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Lokales Lübeck Lübeck schafft mehr Raum für Flüchtlinge und Obdachlose
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20:14 04.01.2018
Elektriker Sven Otto von der Firma Bodo Wascher saniert das Gebäude, in dem 38 Plätze für Obdachlose entstehen. Quelle: Fotos: Neelsen, Maxwitat

Die Bürgerschaft hat mit knapper Mehrheit beschlossen, das zu ändern. SPD, Grüne und GAL wollen Geflüchteten, Obdachlosen und schutzsuchenden Frauen helfen. „Die Unterbringung auf den Fluren der Einrichtungen ist schnellstmöglich zu beenden“, heißt es mit Blick auf das überfüllte Bodelschwinghheim der Vorwerker Diakonie im Meesenring. „Das Abweisen schutzsuchender Frauen an Lübecker Frauenhäusern ist nicht mehr hinzunehmen.“ Der Rundumschlag für Menschen, denen es nicht gut geht, hat einen einfachen Grund: Die SPD wollte nicht nur die Lage von Flüchtlingen verbessern.

„Im Moment geht es nur mit Matratzen auf dem Flur.“Heike Raddatz-Kossak, Bereichsleiterin

39

Heime

für 1726 Geflüchtete

betreibt die Stadt.

SPD-Sozialpolitiker Ingo Schaffenberg: „Wir wollen für alle sozial Benachteiligten etwas machen.“

Konkret soll die Zahl der Frauenhausplätze von derzeit 55 um ein Viertel erhöht werden. Dazu muss die Verwaltung an das Land herantreten, das die Plätze finanziert. Kurzfristig soll die Verwaltung Räume anmieten, um die aktuelle Notlage zu mindern. Schließlich soll Lübeck auf die Kreise Ostholstein, Stormarn und Herzogtum Lauenburg zugehen, um eine Kostenbeteiligung auszuhandeln. „Es ist unstrittig, dass Schutzsuchende aus diesen Kreisen in Lübeck Zuflucht suchen und finden“, schreiben die drei Fraktionen. „Der Antrag ehrt die Stadt“, sagt Anke Kock vom Autonomen Frauenhaus, das überfüllt ist. Doch die Skepsis bleibt, denn auch das Land hat gerade viel Geld für Frauenhäuser angekündigt. Kock: „Wir müssen sehen, welchen Gehalt die Ankündigungen haben.“

Keine Matratzen mehr auf den Fluren des Bodelschwinghheimes für obdachlose Männer – das wird erst einmal ein Wunschtraum bleiben. „Im Moment kommen wir ohne Flurbelegung nicht zurecht“, sagt Heike Raddatz-Kossak, Bereichsleiterin Soziale Hilfen der Vorwerker Diakonie. 65 Männer sind derzeit in dem Haus im Meesenring – bei 49 Plätzen. Die Vorwerker Diakonie hat in der Hundestraße Notwohnungen gemietet. Außerdem wurde am 1. Mai 2017 in der Friedenstraße eine vorübergehende Notunterkunft für wohnsitzlose Frauen mit 15 Plätzen eingerichtet. „Die war vom ersten Tag an überbelegt“, sagt Raddatz-Kossak. In der Dr.-Julius-Leber-Straße baut die Vorwerker Diakonie ein ehemaliges Flüchtlingsheim mit 38 Plätzen für Wohnungslose bis 25 Jahre und Frauen um. Im März oder April sollen die Menschen dort einziehen können. Schließlich setzt die Vorwerker Diakonie auf das Projekt Wohnraumhilfe. Die Diakonie mietet Wohnungen und stellt sie den Wohnsitzlosen zur Verfügung. Wenn alles gut läuft, übernehmen die Betroffenen später die Mietverträge. Raddatz-Kossak: „Aktuell haben wir 50 Menschen in solchen Wohnungen.“

Für Flüchtlinge soll es ebenfalls mehr Platz geben. In neun größeren Unterkünften sollen maximal zwei Alleinreisende in einem Zimmer, Container oder Neustädter Häuschen untergebracht werden. Paare ohne Kinder erhalten Einzelzimmer, ohne dass noch jemand mit in dem Zimmer wohnt, Familien erhalten mindestens zwei Zimmer. Weiterhin müssen die Unterkünfte Lern- und Spielzimmer sowie Gemeinschaftsräume vorweisen. „Das ist eine große Entzerrung“, sagt Claudia Schwartz, Bereichsleiterin Soziale Sicherung der Stadt, „dieser Beschluss ist nicht von heute auf morgen umsetzbar.“ Unklar sind die Kosten. Die CDU hat in der Bürgerschaft auf eine Aussage des Sozialsenators gedrängt, doch Sven Schindler (SPD) konnte das nicht beantworten. Michelle Akyurt (Grüne) geht von einer Million Euro aus.

Kai Dordowsky

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