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16:46 14.12.2018
115 Kinder werden im Schulkinderhaus der Dom-Schule betreut. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Erst die Kitas, jetzt die Grundschulen: Die Zeiten, in denen Eltern selber sehen müssen, wie sie ihren Nachwuchs unterbringen, werden in Lübeck immer kürzer. 2017 beschloss die Bürgerschaft, dass Kitas im Jahresverlauf nur noch an 20 statt wie bisher an 30 Tagen im Jahr geschlossen sein dürfen. 2018 legte die Bürgerschaft außerdem fest, dass die Kitas in den Sommerferien nur maximal zwei Wochen dicht sein dürfen. 2019 müssen die Grundschulen, die Schüler an Nachmittagen betreuen, nachziehen. Die sogenannten Schließzeiten werden von bisher sechs auf maximal vier Wochen im Jahr reduziert. Das hat die Bürgerschaft bereits Ende 2017 beschlossen. Ende November dieses Jahres hat sie nun auch Geld dafür bereitgestellt. 300 000 Euro, damit die Träger, die in den Schulen die Nachmittagsbetreuung organisieren, mehr Personal einstellen können.

„Die Mittel sind ausreichend, um für 100 Gruppen die Schließzeiten im Jahr 2019 zu reduzieren", sagt Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos). Insgesamt gibt es derzeit 184 Gruppen an 31 Grundschulen. Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei diese Reduzierung zu begrüßen, erklärt die Senatorin. Erleichterung herrscht bei den Elternverbänden.

Nur vier statt sechs Wochen geschlossen

„Familien, die gleichzeitig Kinder in der Kita und in der Grundschulbetreuung haben, profitieren von der Reduzierung der Schließzeiten“, sagt Christian Weise, kommissarischer Vorsitzender der Kreiselternvertretung. „Familien bekommen mehr Flexibilität für ihre Urlaubsplanung“, erklärt Jenny Scharfe von der Initiative „Elternstimme“. Künftig müssten berufstätige Eltern mit Kindern in Kita und Grundschule nicht mehr bis zu 60 betreuungsfreie Tage im Jahr abdecken, sondern höchstens 40.

Für die Elternverbände, die seit 2017 gegen die wochenlangen Schließungen der Einrichtungen kämpfen, ist das „ein Sieg auf der ganzen Linie“, bestätigt Jenny Scharfe: „Wir haben den Stein ins Rollen gebracht. Toll ist, dass die Politiker darauf achten, dass die Beschlüsse auch umgesetzt werden.“

Berufspraktikant Joe Doescher hilft bei der Mittagversorgung in der Dom-Schule. Quelle: Lutz Roeßler

Die Stadtverwaltung und der größte Anbieter von Schulkindbetreuung haben aber immer wieder Zweifel, dass die ausgeweitete Betreuung auch in Anspruch genommen wird. „Schulen haben zurückgemeldet, dass die Ferienzeiten gar nicht immer voll umfänglich von den Eltern ausgeschöpft werden“, sagt Bildungssenatorin Weiher und empfiehlt Konzepte, bei denen sich mehrere Schulen zusammenschließen, um die Betreuung in den Ferien sicherzustellen.

„Grundsätzlich begrüßen wir die Reduzierung der Schließzeiten“, sagt Joachim Karschny von Kinderwege. Das gemeinnützige Unternehmen betreibt elf Standorte von Schulkindbetreuung. „Doch generelle Lösungen sind selten sinnvoll und in jedem Fall kostenträchtig“, erklärt der Geschäftsführer. Besser sei es, zu ermitteln, wie viele Eltern diese Nachmittagsbetreuung für ihre Kinder wirklich benötigen und dafür das Angebot maßzuschneidern. Karschny erinnert daran, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur ein Thema für Schule, Kita und Verwaltung sei, sondern dass sich auch Unternehmen ihrer Verantwortung stellen müssten.

Eckpunktepapier mit vielen Wünschen

Die Elternverbände haben weitergehende Wünsche. „Mittelfristig bleibt es das Ziel, feste Schließzeiten abzuschaffen, so dass Kinder grundsätzlich dann Urlaub nehmen können, wenn ihre Eltern Urlaub bekommen“, sagt Christian Weise von der Kreiselternvertretung. „Gar keine Schließtage“, fordert auch Jenny Scharfe von „Elternstimme“.

Eine Arbeitsgruppe aus Verwaltung, Jugendpolitikern, Trägervertretern und Elternverbänden beschäftigt sich gerade mit einer grundlegenden Verbesserung der Ganztagsbetreuung an den Schulen. In einem Eckpunktepapier geht es nicht nur um die Reduzierung von Schließzeiten, sondern auch um höhere Mindeststandards bei der personellen und räumlichen Ausstattung sowie den Erhalt der verbliebenen Horte in Lübeck. Bei 4500 Kindern, die in den Grundschulen nachmittags betreut werden, würden sich daraus Mehrkosten von fast 14 Millionen Euro für die Stadt ergeben. Christian Weise von der Kreiselternvertretung: „Die Schulkindbetreuung ist momentan völlig unterfinanziert.“ Bildungssenatorin Weiher betrachtet das Papier lediglich als Wunschzettel.

Kai Dordowsky

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