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Lokales Lübeck Lübeck will eine Helmut-Schmidt-Straße
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22:16 03.06.2016
1985: Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt wird mit dem früheren amerikanischen Präsidenten Gerald Ford (vorn, 2. v. l.) vom Kieler Oppositionsführer Björn Engholm (SPD, ganz l.) in Lübeck empfangen. Quelle: LN-Archiv

Helmut Schmidt genießt als bedeutender Staatsmann über seinen Tod hinaus großes Ansehen. Ausgerechnet die SPD-Fraktionsvorsitzende des Stadtrats von Hannover aber hat Vorbehalte dagegen geäußert, eine Straße nach dem ehemaligen Bundeskanzler zu benennen. Ihrer Meinung nach muss erst seine Rolle in der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs geprüft werden. Lübecker Politiker haben dafür kein Verständnis.

Als „befremdlich“ bezeichnet Lübecks SPD-Fraktionschef Jan Lindenau die Bedenken seiner Kollegin. „Es wird in vielen Städten Thema sein, ihn zu ehren.“ Ob in der Hansestadt eine Straße nach dem Altkanzler benannt werden könnte, sei schwierig einzuschätzen. „Es gibt eine lange Liste von Namen, die für künftige Straßen vorgesehen sind“, sagt Lindenau. „Es ist die Frage, wann sein Name realisiert werden würde.“

„Er hat zu Lebzeiten viele Funktionen gehabt, und da darf man gerne darüber nachdenken, eine Straße nach ihm zu benennen oder ihm ein Zeichen zu setzen“, sagt Annete Röttger (CDU). Sie erinnert auch an die Verbindung zum Norden und zu Lübeck. Schmidt war zuletzt zur Eröffnung des Hansemuseums zu Besuch. Einige Jahre zuvor hatte er das seinem Vorgänger Willy Brandt gewidmete Haus in der Königstraße angesehen. 1982 schlenderte er mit dem französischen Staatspräsidenten durch die Stadt. 1981 besuchte er als Bundeskanzler das Drägerwerk.

„Es muss ja nicht unbedingt eine Straße sein – auch wenn das oft üblich ist“, sagt Bruno Böhm (Freie Wähler & Die Linke). Er gibt zu bedenken, dass es um Straßennamen viel Diskussion gebe – auch in Lübeck. „Bei jedem Menschen kann man etwas finden, was nicht gut ist oder war.“ „Gerade bei Helmut Schmidt erwarte ich keine Diskussion – er wurde weltpolitisch zu Rate gezogen“, sagt dagegen Michelle Akyurt (Die Grünen). „Ich hätte nichts gegen eine solche Straße.“

Deutlich äußert sich Oliver Dedow (Partei-Piraten): „Wenn wir uns darüber Gedanken machen können, welche Rolle Helmut Schmidt in der Wehrmacht hatte, haben wir scheinbar keine größeren Probleme.“

Auch er meint: Bei jedem Menschen seien Dinge zu finden, die schlecht ausgelegt werden könnten. „Aber deshalb kann ich mir doch nicht anmaßen, Helmut Schmidt nicht zu schätzen“, sagt Dedow. „Eine wissenschaftliche Diskussion ist überflüssig. Er hat über Jahre einen guten Job gemacht.“ Es sei eine gute Idee, eine Straße nach ihm zu benennen.

Mit Hilfe eines QR-Codes könnte ein Straßenschild Informationen darüber geben, wieso es seinen Namen trägt. Damit will Thomas Rathcke (FDP) Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. „Jeder könnte sich so informieren, wofür derjenige geehrt wurde – und wofür eben nicht“, sagt Rathcke. „Schmidt hat Großes geleistet, und dafür könnten wir ihm auch eine Straße widmen.“

Straßen nach Personen zu benennen, sieht Marcel Niewöhner (BfL) grundsätzlich kritisch. „Es ist immer vom Zeitgeist abhängig, ob jemand für ehrungswürdig gehalten wird“, sagt Niewöhner. „Wenn man der Meinung ist, ein Denkmal setzen zu wollen, dann soll man tatsächlich ein Denkmal nehmen.“

Schmidt sei nicht unbedingt der sozialste Bundeskanzler gewesen, merkt Antje Jansen (GAL) an, die gegen eine Ehrung ist. „Es gibt viele andere ehrenswerte Persönlichkeiten – und da sollte man vor allem mal auf die Frauen gucken.“

Pläne zur Umbenennung

Die Straßen: Wenn es nach dem interfraktionellen Arbeitskreis „Historisch- wissenschaftliche Überprüfung der nach Personen benannten Straßen der Hansestadt“ und dem Votum der von ihm beauftragten Gutachter geht, sollten zwei Straßen und ein Platz in Lübeck umbenannt werden: Pfitznerstraße, Lenardweg und Hindenburgplatz.

Die Gründe: Paul von Hindenburg wurde laut des Berichts für seine Verantwortung für das Ende der Weimarer Republik von Lübecker Nazis geehrt. Der Komponist Hans Pfitzner sei auch nach 1945 antisemitisch aufgefallen und soll sich 1933 an einer Unterschriftenaktion gegen Thomas Mann beteiligt haben. Und der Physiker Philip Lenard soll Antisemit und Hauptvertreter der „Arischen Physik“ gewesen sein.

Derzeit berät der Arbeitskreis, wie die Bürgerbeteiligung im Umbenennungs- Prozess aussehen könnte.

Kim Meyer

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