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19:45 20.02.2015
Lisa Dräger. Quelle: Maxwitat
Lübeck

Sie habe „aus der ihr geschenkten Zeit unglaublich viel gemacht und viel an andere verschenkt“, sagte Peter Sünnenwold im August 2010, als im Audienzsaal der 90. Geburtstag der Lübecker Mäzenin begangen wurde. In der Tat: Dass Lisa Dräger, die 1941 als technische Zeichnerin ins Drägerwerk kam und 1947 Firmenchef Dr. Heinrich Dräger heiratete, viel für die Hansestadt getan hat, ist unumstritten. Kindergärten, Wanderwege, Museen und nicht zuletzt der Bau des nach ihr benannten Hanseschiffs „Lisa von Lübeck“ – die Liste ließe sich beliebig verlängern. Und auch wenn es die letzten Jahre still geworden war um Lisa Dräger – ihre Stiftung, verwaltet von Tochter Marianne Dräger, war weiter segensreich tätig.

Dabei war die große Mäzenin sehr durchsetzungsfähig und brachte viel Energie in die Umsetzung ihrer Vorhaben ein. Einer ihrer Lieblingssprüche: „Sagt mir nicht immer, was nicht geht, ich will nur wissen, was geht!“ Ihr ganz persönliches Credo, so die ältere Tochter Johanna Ahlmann, habe gelautet: „Ich liebe diese Stadt mit ihrer unvergleichlichen Atmosphäre und mit ihren Menschen. Es macht mir Freude, an dem vielfältigen geistigen Leben und den Aktivitäten in unserer Stadt teilzuhaben, und ich bin glücklich, für Lübeck tätig sein zu dürfen.“ Lisa Dräger liebte ihre Stadt – und die Stadt liebte sie. „Sie hat sich in vielfältiger Weise um die Stadt verdient gemacht, hat sich um Soziales, die Jugend und die Kultur gekümmert“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe, der ihr im Jahr 2005 die höchste Auszeichnung der Hansestadt, die goldene Ehrengedenkmünze „Bene Merenti“, verliehen hatte. Saxe: „Wir werden ihr Andenken in Ehren halten.“

Die Dräger-Villa am Finkenberg, in die Lisa Dräger 1947 eingezogen war und in der ihre vier Kinder Hartwig, Johanna, Marianne und Matthias groß wurden, musste sie 2009 peu à peu verlassen. Der Umzug in die Hanse-Residenz sei ihr, sagt Marianne, nicht leicht gefallen, doch letztlich habe sich ihre Mutter hier wohl gefühlt. Bis 2012 feierte Lisa Dräger ihren Geburtstag im August noch stets mit einem kleinen Törn auf der Kraweel „Lisa von Lübeck“, sie hielt Kontakt zu alten Freunden und bekam in der Residenz viel Besuch – sowohl von der Familie des Bootsbaumeisters Heino Schmarje, als auch von einer lieben Freundin aus Bad Schwartau oder von Schauspieler Andreas von Steegen.

„Letztes Jahr ist meine Mutter noch einmal Oma geworden, weil mein Bruder Matthias sehr spät Vater geworden ist, und sie ist Uroma geworden, weil der Sohn meiner Schwester Johanna ebenfalls Vater geworden ist. Das hat sie sehr gefreut“, erzählt Marianne Dräger. Kindern war die große Lübecker Dame ohnehin sehr zugetan: Durch ihre Heirat mit Heinrich Dräger wurde sie als 26-Jährige Stiefmutter von sieben teils schon erwachsenen Kindern – darunter die späteren Firmenchefs Christian und Theo Dräger. Liebevoll habe sie diese bei den Besuchen am Finkenberg in ihre eigene Familie integriert.

„Unzählige Erinnerungen werden in mir wach, und immer ging es um ihre Initiative, ihre Ideen und ihre Energie in der Realisierung von Ideen. Und immer stand im Mittelpunkt das Wohl und Ansehen Lübecks oder das Wohl und Ansehen unserer Familie“, schrieb Stiefsohn Dr. Christian Dräger anlässlich des 90. Geburtstages im August 2010 über die große Mäzenin.
Am Mittwoch schlief sie im Kreise ihrer Familie friedlich ein. Krank, sagen Marianne Dräger und Johanna Ahlmann, sei ihre Mutter ihr Leben lang nie gewesen. Ein großes Herz, das anderen soviel gab, hörte auf zu schlagen. Die „Lisa von Lübeck“ wird stets an diese starke Frau erinnern.

Chronik eines bewegten Lebens

1920 wird Lisa Dräger in Rissen (Kreis Pinneberg) geboren.

