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Die Spannung steigt: Wo machen die Lübecker am Sonntag ihr Kreuz? Und wie viele Lübecker gehen wählen? Vor sechs Jahren waren es nur 38,9 Prozent. „Ich appelliere nachdrücklich an die Bürger, am Sonntag vom Wahlrecht Gebrauch zu machen“, fordert Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) die Lübecker auf. Er selbst tritt nach 18 Jahren im Amt nicht wieder an. „Alle Wahlen sind wichtig – aber die Bürgermeisterwahl ist die wichtigste für die Zukunft der Stadt“, so Saxe. Darum: „Hingehen! Mitmachen!“

Zeitenwende im Rathaus: Am Sonntag wählen 177000 Lübecker einen neuen Bürgermeister. Das erste Mal seit 18 Jahren tritt Amtsinhaber Bernd Saxe (SPD) nicht mehr an. Sechs Kandidaten wollen seine Nachfolge antreten. Eine Stichwahl am 19. November gilt als wahrscheinlich.

Zur Wahl stehen eine Frau und fünf Männer. Kathrin Weiher (parteilos) – die Kultursenatorin wird unterstützt von CDU, BfL, FDP, Grünen und Linken. Jan Lindenau (SPD) – der Fraktionschef ist von seiner Partei nominiert worden. Thomas Misch – aufgestellt von den Freien Wählern. Ali Alam (parteilos) wird von der Satire-Gruppe Die Partei unterstützt. Als parteiloser Kandidat bewirbt sich Detlev Stolzenberg, und ebenfalls als Parteiloser tritt Joachim Heising an.

Zur Wahl aufgerufen sind 177000 Lübecker. Wahlberechtigt sind alle ab 16 Jahren, die seit mindestens sechs Wochen in Lübeck wohnen und entweder Deutsche sind oder aus der Europäischen Union kommen. Die Benachrichtigungen zur Wahl sind bereits verschickt. Wer sie verloren hat, kann dennoch wählen. Dazu muss er entweder Personalausweis, Reisepass oder Führerschein im Wahllokal vorlegen.

Wer nicht weiß, in welchem Wahllokal er seine Stimme abgeben kann, der findet es mit Hilfe des Wahlraumfinders. Der ist auf der Website der Stadt zu finden.

Das Stadtgebiet ist in 122 Bezirke aufgeteilt, in jedem gibt es ein Wahllokal. Außerdem werden sich 15 Wahl-Teams in der Hanse-Schule nur um das Auszählen der Briefwahl-Stimmen kümmern. Denn diesmal sind es mehr als doppelt so viele Briefwähler wie bei der vergangenen Bürgermeisterwahl. Das Problem: Das Auszählen der Briefwahl-Stimmen dauert länger als das Auszählen der Stimmzettel, die in die Wahltonne geworfen werden. Denn die Briefwahlunterlagen stecken in zwei Umschlägen. Im äußeren ist der Name des Briefwählers notiert. Im inneren der Stimmzettel. Beides muss erst getrennt und dann geöffnet werden, um das Wahlgeheimnis zu wahren. Wenn die Wahlergebnisse zu den Stadtteilen präsentiert werden, fehlen dabei die Briefwähler. Denn die können nicht einem Stadtteil zugeordnet werden, sie bilden eine eigene Kategorie. Am Wahltag sind 950 Ehrenamtliche im Einsatz. Die Kosten der Wahl: 200 000 Euro.

Hochspannend wird es am Sonntagabend in der Großen Börse, wenn dort die Wahlergebnisse präsentiert werden. Bürgermeister Saxe fungiert als Wahlleiter. Ab 18 Uhr werden die Stimmen ausgezählt, die Ergebnisse aus den Wahllokalen laufen nach und nach ein. Es wird mit einem Ergebnis spät am Abend gerechnet. Bei der Landtagswahl im Mai und bei der Bundestagswahl im September dauerte es bis Mitternacht.

Dann steht der neue Bürgermeister fest – oder es gibt eine Stichwahl. Denn im ersten Wahlgang muss einer der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen – angesichts von sechs Bewerbern eine schwierige Sache. Daher scheint eine Stichwahl am 19. November wahrscheinlich. Dort würden die beiden Kandidaten gegeneinander antreten, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben.

Amtsantritt für den neuen Bürgermeister ist der 1. Mai.

Der Stimmzettel

Der Bürgermeister wird seit 1999 direkt gewählt. Drei Mal ist es Amtsinhaber Bernd Saxe (SPD) gelungen, die Stimmen der Lübecker mehrheitlich für sich zu gewinnen. Für eine vierte Amtszeit wollte der 63-Jährige nicht kandidieren. Dafür gehen jetzt sechs Kandidaten ins Rennen. Sie sind alle auf dem Stimmzettel notiert – jeder Wahlberechtigte darf nur ein Kreuz machen, sonst ist sein Stimmzettel ungültig.

Die Amtszeit eines Bürgermeisters beträgt sechs Jahre, das Einkommen um die 113000 Euro. Der Rathaus-Chef hat eine Sieben-Tage-Woche und kommt auf geschätzte 60 bis 70 Stunden.

Der lübsche Bürgermeister ist Chef von 3500 Mitarbeitern und verfügt über ein Budget von 800 Millionen Euro im Jahr. Aktuell hat die Stadt 1,5 Milliarden Euro Schulden.

 Josephine von Zastrow

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