Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Lübeck soll Mittelmeerflüchtlinge aufnehmen
Lokales Lübeck Lübeck soll Mittelmeerflüchtlinge aufnehmen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:01 29.08.2018
Skrollan Beese (v.l.), Pietje-Helene Gottwald und Reza Mirdadi verteilen Flugblätter in der Innenstadt. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Mit symbolischen Seebestattungen, Flashmobs in der Innenstadt, Kundgebungen und Demonstrationen versucht die „Aktion Seebrücke“, eine noch junge, europaweite Bewegung, Bürger aufzurütteln, damit sie gegen das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer auf die Straße gehen. „Wir können nicht länger warten, dass die Regierungen ihre Politik ändern“, sagt Pietje-Helene Gottwald, Sprecherin der Gruppe in Lübeck.

In der Innenstadt hat die Lübecker Gruppe heute Passanten informiert und auf die Demonstration am Freitag, 18 Uhr, Konrad-Adenauer-Straße aufmerksam gemacht. 350 Teilnehmer sind angemeldet. „Wir müssten jeden Tag auf die Straße gehen“, erklärt die 21-jährige Pietje-Helene Gottwald den schnellen Rhythmus der Aktionen. In Lübeck startete die Gruppe mit einer überschaubaren Kundgebung, dann folgte eine spektakuläre Seebestattung auf der Obertrave, dann ein Flashmob mit 60 Leuten in der Breiten Straße, und nun steht eine Demonstration auf dem Plan.

60 Aktivisten symbolisierten am 22. August mit einem Flashmob in der Breiten Straße das Sterben im Mittelmeer. Quelle: Aktion Seebrücke

Die Aktivisten wollen nicht nur aufrütteln, sie haben auch eine konkrete Forderung an Politiker und Verwaltung in der Hansestadt. Lübeck soll sich offiziell zu einem sicheren Hafen erklären und Menschen, die über das Mittelmeer fliehen, aufnehmen. „In unserer Stadt ist genügend Platz“, heißt es im Aufruf. Gottwald räumt ein, dass der Aufruf zunächst Symbolcharakter hat, „weil Seehofer sich quer stellt, wenn Städte Geflüchtete aufnehmen wollen“.

Die zumeist jungen Aktivisten nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn sie die europäische Flüchtlingspolitik kritisieren. Gottwald: „Die Verantwortlichen machen sich der Beihilfe zum Mord schuldig.“ Skrollan Beese spricht von „verantwortungslosen Politikern, die die Flüchtlinge kriminalisieren“. Die 22-jährige Lübeckerin, die vor einem Monat zur Gruppe stieß: „Die europäische Politik lässt die Menschen im Mittelmeer bewusst sterben.“ Das mache sie wütend, sagt Skrollan Beese. „Man muss versuchen, irgendetwas dagegen zu tun.“ Die junge Aktivistin setzt vor allem auf Gespräche mit Passanten.

Reza Mirdadi kommt aus Afghanistan, arbeitet als freier Bildungstrainer und will demnächst ein Studium aufnehmen. Der 30-Jährige weiß, was Menschen auf dem Mittelmeer erleben. „Ich habe das 2010 auf der Flucht selbst erlebt und wäre fast im Mittelmeer gestorben.“ Mirdadi weiß, wie viel Hoffnung die Flüchtlinge in den Booten in die Menschen der europäischen Staaten setzen. Der Afghane: „Sie hoffen auf Solidarität und Menschlichkeit.“

Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In den Justizvollzugsanstalten fehlt Personal. Das 2016 modernisierte Vollzugsgesetz habe die Aufgaben für die Bediensteten noch mal ausgeweitet, sagt die FDP – und will das Gesetz jetzt zurückdrehen.

29.08.2018

Die Bürgerschaft tagt. Öffentlich wird über Touristen-Unterkünfte diskutiert. Hinter verschlossenen Türen geht es am Donnerstag um 15 Millionen Euro für die Possehlbrücke und eine Gesellschaft für Digitalisierung.

29.08.2018

Der Zebrastreifen über die Wesloer Straße in Lübeck-Schlutup ist Geschichte. Die Verwaltung hat die Markierung wie angekündigt entfernen lassen. 

29.08.2018