 
1941 beginnt sie als technische Zeichnerin im Drägerwerk.

 
1947 heiratet sie den Firmenchef Dr. Heinrich Dräger, der bereits sieben Kinder hat.

 
1948 wird Sohn Hartwig, 1951 Tochter Johanna, 1954 Tochter Marianne und 1956 Sohn Matthias geboren.

 
1975 beginnt Lisa Dräger sich intensiv mit Thomas Mann und den Buddenbrooks zu beschäftigen; zum 100. Geburtstag Manns erstellt sie die Ausstellung „Visite bei Buddenbrooks“.

 
1981 wird sie für ihre Verdienste um das kulturelle und soziale Leben der Stadt sowie um die Medizinische Hochschule mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

 
1986 verstirbt Ehemann Dr. Heinrich Dräger. 

 
1999 stiftet sie eine Gastprofessur für die Fachhochschule. Im selben Jahr ist sie Initiatorin für den Baubeginn des Hanseschiff-Nachbaus. 

 
2005 unternimmt die „Lisa von Lübeck“ ihre Jungfernfahrt; anlässlich ihres 85. Geburtstages verleiht ihr Bürgermeister Bernd Saxe die Ehrengedenkmünze „Bene Merenti“ – die höchste Lübecker Auszeichnung. 

 
2006 stiftet Lisa Dräger den zweiten Badesteg in Travemünde sowie den nach ihr benannten Rad- und Wanderweg. 

 
2008 beantragt die FDP in der Bürgerschaft, Lisa Dräger zur Ehrenbürgerin zu ernennen. Unterstützt werden die Liberalen von der Linkspartei, während SPD, CDU und Grüne dies ablehnen. Um das Parteiengezänk zu beenden, erklärt die Mäzenin ihren Verzicht auf die Ehrenbürgerschaft. Im selben Jahr gibt sie ein Buch über die Aufbaujahre des Drägerwerkes heraus. 

 
2009 errichtet sie die offene Lisa-Dräger-Stiftung, mit der sie zum Mitmachen anstiften möchte. Unterstützt werden vor allem die Kooperative Erziehungshilfe, die präventive Schulförderung und die Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt Lübeck.
Reaktionen zum Tod von Lisa Dräger
Michael Bouteiller, Ex-Bürgermeister: „Als ich von ihrem Tod gehört habe, war ich zuallererst traurig. Aber Lisa Dräger wird weiterleben: in den vielen Projekten, die sie ins Leben gerufen und gefördert hat. Am sichtbarsten mit der ,Lisa von Lübeck‘. Immer wenn ich das Hanseschiff sehe, werde ich auch weiterhin an sie denken. Für Lübeck war ihre unglaubliche Großzügigkeit und ihre Vernetzung mit vielen Institutionen außerordentlich hilfreich.“ 
Professor Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen: „Ich möchte in aller Deutlichkeit sagen, dass sich Lisa Dräger schon seit den 70er-Jahren dafür stark gemacht hat, dass das Gedenken an Thomas Mann in unserer Stadt wachgehalten wird. Und das zu einer Zeit, in der Thomas Mann noch durchaus umstritten war und nicht den Rang besaß, den er heute in Lübeck und weltweit hat. In diesem Sinne hat sie sich besonders dafür eingesetzt, dass das Buddenbrookhaus eine Gedenkstätte für Thomas Mann wird. Das war eines ihrer Lebensthemen, für das wir ihr zu großem Dank verpflichtet sind.“ 
Peter Sünnenwold, ehemaliger Stadtpräsident:
Eike Lehmann, Vorsitzender Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt Lübeck: „Wir sind sehr traurig, dass die Initiatorin und Unterstützerin unseres Projektes verstorben ist. Sie hat es mit ihrem festen Glauben an das Gelingen auf den Weg gebracht und bis zum Schluss begleitet. Dank ihres Einsatzes hat sie vielen Menschen Mut gemacht dabeizusein – auch mir persönlich. Bis ins hohe Alter war Lisa Dräger aktiv an Bord, und wir sind sehr dankbar, dass die Familie auch heute noch das Schiff und unsere Projekte unterstützt.“ 
Kurdirektor Uwe Kirchhoff: „Ich habe sie als sehr großzügige Dame kennengelernt, der das Allgemeinwohl immer am Herzen lag. Travemünde hat sie zum Beispiel aus eigenem Antrieb den Badesteg, diverse Pflanzaktionen und Bänke gestiftet. Das hat große Vorbildfunktion, und für all das sind wir ihr sehr dankbar.“ kü

Von Sabine Risch

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