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Lokales Lübeck Lübeck wird zur pestizidfreien Stadt
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07:04 09.08.2017
Wildblumenwiesen – wie hier am Lindenteller – sind wichtig für das ökologische Gleichgewicht. Quelle: Fotos: Lutz Roessler (2), Fotolia

„Es war an der Zeit für diesen Antrag“, sagt Silke Mählenhoff, umweltpolitische Sprecherin der Grünen, die den Antrag durchsetzten. „Es muss eine ökologische Wende geschaffen werden.“

Auf Antrag der SPD setzte der Ausschuss allerdings eine Einschränkung durch. Sollte der Einsatz von Pestiziden zum Schutz der Bevölkerung nötig werden, ist das zulässig. Beispielsweise, wenn eine Rattenplage die Travestadt heimsucht oder die Tigermücke in riesigen Schwärmen einfällt. Eine Umfrage von Verwaltung und Politik ergab, dass der Grünen-Antrag bereits weitgehend erfüllt wird. „Der Bereich Stadtgrün und Verkehr setzt weder auf kommunalen Flächen noch auf Flächen, wo der Bereich für Dritte als Dienstleister tätig ist, Pestizide ein“, erklärt das städtische Presseamt. „Das gilt auch für die städtischen Friedhöfe.“ Firmen, die von der Verwaltung mit Pflege beauftragt werden, dürften ebenfalls keine dieser Mittel einsetzen. Auf fast allen Stadtgütern, die verpachtet sind, sei das entsprechend geregelt. Die Hafenbehörde LPA setzt Unkrautvernichter zwei Mal im Jahr ein, um die Gleise freizuhalten. Böschungen, die von Riesenbärenklau bewachsen sind, würden mit einem Spezialmittel behandelt, erklärt das Presseamt.

Die KWL versichert, dass „auf den von uns bewirtschafteten und zu vermarktenden Flächen keine Pestizide zum Einsatz kommen“, erklärt Hauke Guttenberg, Bereichsleiter Projekt- und Gebäudemanagement.

Auch die zahlreichen Kleingärtner dürfen diese Mittel nicht einsetzen. Der Generalpachtvertrag für Lübeck regelt, dass „die Schädlingsbekämpfung und der Einsatz von Düngerstoffen nur durch ökologisch unbedenkliche Mittel und Mengen erfolgt“. Die Gartenordnungen würden „das Ausbringen von Unkrautvernichtungsmitteln in Kleingärten“ verbieten, sagt Hans-Dieter Schiller, Landes- und Kreisvorsitzender der Gartenfreunde.

Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gibt es bundesweit 50 Kommunen, die bereits ganz oder teilweise pestizidfrei sind – einige schon mehr als 20 Jahre wie beispielsweise Bielefeld, Eckernförde oder Tübingen. Aus Sicht des BUND ist der wichtigste Schritt, die Bürger davon zu überzeugen. „Jeder kann im eigenen Garten oder beim Straßenbaum vor der Tür aktiv werden“, sagt Grünen-Politikerin Mählenhoff. „Verzicht auf Pestizide, Rasen mit Gänseblümchen, das eine oder andere Wildkraut – das wäre ein Anfang.“ Wichtig wäre auch, „dass Verbraucher- und Baumärkte diese Mittel gar nicht mehr verkaufen“, wünscht sich Mählenhoff, „aber da können wir nur appellieren.“

Die GAL hätte sich einen solchen Beschluss des Umweltausschusses auch für den Einsatz von Streusalz gewünscht. Ein Antrag der GAL im Winter zur Einhaltung des Streusalzverbots wurde jedoch abgelehnt, erklärt Bürgerschaftsmitglied Katja Mentz. „Viele wissen nicht, dass der Einsatz verboten und sehr umweltschädlich ist.“

Aktionsplan Bienenschutz

Der Umweltausschuss hat einstimmig den Aktionsplan Bienenschutz beschlossen. Es geht darum, mehr Flächen in der Stadt so zu gestalten, dass Bienen ein vielfältiges Nahrungsangebot und Brutplätze finden. Es wird geprüft, ob in Park- und öffentlichen Grünanlagen ausgewählte Bereiche großflächig in Blumenwiesen umgewandelt werden können. Saatgut soll nicht mit Neonicotinoiden belastet sein, da diese die Insekten vergiften.

Bürger sollen ermuntert werden, sich für den Erhalt und die Förderung der Bienen zu engagieren, indem sie im Garten oder auf dem Balkon geeignete Blumen pflanzen. Lübecks Kleingärtner haben bereits mehrere Projekte zum Bienenschutz laufen und wollen sich in den Aktionsplan einbringen. Die Entsorgungsbetriebe (EBL) wollen „möglichst viele Wildblumenwiesen pflanzen“, erklärt Manfred Rehberg, Leiter der Stadtreinigung. Auch die KWL will Wildblumenwiesen entwickeln.

Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) unterstützt den Aktionsplan, kann ihn aber nur langsam umsetzen. Grund: Hinsen fehlt Personal.

 Kai Dordowsky

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