter Ort, sogar während der internationalen Regatta, der Kieler Woche (...)“, heißt es dort. „Die wenigen Stadtmuseen können an einem Vormittag besichtigt werden.“ Aber wer in Kiel ankommt, muss ja nicht in Kiel bleiben: „Während eines Urlaubs in Kiel mit Ihrer MSC-Kreuzfahrt wird Sie ein Ausflug nach Lübeck mitnehmen, einer der wenigen Städte der Nordküste Europas, die ihren mittelalterlichen Glanz beibehalten hat.“

In Bus-Konvois kommen sie nach Lübeck: Touristen aus aller Welt, die mit Kreuzfahrtschiffen in Hamburg, Warnemünde oder Kiel festmachen und den Landgang für einen Ausflug nutzen. Lohnt es sich überhaupt, Lübeck zum Kreuzfahrerhafen zu machen?

Immer mehr Kreuzfahrer machen von diesem und ähnlichen Angeboten Gebrauch – nicht nur von Kiel aus, sondern auch von Hamburg und Warnemünde. Genaue Zahlen gibt es dazu nicht, aber viele Hinweise:

„Wir merken das seit diesem Jahr verstärkt“, sagt Frank Höhne, Pächter des Restaurants der Schiffergesellschaft in Lübeck. „Wir haben sogar schon Voranmeldungen für nächstes Jahr.“ Bei einem typischen Kreuzfahrt-Ausflug kämen etwa 100 bis 120 Gäste in sein Restaurant. Auch Anna Carlzon Behncke, Chefin der Stadtführer-Agentur Gästeservice Lübeck, berichtet von wachsenden Zahlen von Kreuzfahrt-Ausflüglern aus Lübecks Nachbarhäfen: „Bei großen Schiffen sind es oft fünf oder sechs volle Busse.“ Für ihre Agentur sei das „ein sehr spannendes Geschäft“. Die Kreuzfahrer, die sich für Lübeck statt Berlin entschieden hätten, seien „immer begeistert“.

Lübeck selbst hat wegen der schwierigen Einfahrt in die Trave und der fehlenden Infrastruktur im Hafen und an Land nur wenige Anläufe von Kreuzfahrtschiffen. Da ist es schon fast eine Sensation, wenn die „Queen Elizabeth“ der Reederei Cunard am 7. August 2018 zum zweiten Mal seit 2011 kommt.

Wenn die Menschen ohnehin nach Lübeck kommen – würden sich dann die großen Investitionen überhaupt lohnen, die nötig wären, um mehr Kreuzfahrer in den Lübecker Hafen zu locken? „Wir werden nie den Status erreichen, den Kiel hat“, gibt Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Managements, zu bedenken. Skeptisch sind vor allem viele Akteure in der Hafenwirtschaft, denn eine Erweiterung der Kapazitäten könnte zu Lasten der Flächen für den Güterumschlag gehen. Die Vereinigung Lübecker Schiffsmakler und Schiffsagenten bezieht deshalb zu der Frage keine Stellung.

Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafengesellschaft (LHG), bricht in einem schriftlichen Statement eine Lanze für Kreuzfahrten nach Lübeck: „Sowohl für Besucher als auch für Einheimische ist es attraktiv, Kreuzfahrer vor Ort zu sehen. Deshalb ist es nach wie vor sinnvoll, Ideen zu diskutieren, die das Kreuzfahrtgeschäft über Lübeck beleben.“ Auch Christian Martin Lukas, Chef der Stadtmarketing-Gesellschaft LTM, will sich mit den Ausflugstouristen aus den Nachbarhäfen nicht zufrieden geben. „Aus touristischer Sicht wären weitere Anläufe von Kreuzfahrern in Lübeck-Travemünde wünschenswert“, schreibt er auf Anfrage in einem Statement.

„Insbesondere die mit Passagierwechsel, da so auch durch Übernachtungen vor Antritt der Kreuzfahrt ein weiterer Mehrwert für die örtlichen Tourismuspartner geschaffen wird.“

Von Hanno Kabel

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