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Lokales Lübeck Lübeck weitet Angebote für Demenzkranke aus
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22:18 29.08.2016
Gäste der Tagespflege Memoritas spielen mit Heidi Juhl-Damberg (l.) und Ellen Engelke-Wunder (2. v. r.) ein Brettspiel. Quelle: Wolfgang Maxwitat

18 Frauen und Männer haben sich um die beiden großen Tische versammelt, treffen sich zum Frühstück. Anschließend stehen Musik und Bewegung auf dem Tagesprogramm. An der Wand hängt eingerahmt das heutige Essensangebot: Wurstgulasch und Nudeln. Die Räume sind hell und freundlich, die gemütlichen Sessel mit Rollen ausgestattet, damit sie sich leichter bewegen lassen. Fünf Tage in der Woche holen drei Busse der Johanniter die Demenzkranken aus der ganzen Stadt ab und bringen sie in die Tagespflege Memoritas im Hansering.

Pflegedienstleiterin Ellen Engelke-Wunder und zehn Mitarbeiter kümmern sich um die Gäste. Und bereiten ein Highlight der diesjährigen 13. Lübecker Alzheimertage vor – den Tanztee mit Musik aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren. Heidi Juhl-Damberg, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft: „Diese Musik haben die Menschen noch in guter Erinnerung.“

Seit 13 Jahren bemühen sich Alzheimer Gesellschaft und der städtische Pflegestützpunkt, die Öffentlichkeit für die Erkrankung zu sensibilisieren und den schleichenden Gedächtnisverlust aus der Tabu-Zone zu holen. Warum ist das wichtig? „Weil viele Erkrankte und ihre Angehörigen sich immer noch zu spät um Hilfe und Entlastung bemühen und viele immer noch nicht wissen, welche Hilfsangebote es in Lübeck gibt“, erklärt Karin Claus vom Pflegestützpunkt. „Weil die Kassiererin im Supermarkt, der Mitarbeiter in der Bank und der Polizeibeamte lernen müssen, mit dem wundersamen Verhalten von Demenzkranken umzugehen“, erklärt Heidi Juhl-Damberg. „Denn diese Erkrankung kann man den Betroffenen nicht ansehen.“

Und es werden immer mehr. 4500 bis 5000 sind es derzeit in Lübeck – Tendenz stark steigend. „Ich habe das Gefühl, das Thema ist in der Öffentlichkeit angekommen“, sagt Sozialsenator Sven Schindler (SPD). Wer Hilfe benötigt, findet sie bei der Alzheimer Gesellschaft, dem Pflegestützpunkt, Beratungsstellen und ambulanten Diensten. Die Zahl der Tagespflegestellen liege derzeit bei neun in Lübeck und Umgebung, berichtet Uta Henke vom Pflegestützpunkt, im Oktober eröffnet eine weitere.

Auch die Museen engagieren sich. Im Rahmen eines bundesweiten Projekts wurde ein Kunstnachmittag für Demente und Angehörige entwickelt. „Wir wollen, dass auch diese Menschen Zugang zu den Museen haben“, sagt Prof. Hans Wißkirchen, Chef der Kulturstiftung. Dafür wurde das Behnhaus ausgewählt – wegen der großen Bandbreite an Kunstwerken und der Atmosphäre seiner Räume. Die Kunstmittlerin Annette Klockmann, die das Angebot entwickelt hat, und Kunsttherapeutin Franziska Koschmidder begleiten kleine Gruppen durch die Ausstellung. Start ist am Mittwoch, 14. September, um 14 Uhr. Sieben weitere Termine sind geplant. Die Teilnahme kostet vier Euro plus Eintritt. Anmeldungen sind erwünscht unter Telefon 0451/1224273.

Das Programm

Die 13. Lübecker Alzheimertage bieten vom 14. bis 25. September Programm. Erstmals geht die Alzheimer Gesellschaft mit ihren Infoständen in Supermärkte (21. September, Ziegelstraße und Kantstraße, Sky; 22. September, Herrenwyk und Schwartauer Landstraße, Famila). Am 15. September wird in der VHS, Falkenplatz 10, das Stück „Ich erinnere mich genau“ aufgeführt (19.30 Uhr, Eintritt zehn Euro), am 20. September folgt eine szenische Lesung „Die Akte der Auguste D.“ im Museum Bad Schwartau, Schillerstraße 8-10. Am 25. September gibt es Live-Musik zum Tanztee im Hansering 3, ab 15 Uhr (fünf Euro Eintritt).

 Kai Dordowsky

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