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Lokales Lübeck Lübeck schickt Schätze aus Gründungsviertel nach Berlin
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12:54 13.03.2018
Modebewusst: Doris Mührenberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Lübecker Archäologie und Denkmalpflege, präsentiert ein Täschchen aus Seidendamast, das die Kaufmänner des ausgehenden 15. Jahrhunderts trugen. Quelle: Fotos: Lutz Roessler, Dpa
St. Gertrud

Angefangen mit Knochenkämmen, Vogelkäfigen, Wetzsteinen und Münzen gehört zu den Ausstellungsstücken ein Holzkeller aus dem 12. Jahrhundert. Anhand der vier Themen Mobilität, Konflikt, Austausch und Innovation werden die spektakulären Funde in der Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“, ab dem 21. September im Gropius-Bau in Berlin gezeigt. Mit über 1000 Exponaten thematisiert die Ausstellung die Folgen überregionaler Interaktion auf persönlicher, wirtschaftlicher und kultureller Ebene. Die Lübecker Funde repräsentieren in der Ausstellung den mittelalterlichen Handel.

Lübeck beteiligt sich mit rund 200 Exponaten an einer zentralen Ausstellung der deutschen Archäologie in Berlin. Die Hansestadt vertritt in der Ausstellung den Teil „Handel und Austausch“ mit zahlreichen Fundstücken aus dem Lübecker Gründungsviertel.

Lübeck hat wie kaum ein anderer Ort die deutsche Archäologie so sehr geprägt.“

Matthias Wemhoff, Museumsdirektor

„Dazu werden Waren wie Keramik, Schmuck sowie Gegenstände des täglichen Lebens ausgestellt. Aber auch bis zu drei Meter hohe Fässer, die Container des Mittelalters, werden zu sehen sein“, sagte Lübecks Chefarchäologe Manfred Schneider.

Lübeck werde das große Kapitel zum Austausch von Waren einleiten, „denn die Stadt hat wie kaum ein anderer Ort die deutsche Archäologie geprägt“, sagte Matthias Wemhoff, Direktor des staatlichen Museums für Vor- und Frühgeschichte und Landesarchäologe in Berlin. Gemeinsam mit Manfred Schneider vom Bereich Archäologie und Denkmalpflege informierte er gestern über das Projekt und die Darstellung Lübecks in der Berliner Ausstellung. Wegen ihrer vielen gut erhaltenen Funde aus dem Mittelalter sei die Hansestadt unter Fachleuten eines der bedeutenden Zentren der Mittelalter- und Stadtarchäologie, so Wemhoff.

Besonderes Highlight ist der bei einer Großgrabung 2009 entdeckte Holzkeller aus normierten Holzteilen. „Diese fast industrielle Bauweise ermöglichte ein rasches Wachstum der Stadt, die ja von Anfang an als Handelsstadt konzipiert wurde“, sagte Wemhoff.

In der Berliner Ausstellung wird der Hansestadt ein eigener Raum gewidmet, in dem zwei Seiten eines Kellers mit Originalbauteilen nachgestellt werden. „Der Besucher soll die Möglichkeit haben, die dynamische Bauweise zu erleben“, erklärte Schneider.

Der Holzkeller wird mit den Maßen von viereinhalb mal sechs Metern originalgetreu aus lübschen Eichen nachgebaut. Mitglieder der Lübecker Jugendbauhütte werden während der drei Monate dauernden Ausstellung die letzten Arbeitsschritte am Holzkeller vor den Augen der Besucher bewerkstelligen. Die Jugendbauhütte ist ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, in dem Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Denkmalpflege absolvieren. „Wir möchten ungelernte Bauhüttler, die in der Regel direkt von der Schule kommen, vor Ort anlernen, damit sie die Arbeiten dort durchführen“, sagte Ivalu Vesely, Leiterin der Jugendbauhütte Lübeck. Seit Anfang Januar bereiten die Mitglieder den Keller auf der Nördlichen Wallhalbinsel vor, damit ab Ende August die archäologischen Schätze auf die Reise nach Berlin gehen können.

Die Sonderausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte wird in Kooperation mit dem Verband der Landesarchäologen anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 initiiert. 70 Leihgeber aus ganz Deutschland unterstützen die Ausstellung in der Hauptstadt. Sie soll am 21. September 2018 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet werden und dauert bis zum 6. Januar 2019.

 Fabian Boerger

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