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Lokales Lübeck Lübeck sucht neue Behindertenbeauftragte
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09:52 17.12.2015
Erika Bade (76) muss ihren Posten als Behindertenbeauftragte der Stadt aufgeben. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Aus gesundheitlichen Gründen geben die Behindertenbeauftragte der Hansestadt und ihr Stellvertreter mitten in der Wahlperiode ihre Ämter auf.

Die Hansestadt sucht jetzt Nachfolger für Erika Bade und Wolfgang Halbedel, die im Januar 2013 gewählt wurden und im März des gleichen Jahres ihre Ämter antraten. „Ich konnte die Aufgabe nicht mehr richtig bewältigen“, sagt die 76-jährige Bade.

Viel Arbeit und eine bescheidene Aufwandsentschädigung — das prägt die Aufgabe. Bade und Halbedel haben regelmäßig Sprechstunden angeboten. Telefonisch und persönlich wurden 172 Vorgänge an sie herangetragen. Außerdem sitzen die Behindertenbeauftragte oder ihr Stellvertreter in den politischen Ausschüssen der Bürgerschaft, nehmen an Projektgruppen teil und sind die Interessenvertreter der Behinderten gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Dafür gibt es monatlich 108 Euro. Der Bereich Soziale Sicherung hat im Sozialausschuss Anfang November bereits darauf hingewiesen, dass es schwierig werde, Interessenten zu finden. Das hätten Ausschreibungen aus der Vergangenheit gezeigt.

„Ein barrierefreies Lübeck ist das übergeordnete Ziel“, erklärt Erika Bade den Job. Das zu erreichen, sei aus mehreren Gründen schwierig. Barrierefreiheit bedeute für einen Rollstuhlfahrer etwas anderes als für einen Blinden. „Man muss immer Kompromisse machen“, weiß die 76-Jährige aus 37 Jahren Behindertenarbeit. „Es hakt oft an Kleinigkeiten“, musste Bade lernen. Sie habe nicht gewusst, wie schwierig das politische Geschäft sei. Bade: „Es dauert alles sehr lange, und die Verantwortung wird immer hin- und hergeschoben.“ Ein großes, bislang ungelöstes Problem sei die Wohnungsnot.

Viele Menschen würden nach bezahlbarem barrierefreien Wohnraum schauen. Bade: „Wir hatten fast jeden Tag Anfragen von Betroffenen, konnten aber nur wenigen helfen. Die Wohnungsnot ist das Allerschlimmste.“

Aber es gibt auch Fortschritte. Die Investoren großer Bauvorhaben wie UKSH oder Hansemuseum schalten die Behindertenbeauftragten ein, um die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap zu berücksichtigen.

Der Bauausschuss der Bürgerschaft legt den Interessenvertretern der Behinderten alle Bauentwürfe vor. „Der Sozialsenator und der Bereich Soziale Sicherung haben uns immer fantastisch unterstützt“, erklärt die scheidende Beauftragte. Bade und ihre Mitstreiter haben die Bürgerschaft jahrelang bedrängt, endlich einen Teilhabeplan für Menschen mit und ohne Behinderung für Lübeck aufzustellen.

Daran wird jetzt gearbeitet.

2011 bestellte die Hansestadt mit Karl-Heinz Denker erstmals einen Behindertenbeauftragten. Damals hatten sich zehn Lübecker um das Amt beworben. Bade wurde 2011 zur Stellvertreterin gewählt und übernahm zwei Jahre später den Job an der Spitze. Jetzt sucht die Stadt Bewerber, die in der Hansestadt wohnen, selbst behindert sind oder langjährige Erfahrungen im Umgang mit Behinderten haben, nicht bei der Stadtverwaltung arbeiten und nicht Mitglied der politischen Selbstverwaltung sind. Schriftliche Bewerbungen nimmt die Verwaltung bis zum 31. Dezember 2015 entgegen.

dor

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