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Lübeck Erderwärmung: Der Kampf gegen das Wasser
Lokales Lübeck Erderwärmung: Der Kampf gegen das Wasser
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18:22 08.10.2018
Bitterer Vorgeschmack? Im Oktober 2016 verwüstete eine Sturmflut den Strand in Travemünde. Quelle: Felix König
Lübeck/Ostholstein

Der Wind peitscht das Wasser gnadenlos über die Promenade, Geschäfte laufen voll, Häuser werden unbewohnbar: Noch ist ein solches Szenario in Travemünde fiktiv. Doch der Weltklimarat warnt: Wenn der globale Temperaturanstieg nicht begrenzt werde, können enorme Schäden für Mensch und Umwelt nicht mehr abgewendet werden. Konkret bedeutet das: Der Meeresspiegel steigt an. Und das kann auch für Lübeck und die Ostseebäder gefährlich werden.

Neue Bauvorschriften

Bisher verliefen die Sturmfluten meist glimpflich. Im Oktober 2017 sorgte Sturm „Herwart“ für eine tosende Brandung in Travemünde. An der Vorderreihe, dem Strand aber auch an der Obertrave war das Wasser gefährlich hoch. Ein Jahr zuvor im Oktober 2016 war der Strand von Travemünde ebenfalls überspült. Strandkörbe trieben herrenlos umher. „Solche Ereignisse werden häufiger“, bemerkt Kurdirektor Uwe Kirchhoff. „Seit einigen Jahren gelten deshalb bereits andere Bauvorschriften.“ Neue Badestege und Brücken werden nicht mehr mit einer Holz- sondern einer Stahlkonstruktion gebaut. „Außerdem ist vorgeschrieben, dass die Bauwerke 3,50 Meter über dem Meeresspiegel liegen müssen. Beispiel: Der 60 Meter lange Promenadensteg am Grünstrand. Er wurde bereits nach den neuen Vorschriften gebaut und liegt einen Meter höher als die Promenade. „Wir bekommen vor allem zu spüren, dass bei Sturmfluten die Amplituden steigen“, sagt Kirchhoff, „bisher ist alles glimpflich verlaufen, aber wir bereiten uns auf Veränderungen vor.“

Abbrüche am Brodtener Ufer

Betroffen ist neben dem Grünstrand besonders der Bereich rund um den Fähranleger der Priwall-Fähre an der Vorderreihe. „Wir können ja schlecht einen Deich in der Vorderreihe bauen, daher müssen wir überlegen, wie es weitergehen kann.“ Aber auch am Brodtener Ufer steige bei einem Anstieg des Meeresspiegels die Abbruchgefahr. „Je größer der Wellenschlag, desto stärker sind die Abbrüche“, so Kirchhoff. Auch die Lübecker Altstadt ist regelmäßig von Hochwasser bedroht. Denn der sogenannte Badewanneneffekt wirkt sich auch auf den Pegelstand der Trave aus: Drückt Westwind die Wassermassen Richtung Skandinavien, leert sich die Ostsee auf der schleswig-holsteinischen Seite. Sobald der Wind dreht und stark aus östlicher Richtung bläst, wird das Meer mit Druck zurück an die Küsten gespült. Dadurch steigen auch die Pegel der Flüsse wie der Trave. Besonders betroffen sind die Anwohner an der Ober- und Untertrave. Zuletzt mussten sie im März dieses Jahres ihre Häuser vor dem Wasser schützen. Die Stadt äußerte sich am Montag auf LN-Anfrage nicht zum Bericht des Weltklimarats. 2010 hatte die Stadt ein integriertes Klimaschutzkonzept beschlossen. Ziel ist es, den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren. Insgesamt produzieren die Lübecker im Jahr knapp 1,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das Treibhausgas ist für die globale Erwärmung verantwortlich.

Bauvorhaben in den Ostseebädern

Auch die Ostseebäder in Ostholstein bereiten sich auf diese Entwicklung vor. Etwa drei Millimeter pro Jahr oder 30 Zentimeter in einem Jahrhundert – dieser Anstieg des Meeresspiegels ist für Wolfgang Jensen, Oberbauleiter des Landesbetriebes Küstenschutz, realistisch. Natürlich gebe es andere Szenearien, sagt er. „Aber bezogen auf die Jahrhundertflut 1872, die besonders die ostholsteinische Küste schwer heimsuchte und 271 Menschen das Leben kostete, ist dies in etwa das richtige Maß“, sagt er. Deshalb investiere das Land permanent in die Deiche: zum Beispiel die Deichverstärkung über 820 Meter auf Fehmarn im Bereich Wallnau (Kostenpunkt 3,6 Millionen Euro), das Projekt wird in Kürze fertiggestellt sein. Gut 15 Millionen Euro flossen in den Deichabschnitt Rosenfelde–Dahme. Bereits zur Jahrtausendwende wurde der Grömitzer Deich, der über Lenste bis nach Kellenhusen reicht, angelegt. Er ist immer noch in einem guten Zustand. Im Kreissüden seien es vor allem höhergelegte Straßen, Promenaden und Strandwälle (Scharbeutz) oder Siele (Niendorf) gewesen, für die das Land Genehmigungsbehörde war. Jensen: „Deichschutz ist immer dynamisch, wir leben nun mal in einer latenten Gefahrenzone.“

Maike Wegner und Louis Gäbler

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